Bürgerhaus Dennhausen

Rauswurf nach langen Querelen: Aber Pächter bleiben

Der Konflikt geht weiter: Die Gemeinde liegt im Streit mit den Pächtern des Bürgerhauses Parkstraße in Dennhausen und schickte die Kündigung. Doch der Vertrag läuft noch vier Jahre weiter. Foto: Büntig

Fuldabrück. Das Tischtuch ist zerschnitten, nach längeren und andauernden Querelen hat die Gemeinde Fuldabrück den Pächtern des Bürgerhauses Parkstraße in Dennhausen jetzt gekündigt.

Wirksam wird dies allerdings erst zum Jahresende 2018, also in vier Jahren. Denn die Gemeinde hatte mit Anke und Edgar Müller als Geschäftsführer der InPrimus GmbH 2013 einen Fünf-Jahres-Vertrag geschlossen.

Der Kündigung vorausgegangen war der Versuch der Gemeinde, sich mit den Pächtern gütlich zu einigen. Doch der vom Gemeindevorstand angebotene Auflösungsvertrag wurde vom Pächter abgelehnt.

„essgenuss“ statt Kupferkanne 

Gekriselt hat es bereits seit vielen Monaten. Die Vereine fühlten sich nicht ernst genommen, örtliche Gäste schlecht behandelt. Hintergrund ist die Konzeption der Pächter, im Bürgerhaus den Schwerpunkt auf hochkarätige Tanzveranstaltungen zu legen, die vor allem von externen Gästen besucht werden. Aus der angeschlossenen traditionellen Gaststätte „Kupferkanne“ wurde das Restaurant „essgenuss“, wo es anstelle von Currywurst mit Pommes und Gehacktesbrötchen jetzt erlesene Speisen sowie internationale Spezialitäten im gehobenen Preissegment gibt.

Als ehemaliger Präsident des Rot-Weiss-Klubs Kassel nutzte Müller seine Kontakte, um hochkarätige Tänzer - zum Beispiel „Let’s dance“-Star Motsi Mabuse - nach Fuldabrück zu holen. Außerdem werden regelmäßig Tanzworkshops sowie Dinner-&-Dance-Partys angeboten.

Zu den angedachten Auftritten regionaler Künstler aus den Bereichen Kabarett, Varieté, Comedy oder Musik kam es dagegen bisher nicht, Mottoabende wie zum Beispiel die Elvis-Night erfüllten nicht die Erwartungen. Neben den eigenen Veranstaltungen räumte Müller Vereinen und Privatpersonen die Nutzung des Bürgerhauses ein und betonte den hohen Stellenwert der ansässigen Bevölkerung.

Von den Vereinen und vielen Bürgern wird dies jedoch anders wahrgenommen. In vielen Gesprächen berichteten sie, dass es von Anfang an immer wieder zu Unstimmigkeiten kam. Vereinsveranstaltungen liefen nicht wie vereinbart, anstelle möglicher Kooperationen im Sportangebot wurden Konkurrenzangebote gemacht. Speisen aus der von den Vereinen gewünschten „kleinen Speisekarte“ durften nicht im Lokal, sondern nur im Nebenraum verzehrt werden.

Harald Günther, Vorsitzender des Rot-Kreuz-Ortsverbands, berichtete, dass DRK-Leuten der Besuch des Lokals in Dienstkleidung im Anschluss an eine Blutspendeaktion als „unpassend“ verwehrt wurde. Mitglieder des Gemischten Chores wurden im ansonsten leeren Lokal aufgefordert, das Singen von Geburtstagsständchen zu unterlassen.

Neujahrsempfang verlegt 

Der Frust und die wachsende Unzufriedenheit der Bevölkerung zeigt sich nun durch unbesetzte Tische im Lokal. Vereine, die das Bürgerhaus seit Jahrzehnten nutzten, haben sich andere, oft mit Fahrwegen verbundene Räume für Sitzungen und Feiern gesucht. Selbst Beerdigungskaffees in Denn- und Dittershausen fanden bereits in benachbarten Ortsteilen statt. Auch die Gemeinde hat die Zusammenarbeit eingestellt. So wird der turnusgemäß in Dennhausen geplante Neujahrsempfang in Bergshausen stattfinden.

Von Sabine Büntig und Holger Schindler 

DAS SAGEN

 

• Bürgermeister Dieter Lengemann (SPD): „Es wurde ein inhaltlich gleicher Pachtvertrag wie bei den Vorgängern abgeschlossen. Darüber hinaus wurden Hinweise gegeben, die nicht angenommen wurden. Bereits seit März haben aufgrund zahlreicher Vorkommnisse gemeinsam mit dem Pächter und den Vereinen Gespräche stattgefunden, die jedoch zu keinerlei positiven Ergebnissen führten. Das Bürgerhaus muss insbesondere für die Fuldabrücker Bevölkerung und Vereine zur Verfügung stehen und in ihrem Sinne nutzbar sein. Ein Abwandern in andere Ortsteile ist auf Dauer nicht zumutbar, zumal die Räumlichkeiten ja da sind. Der Gemeindevorstand hat dem Pächter einen Auflösungsvertrag angeboten und nach dessen Ablehnung fristgerecht zum 31. Dezember 2018 gekündigt.“

• Kuratoriumsvorsitzende Conny Häfner als Sprecherin der Vereine: „Es begann vielversprechend, hielt jedoch nicht lange an. Schnell ergaben sich Probleme zwischen den Vereinen und Einzelpersonen und dem Pächter. Die Bedürfnisse - gewachsen in jahrzehntelanger Erfahrung - wurden nicht befriedigt. Räume oder Toiletten wurden abgeschlossen, Zusagen wie zum Beispiel der Besuch des Lokals in Sportkleidung nicht eingehalten. Nachdem eine Annäherung gescheitert ist, haben sich inzwischen die meisten Vereine umorientiert. Das Pächterehepaar sollte sich die Frage stellen, warum das Bürgerhaus nicht mehr angenommen wird. Nun haben wir die Gemeinde um Unterstützung gebeten. Es kann nicht sein, dass wir auf das Bürgerhaus verzichten müssen und dort die Interessen des Pächters Vorrang haben. Die einzige Lokalität im Ort sollte auch den Anforderungen der Bürger entsprechen.“

• Pächter Edgar Müller: „Die Situation ist für mich nicht nachvollziehbar, es gab nie Probleme mit den Vereinen, Absprachen wurden von mir zu jedem Zeitpunkt eingehalten.

Allerdings habe ich eine Einmischung in meine Zuständigkeiten nicht akzeptiert, zum Beispiel bei der Gestaltung der Speisekarte. Wir müssen hier unser Geld verdienen. Wenn hier einer regiert, dann nicht die Gemeinde, sondern der Pächter. Inzwischen boykottieren uns die Vereine, sie wickeln ihr Training im Bürgerhaus wie gewohnt ab, meiden aber unser Lokal.

Unabhängig davon werden wir unser Konzept - das im Lokal und nicht im Bürgerhaus gelebt wird - weiterverfolgen. Es gibt eine klare Trennung von Lokal mit Tanzstudio und dem Bürgerhaus als Sportfunktionsbereich.

Unser Geschäft ist inzwischen sehr stark auf auswärtige Gäste ausgerichtet, der Anteil liegt bei 90 Prozent. Sie fühlen sich bei uns wohl, kommen gerne und wir erzielen dadurch einen deutlich höheren Pro-Kopf-Umsatz.

Für unsere Existenz brauchen wir die Fuldabrücker nicht - wobei sie uns natürlich immer willkommen sind, auch im Trainingsanzug.“ (pbü)

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