Mann fuhr trotz Krankheit Auto: Führerschein sechs Monate weg

Kassel/Baunatal. „Mit dem Wissen, das ich jetzt habe, würde ich sagen: Hätte ich mich lieber nicht ins Auto gesetzt“, sagte der Angeklagte, bevor sich die Richterin zur Urteilsfindung zurückzog.

Im vergangenen Juni aber habe er „wirklich gedacht, es geht“. Von Essen nach Gera wollte der 41-Jährige noch fahren. Ein Arzt im Ruhrgebiet hatte ihm zwar nahegelegt, sich mit seinem geschwollenen Bein und einem Verdacht auf Thrombose in eine Klinik zu begeben. Doch er wollte heim.

Auf der Verbindungsspange von der Autobahn 44 zur A 7 in der Gemarkung Baunatal fuhr er dann auf einen Sattelschlepper auf – und landete nun auf der Anklagebank. Wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs verurteilte ihn das Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 10 Euro. Aufgrund der ärztlichen Empfehlung hätte der 41-Jährige erkennen können, dass er nicht mehr in der Lage war, ein Fahrzeug zu führen, befand Richterin Schweiger.

Auch der Führerschein des 41-Jährigen, der zurzeit von Arbeitslosengeld lebt, bleibt eingezogen. Für weitere vier Monate darf er keine neue Fahrerlaubnis erhalten. Seit zwei Monaten hatte er bereits auf sie verzichten müssen.

Das Strafmaß entsprach den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Verteidigerin Juliane Ernst hatte sich dafür eingesetzt, ihrem Mandanten nicht den Führerschein zu entziehen. Der Mann hatte betont, er brauche den, um einen neuen Job zu finden.

Laut Anklage war der 41-Jährige ungebremst auf den Sattelzug aufgefahren, weil er bewusstlos geworden war. Er selbst sagte, er könne nicht erklären, wie der Unfall passiert sei. Er habe sich „nicht hundertprozentig“ gefühlt: „Aber es ging – bis halt auf diese Stelle, wo ich auf den Lkw aufgefahren bin.“

Dass der Mann bereits in der Nacht zuvor kaum geschlafen habe, wie in der Anklage stand, konnte ihm nicht nachgewiesen werden. Er sagt, er habe sich übergeben – dann aber weiter geschlafen. Auch dass er das hohe Fieber, das später in einer Kasseler Klinik gemessen wurde, nicht gespürt habe, könne ihm nicht widerlegt werden, sagte die Richterin.

Ein Berufsfeuerwehrmann berichtete, wie der 41-Jährige nach dem Unfall zunächst noch ein neues Auto mieten und nach Gera habe fahren wollen. Es seien „recht zähe Verhandlungen gewesen“, bis er den 41-Jährigen schließlich doch im Rettungswagen mit ins Krankenhaus nehmen konnte. Dann wandte sich der Zeuge freundlich an den Angeklagten: „Geht es Ihnen denn wieder gut?“

Mit dem Urteil jedenfalls scheint der 41-Jährige ganz gut leben zu können. Er verzichtete auf Rechtsmittel. Vorbestraft war er bislang nicht. Auch jeglicher Eintrag im Verkehrsregister fehlte.

Von Katja Schmidt

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