Fuldabrücker Feuerwehr: Vorwürfe sind absurd

Anzeige wegen Körperverletzung: Konflikt um Bürgerhaus eskaliert

Konfliktpotenzial: Die Fahrzeughalle der Feuerwehr Denn- / Dittershausen befindet sich direkt unter dem Bürgerhaus und dem Restaurant „Essgenuss“. Foto: Büntig

Fuldabrück. Die angespannte Situation zwischen dem Pächterpaar des Bürgerhauses in Denn- / Dittershausen und Vereinen hat zu einem Einsatz von Polizei und Rettungsdiensten geführt.

Die Pächter haben Anzeige wegen Körperverletzung gestellt, die Polizei ermittelt.

Der Vorfall ereignete sich bereits kurz vor Weihnachten. Am 20. Dezember meldeten während des Tanztrainings der Trainer und der Sohn des Pächters Edgar Müller Abgasgeruch aus der Fahrzeughalle. Sie brachen das Training im großen Saal ab. Die Freiwillige Feuerwehr hat ihre Fahrzeughalle und weitere Räume im Untergeschoss des Bürgerhauses an der Parkstraße.

Edgar Müller

Nach seinem Eintreffen stellte Pächter Müller fest, dass die Verbindungstür vom Bürgerhaus zu den Räumen der Feuerwehr offen stand. Er alarmierte daraufhin die Polizei. Die sah zu diesem Zeitpunkt jedoch keinen Anlass, vor Ort zu ermitteln.

Da laut Müller die Anwesenden über Kopfschmerzen und Hustenreiz klagten, lüftete er den Saal und alarmierte eine Stunde später den Rettungsdienst mit dem Hinweis, mehrere Kinder litten unter den besagten Symptomen. Begleitet von Polizei trafen kurz darauf zwei Rettungswagen ein.

Bereits die Messungen der örtlichen Wehr nach der ersten Alarmierung als auch die der Rettungskräfte blieben jedoch ohne Ergebnis. Eine Behandlung oder Mitnahme vermeintlicher Patienten fand nicht statt.

Das Ehepaar Müller erstattete Anzeige wegen Körperverletzung. Polizeisprecher Torsten Werner bestätigte den Eingang der Anzeige. „Wir stecken mitten in den Ermittlungen. Einige Zeugenvernehmungen stehen noch aus“, sagte der Polizeisprecher gestern der HNA.

Der Pächter des Bürgerhauses bezichtigt die örtlichen Brandschützer, sie hätten ihre Fahrzeughalle über die geöffnete Tür zum Treppenhaus entlüftet und damit die Abgase ins Foyer des Bürgerhauses geleitet.

Michael Heyne

Dieser Darstellung widerspricht Gemeindebrandinspektor Michael Heyne: „Wenn wir die Fahrzeuge bewegen, läuft die Abzugsanlage und die Tore sind geöffnet. Außerdem ist zu dem Zeitpunkt die Zwischentür immer geschlossen.“

An besagtem Tag habe sich nur eines der drei Fahrzeuge in der Halle befunden. Es sei nach dem beschriebenen Verfahren herausgefahren worden. Erst 15 Minuten später sei die Tür geöffnet worden, um für die bevorstehende Weihnachtsfeier Getränke, Bänke und Tische zu transportieren, so Heyne weiter.

„Wir wurden nach der ersten Alarmierung von der Leitstelle angerufen und haben sofort in der Halle sowie im Treppenhaus und Foyer eine CO-Messung vorgenommen, ohne dass Kohlenstoffmonoxid nachgewiesen werden konnte“, sagte Heyne gegenüber der HNA. Der Vorwurf sei absurd, denn die Feuerwehrleute würden sich ja selbst einer hohen gesundheitlichen Gefahr aussetzen.

Gemeinde will rechtliche Prüfung

Das Verhältnis von Feuerwehr und Pächter ist seit Langem getrübt. Die Bewirtung der Weihnachtsfeier 2013 lief nicht wie geplant und führte zu einem aus Sicht der Feuerwehr nur unbefriedigend beigelegten Konflikt.

Im Laufe des Jahres kam es immer wieder zu Streitigkeiten. „Diese Aktion übertrifft alles Vorangegangene“, fasst Gemeindebrandinspektor Michael Heyne die Meinung seiner Mannschaft zusammen. „Es kann nicht sein, dass wir bei unserer freiwilligen Arbeit solche Steine in den Weg gelegt bekommen. Das werden wir nicht länger akzeptieren.“

Seit 1978 ist die Feuerwehr im Souterrain des Bürgerhauses ansässig, in all den Jahren habe es keinerlei Unstimmigkeiten mit vorangegangenen Pächtern gegeben, so Heyne.

Die Gemeinde wird das Verhalten der Pächter nun rechtlich prüfen lassen. „Wir können nicht hinnehmen, dass die Feuerwehr durch das Ehepaar Müller ständig behindert wird“, sagte Bürgermeister Dieter Lengemann (SPD) zur HNA. „Wir brauchen unsere Brandschützer und sie leisten hervorragende Arbeit. Es kann nicht angehen, Rettungskräfte zu binden, die unter Umständen andernorts dringend benötigt werden“, so Lengemann.

Die Gemeinde hatte nach unüberbrückbaren Differenzen den 2013 geschlossenen Pachtvertrag im vergangenen Jahr gekündigt. Der Vertrag mit einer Laufzeit von fünf Jahren endet jedoch erst Ende 2018.

Von Sabine Büntig und Holger Schindler

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