A44 bei Fuldabrück

Bergshäuser Brücke: Ein Dino aus Stahl und Nieten

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Luftig und leicht: Mit ihrer typischen Fachwerks-Stahlkonstruktion wurde die Bergshäuser Brücke – damals noch als zweistreifige Bundesstraße – 1962 eröffnet.

Fuldabrück. Die Jahre der Bergshäuser Brücke sind gezählt, der Abriss des 699,68 Meter langen Bauwerks ist beschlossen. Zu Ende geht damit auch ein Stück Brückenbau-Ingenieursgeschichte.

Denn schon jetzt ist sicher, dass eine neue Bergshäuser Brücke weiter südlich bei Dennhausen und Dittershausen ganz anders konstruiert sein wird.

Bei allen Lärm- und Standortproblemen, die die alte Bergshäuser Brücke derzeit mit sich bringt – aus gestalterischer Sicht ist sie ein eher unaufdringliches Bauwerk. Es gibt nur sechs schlanke, bis zu 55 Meter hohe Betonpfeiler, auf denen eine grazil und leicht wirkende, offene Stahlkonstruktion liegt. Auf ihr wiederum ruhen die Stahlplatten für die Fahrbahn. Die luftige Brücke überspannt Pfeilerabstände von immerhin bis zu 143,20 Metern. Für 1962, dem Jahr der Fertigstellung, war das schon eine gute Leistung.

„Aber niemand würde heute mehr so bauen“, sagt Reinhold Rehbein, Dezernatsleiter von Hessen Mobil. „Die Kosten wären viel zu hoch.“ So sei das ganze Stahlfachwerk genietet, nicht geschweißt. Auch sei durch die offene Bauweise die Angriffsfläche gegenüber der Witterung sehr groß. Der Wartungsaufwand ist enorm. „Damals hatte man noch sehr personalintensiv bauen können, weil die Arbeitskosten mit nur 5 DM deutlich niedriger waren. Heute kostet eine Arbeitsstunde 50 Euro“.

Eine neue Bergshäuser Brücke wäre heute wohl eine Stahlverbund-Konstruktion. Soll heißen: Statt eines offenen Stahlgerippes wird ein nach oben offener, u-förmiger Stahlhohlkasten zusammengeschweißt, der oben dann mit Betonplatten für die Fahrbahn abgedeckelt wird. „Diese Konstruktion ist sehr stabil, preiswert, in der Wartung wenig intensiv und kann Pfeiler-Spannweiten von bis zu 200 Metern überbrücken.“

Grundsätzlich sei die Bergs- häuser Brücke eins der wichtigen Infrastrukturprojekte Deutschlands nach dem Krieg gewesen. Zuvor war der gesamte Güterverkehr von Ost nach West und umgekehrt über die kleinen Fulda-Brücken in Kassel gerollt, sagt Rehbein. Erst die Bergshäuser Brücke brachte die längst überfällige Entlastung.

Zunächst war das Bauwerk als nur zweispurige Bundesstraße (noch ohne Seitenstreifen) mit nur einem, 12,5 Meter breiten Brückenstrang gebaut worden. Erst Anfang der 70er-Jahre kam ein zweiter, dann 13,5 Meter breiter Brückenstrang (mit Seitenstreifen) hinzu. „Erst ab dieser Zeit war die Bergshäuser Brücke wirklich eine Autobahnbrücke, die leistungsfähig den Raum Kassel mit dem Ruhrgebiet verband.“

Mit der Leistungsfähigkeit ist es indes vorbei. Weil immer mehr schwere Lkw über die Brücke rollen, alterte das Bauwerk viel schneller als angenommen. Heute, nach schon 54 Jahren, lohnt sich noch nicht einmal mehr die Sanierung – die Brücke muss abgerissen werden.

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