Auf der Leipziger Straße machten die Kaufunger die Nacht zum Tage – Ende mit Abendbrot am Morgen

Frühschoppen vor der Geisterstunde

Angezapft: Ralf Binder sorgte für ein kühles Helles.

Kaufungen. Oberkaufungen stand in der Nacht auf Fronleichnam buchstäblich Kopf. Auf einem für Autos gesperrten Abschnitt der Leipziger Straße feierten Hunderte Kaufunger bei Livemusik, Cocktails und Würstchen. Und taten dabei so, als wäre der Abend der Morgen und der Morgen der Abend. Gefeiert wurden 1000 Jahre Kaufungen.

Welt auf den Kopf gestellt

Für Jörg Lachmann war die Nacht viel mehr als ein Fest. „Wir gehen hier solidarisch für die Protestanten in Spanien auf die Straße“, flachste der Philosophieprofessor der Kasseler Universität. Auch erinnerte ihn die Veranstaltung unter dem Motto „Wir machen die Nacht zum Tag“ an spätmittelalterliche Moralsatire.

„Das ist hier wie auf dem Narrenschiff von Sebastian Brant“, sagte der Philosophieprofessor. Seine Sitznachbarn schlossen sich der Einschätzung an. „Die Welt steht Kopf in Kaufungen“, sagte Katrin Garo, die Lachmann gegenübersaß.

Tatsächlich haben die Kaufunger die Welt, zumindest in Oberkaufungen, auf den Kopf gestellt. Zu Beginn der Feier um 18 Uhr stand erst mal Frühstück auf dem Programm.

Nach dem Gottesdienst gab es einen Frühschoppen - um 23 Uhr. Mittag war in Kaufungen um 24 Uhr. Hunderte Würstchen wanderten über die Theken.

Philosoph Lachmann und seine Freunde verzichteten allerdings darauf. „Bei uns ist Kaufungen multikulturell“, sagte Lachmann und deutete auf seine französische Sitznachbarin. Deshalb gab es auch internationale Küche.

Bei spanischem Rotwein aß man marokkanische Merguez-Würstchen, deutschen Nudelsalat und türkisches Brot.

Eigentlich schon im Bett

Eher süß speiste man im Eiscafé Cortina. „Ich finde es toll, aber ich bin auch schon ganz müde“, sagte die achtjährige Chantal. Normalerweise gehe die Tochter schon um acht ins Bett, sagte Mutter Tanja Siebert. Christian Grabow fährt zum Feiern normalerweise nach Kassel. „Aber heute ist Kaufungen absolut angesagt“, sagte Grabow vor dem in Dunkelheit gehüllten Rathaus.

Wie lange er noch feiern würde, wusste er noch nicht. „Mal sehen, was die Nacht noch so bringt.“

Von Sebastian Dilling

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