Derzeit fast täglich Staus auf der A44

Marode Bergshäuser Brücke: Minister verspricht schnelle Planung

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In der Diskussion: Die Bergshäuser Brücke ist sanierungsbedürftig. Seit einiger Zeit gibt es in Richtung Osten nur noch eine Fahrspur. Das sorgt fast täglich für Staus auf der A 44. Geplant ist ein Neubau. Wann dieser kommt, steht noch in den Sternen.  

Fuldabrück/Baunatal. Eine schnellstmögliche Planung für den Neubau der Bergshäuser Brücke hat Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) zugesagt.

„Wir müssen die Planung forcieren“, sagte er im Gespräch mit der HNA am Rand eines Besuchs des VW-Werk Kassel in Baunatal.

Damit äußerte sich der Minister erstmalig in Nordhessen direkt zu der Situation der maroden Brücke, die aus Sicherheitsgründen seit Februar nur auf drei Spuren befahren werden kann, zwei in Richtung Dortmund, eine in Richtung Süd-Kreuz Kassel. Aufgrund dieser Einschränkung kommt es fast täglich zu Staus auf der A44. Darunter leiden nicht nur die Autofahrer, sondern auch die Bergshäuser, die unter dem Bauwerk wohnen.

Al Wazir wies allerdings darauf hin, dass eine rechtzeitige Planung für eine Instandsetzung oder einen Neubau des aus den 60er-Jahren stammenden Baunwerks in früheren Jahren versäumt worden ist. „Man hätte früher reagieren müssen“, sagte er. „Eine neue Brücke fällt nicht einfach vom Himmel.“

E-Antrieb aus dem Baunataler VW-Werk: Werner Seitz (Leiter Alternative Antriebe, vorne von links), Werkleiter Thorsten Jablonski und Armin Wicke vom Betriebsrat erläuterten Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir die Produktion, mit dabei unter anderem auch Personalchef Dr. Michael Ritter (von rechts) und Hans-Josef Watermeier, Leiter des Getriebebaus. Foto: Kühling

In den vergangenen Monaten hatte es heftige Kritik aus der Bevölkrung an dem laufenden Planungsprozess für einen Neubau der Brücke gegeben. Der von den Behörden angekündigte Zeitraum von 15 Jahren schien vielen Menschen in der Region zu lang..

Zu einem Zeitplan äußerte sich Al-Wazir am Donnerstag nicht. Allerdings nannte er einige Fakten, die zu einem schnelleren Ablauf beitragen sollen. Die Vergabe des Projektes an die Deutsche Einheit Fernstraßen und Planungs- und Bau GmbH  (Deges). Die Deges könne sich nach dem Ende der Bauvorhaben in Folge  der Deutschen Einheit nun voll auf andere Dinge konzentrieren. 

Und: Im Jahr 2021 gehe zwar die Planung für den Brückenbau in die Verantwortung des Bundes über, geplant werde dieser aber weiterhin von den gleichen Leuten der hessischen Verkehrsbehörde Hessen Mobil. „Es werden die selben Leute daran arbeiten“, so der Verkehrsminister. Dass die alte Brücke ab 2018 notdürftig instand gesetzt wird, wertet Tarek Al-Wazir als großen Vorteil. Zwar bleibe es bei der jetzt angeordneten Dreispurigkeit, „am schlimmsten wäre es aber, wenn die Brücke ganz gesperrt werden müsste, wie es bei der Schiersteiner Brücke beispielsweise der Fall war“. 

Bald ist die Tafel gedeckt: An diesem Ort wollen der Fuldabrücker Kai Gies (rechts) und sein Nachbar Michael Schiller den Minister zu den Plänen um die Bergshäuser Brücke befragen.

Auf einen Kaffee unter der Brücke 

Fuldabrücker lädt Verkehrsminister in seinen Garten ein, um sich vor Ort ein Bild zu machen

Wie lässt sich entspannter über Probleme sprechen, als bei Kaffee und Kuchen? Und vielleicht landet ja sogar das ein oder andere Teil des Problems während des Gesprächs zufällig auf der Kaffeetafel – Metallstücke etwa, die sich von Zeit zu Zeit von der Brücke lösen und in den Garten von Kai Gies fallen.

Der Bergshäuser, der seit acht Jahren in unmittelbarer Nähe der Bergshäuser Brücke wohnt, hat den hessischen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) sowie den Pressesprecher der Straßenbaubehörde Hessen Mobil, Horst Sinemus, jetzt in seinen Garten eingeladen. Denn: Er ist empört, dass sich die Vorplanungen für die Sanierung und den Neubau hinziehen.

„Mir ist klar, dass so ein Projekt nicht in einem Monat oder einem halben Jahr umgesetzt werden kann“, schreibt er in seiner Einladung, „aber dass man sich erst jetzt in der Grobplanung befindet, obwohl man schon seit Jahren weiß, dass etwas geschehen muss, verwundert mich doch sehr“. Gies möchte, dass sich der Minister vor Ort ein Bild von der Situation macht – vor allem von der permanenten Geräuschbelastung, die nur dann erträglich sei, wenn es sich auf der Brücke staut, vom Vibrieren der Fenster und des Vordachs seines Hauses an der Uferstraße. „Geräuschpegel und Erschütterungen werden mit den Jahren immer stärker“, sagt Gies. Er fordere zudem eine Erklärung, „warum es so lange dauert, bis ein Neubau entstehen kann“.

Unter den Bergshäusern mache sich eine gewisse Müdigkeit breit, etwas zum Zustand zu sagen. Aber er bleibe dran an der Sache. Das Argument, er könne ja den Wohnort wechseln, lässt er nicht gelten: „Dafür ist es landschaftlich zu schön hier.“ Manche Anwohner seien zudem viel zu alt, um noch einmal umzuziehen. Auch Michael Schiller, Nachbar und Freund, wohnt direkt an der Brücke – allerdings auf der anderen, der neueren Seite, die in den 1970ern gebaut wurde. „Bei mir quietscht es, weil in die Brücke Rollen eingebaut wurden.“ Zwar landete bei ihm kein Metall im Garten. „Aber die Häuser werden früher oder später durch die Belastung in Mitleidenschaft gezogen“.

Schiller und Gies warten jetzt auf eine Antwort aus dem Ministerium. Optimaler Zeitpunkt für einen Besuch des Ministers sei werktags, dann, wenn es „da oben“ richtig laut zugeht.

In der Pressestelle des Verkehrsministeriums wusste man am Freitag noch nichts von Gies’ Einladung. Sprecher Marco Kreuter sagte aber, man sei sowieso auf der Suche nach einem Termin für eine Ortsbegehung. Auch deshalb, weil die Bergshäuser Brücke ein Beispiel für andere Bauwerke ist: „Man sieht daran, was passieren kann, wenn man nicht rechtzeitig in deren Erhalt investiert“, so Kreuter.

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