Dritte Anklage mit 281 Fällen

Fünf Jahre Haft für 61-jährigen Dealer aus Vellmar

Vellmar/Kassel. Ein 61 Jahre alter Drogenhändler aus Vellmar muss fünf Jahre ins Gefängnis.

Wegen „unerlaubten gewerbsmäßigen Handels mit Betäubungsmitteln sowie unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge” hat ihn das Amtsgericht Kassel am Mittwoch zu zwei Freiheitsstrafen verurteilt, die zusammen fünf Jahre ergeben. Der Staatsanwalt hatte zusammen fünf Jahre und neun Monate beantragt, der Verteidiger vier Jahre und neun Monate. Frühere Urteile wurden mit berücksichtigt.

Der aus Detroit stammende ehemalige US-Soldat, Vater von vier Kindern, war bereits in den Jahren 2003, 2006 und 2013 verurteilt worden, zuletzt zu zwei Jahren Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt worden waren. Seit November 2014 sitzt er in Untersuchungshaft. Gestern ließ das Amtsgericht eine dritte Anklage der Staatsanwaltschaft zu. Laut Anklagebehörde hatte der Beschuldigte von Februar 2009 bis Februar 2010 etwa 2,3 Kilogramm Crack und etwa 100 Gramm Kokain in Einzelmengen von vier bis 20 Gramm in Vellmar und Kassel an eine Abnehmerin verkauft. Zudem soll er Mitte November 2014 über 60 Gramm Crack und zehn Gramm Kokain verfügt haben, um sie gewinnbringend weiterzuverkaufen. Allein diese Anklage enthielt 281 Straftaten.

68 davon habe sein Mandat nicht begangen, sagte der Anwalt. Daraufhin stellte der Staatsanwalt diese Fälle ein. 360 Fälle enthielten die vorhergehende Anklage. Aus dem Verkauf von Crack habe sich der Mann eine dauerhafte Erwerbsquelle zur Finanzierung seines Lebensunterhaltes verschafft, lautet der Vorwurf. Ferner habe er Kokain aufgekocht und als Crack gewinnbringend weiterverkauft.

Laut Staatsanwalt hat der US-Staatsbürger durch seinen Rauschgifthandel mehr als 700 000 Euro eingenommen. Nun muss er nach dem Urteil auch noch 75 000 Euro an die Staatskasse zahlen – eine so genannte Gewinnabschöpfung für die verbotenen Geschäfte. Mehrere tausend Euro Verfahrenskosten kommen hinzu.

„Sie sind ein Dealer, wie er im Buche steht”, sagte der Vorsitzende Richter Klaus Döll nach der Urteilsverkündung. Und: „Sie haben aus der Sucht der Anderen Ihren finanziellen Vorteil gesucht und gefunden. Zum Strafmaß sagte Döll: „Sie werden hier nicht über den Tisch gezogen.”

Bereits am ersten Verhandlungstag hatte Döll nach eingehenden Beratungen mit Staatsanwalt und Verteidiger von einem „Sonderangebot” gesprochen. Bei einem Geständnis werde die Gesamtstrafe fünf Jahre nicht überschreiten.

Der Staatsanwalt sagte gestern, für den Beschuldigten spreche, dass er geständig und einsichtig sei: „Ob es Reue ist, wage ich nicht zu behaupten.” Für den Angeklagten sehr peinlich sei, dass er nach drei vorherigen Urteilen erneut Straftaten begangen und trotz Bewährungsauflagen immer weitergemacht habe. Dies sei ein katastrophal schneller Rückfall.

Crack sei eine der gefährlichsten Drogen, sagte der Staatsanwalt, und es gebe keine weichen Drogen. Der Beschuldigte habe immer am Rande der Gesellschaft gestanden. Er habe trotz der Urteile immer weitergemacht, das Geld habe ihn gelockt.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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