Fraßspuren an der Fulda

Der Biber meldet sich zurück zwischen Kassel und Fuldabrück

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Ganze (Nage-)Arbeit geleistet: Ein oder mehrere Biber sind aktuell im Naturschutzgebiet Waldauer Kiesteiche unterwegs. Die bis zu 30 Kilogramm schweren und etwa einen Meter langen Tiere fällten bereits mehrere Bäume, um an die Rinde zu gelangen, die sie dann fressen. Unser Bild zeigt Axel Krügener, zuständiger Sachbearbeiter beim Regierungspräsidium Kassel, mit seiner Mitarbeiterin Ina Kempf.

Fuldabrück. Der Biber ist zurück. Nachdem es zuletzt eher ruhig um den eifrigen Nager geworden ist, „sind aktuell wieder ein, wahrscheinlich aber zwei oder sogar mehrere Biber im Bereich des Naturschutzgebietes Waldauer Kiesteiche unterwegs“.

Das sagt Axel Krügener, zuständiger Sachbearbeiter beim Regierungspräsidium Kassel.

Die Spuren seien frisch und erst Mitte Februar entdeckt worden. Was die Biber für Arbeit leisteten, sei enorm. „Sie haben schon mehrere große Bäume gefällt oder komplett geschält“, sagt Krügener – ein typisches Verhalten der Nager in der Winterzeit. „Die Biber nagen die Bäume um, um an die Rinde zu kommen, die sie dann fressen“, sagt Krügener. Im Sommer gebe es solche Spuren nicht – dann ernährten sich die Tiere von Grün- und Wasserpflanzen.

Ob die Biber an der Fulda zwischen Kassel und Fuldabrück-Bergshausen bereits sesshaft geworden sind, sei wahrscheinlich. „Eine Biberburg haben wir aber noch nicht entdeckt“, sagt Krügener. Es sei auch nicht ratsam danach zu suchen, weil die Tiere äußerst scheu und störempfindlich seien, sagt Krügener. „Es muss uns zunächst genügen zu wissen, dass die seltenen und streng geschützten Tiere überhaupt da sind“.

Vor 400 Jahren wurden die Biber in Hessen ausgerottet. Inzwischen stehen die Tiere unter Schutz. Sie dürfen weder gefangen, verletzt, noch getötet werden. Auch dürfen die Fortpflanzungs- oder Ruhestätten des Bibers weder beschädigt noch zerstört werden. Es drohen Geldbußen bis zu 50 000 Euro .

Schwarzangler sind Problem

Und das sind sie nun schon regelmäßig seit 2013 – also dem Jahr, in dem im Raum Kassel erstmals nach 400 Jahren wieder Biberspuren entdeckt wurden. Ende der 1980er Jahre waren 18 Tiere bei Schlüchtern im Sinntal (Ost-Spessart) ausgewildert worden. „Seither ist der Biber in Nordhessen auf dem Vormarsch und erobert langsam die Auengebiete“, sagt Krügener. „Das was jetzt noch eine Sensation ist, wird in 15 bis 20 Jahren normal sein. Der Biber wird dann wieder ein fester Bestandteil unserer Tierwelt sein“. 

Nur im Winter machen sich Biber die Mühe, ganze Bäume zu fällen, um an die Rinde zu kommen. Diese Weide wurde bereits komplett abgeschält.

Krügener ist sich sicher, dass der Biber an den Waldauer Kiesteichen erstklassige Lebensbedingungen vorfindet. „Das Areal ist groß genug, um eine Biberfamilie aufzunehmen und zu ernähren“, sagt Krügener. Das wichtigste sei aber, dass das Naturschutzgebiet unzugänglich bleibt. „Der ganze Lärm und der Autoverkehr der A49 und der L3460 rund um die Kiesteiche sind gar nicht mal so das Problem“, sagt der Fachmann. „Probleme machen Schwarz-Angler, Badende und unangeleinte Hunde“. Biber, die zu oft gestört würden, würden ihr Revier schnell wieder verlassen.

Chronik: Bibervorkommen seit 2013 im Altkreis Kassel

• Herbst 2013: Es finden sich erste Fraßspuren eines Bibers im Naturschutzgebiet Waldauer Kiesteiche. Bei diesen Spuren handelt es sich um die ersten seit 400 Jahren, in denen der Biber in der Region als ausgestorben galt.

• November 2013: Es werden Fraßspuren eines zweiten Bibers entdeckt. Von einer Biber-Burg oder einem Biberdamm fehlt jedoch jede Spur.

• August 2014: Zwei Angler sichten einen in der Fulda schwimmenden Biber bei Fuldatal-Wilhelmshausen.

Baumeister Bockert: Mit seinen scharfen Schneidezähnen kann der Biber selbst dicke Bäume mühelos umnagen.

• Spätsommer 2014: Fund eines toten Bibers in der Fulda am Auedamm in Kassel. Es zeigt sich: Das Tier wurde mit Schrot erschossen. Das Regierungspräsidium erstattete Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Das vorsätzliche Töten eines Bibers ist eine Straftat und wird mit Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe geahndet (in Hessen 50 000 Euro).

• November 2014: Erneut finden sich Fraßspuren eines Bibers an Bäumen an den Waldauer Kiesteichen. Einem Hobby-Fotografen gelingt eine Infrarotaufnahme des Tieres.

• November 2016: Wieder tauchen Fraßspuren eines Bibers an Weiden an den Waldauer Kiesteichen auf. Ob es sich um das oder die gleichen Tiere der vergangenen Jahre handelt, ist unklar.

• Frühjahr 2017: Es werden sehr deutliche Fraßspuren von einem , vermutlich aber mehrerer Bibern an den Waldauer Kiesteichen entdeckt (mehrere gefällte und komplett entrindete Bäume).

Hintergrund: Biber wurde ausgerottet

Seit dem 16. Jahrhundert gilt der Biber in Hessen als ausgerottet: Die letzte Sichtung stammt laut Angaben des Naturschutzbundes (Nabu) aus dem Jahr 1596 von der Gersprenz bei Stockstadt. Der Biber ist systematisch durch Jagd ausgerottet worden. Das Biberfell und das Drüsensekret Bibergeil waren die Hauptgründe. Das Drüsensekret galt als Wundermedizin. Es enthält eine Salicylsäure-Verbindung und ist dem heutigen Aspirin sehr ähnlich. Es entstammt der Weidenrinde, einer Hauptnahrung der Biber. In den Klöstern galt das Fleisch zudem als Fastenspeise, da der Biber wegen seines geschuppten Schwanzes den Fischen zugerechnet wurde.

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