Besitzer gehen in den Ruhestand

Eiscafé Lucia in Fuldabrück sucht neuen Chef

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Eine Institution in Fuldabrück: Mario Niros (rechts, mit seiner Frau Elke) Eiscafé Lucia an der Rundstraße lockt seit fast drei Jahrzehnten die Menschen zum Eisessen und Verweilen an. Der Name Lucia kommt vom Vorbesitzer: Seine Tochter hieß Lucie. 

Fuldabrück. Er ist im ganzen Ort bekannt: Der Eis-Mario. Mario Niro ist seit 25 Jahren das Gesicht des Eiscafés Lucia an der Rundstraße. Jetzt geht er in den Ruhestand und sucht einen neuen Besitzer für seine Eisdiele. 

Fast 90 000 Euro soll sie kosten: Die Immobilie, in der seit Jahrzehnten das Eiscafé Lucia beheimatet ist. „Machen Sie Ihren Eistraum wahr ... mitten im Herzen von Fuldabrück“ steht über der Anzeige des Immobilienportals Immowelt.de. Doch während für den Einen der Eistraum beginnen kann, muss sich ein anderer davon verabschieden: Mario. 

„Ja, wir suchen einen Nachfolger“, sagt er im Gespräch mit der HNA. Während er das sagt, schießen ihm Tränen in die Augen. „Die Eisdiele ist mein Leben“, sagt der 62-Jährige. Aber man werde älter und sieben Tage Betrieb inklusive Wochenenden und Feiertage seien schon anstrengend. „Wenn wir nicht gleich einen Nachfolger finden, dann machen wir kommendes Jahr noch weiter.“ Die Eisdiele soll eine Eisdiele bleiben. So schwer es auch falle, das Eiscafé Lucia abzugeben – Niros Frau Elke freut sich auf die gemeinsame Zeit mit ihrem Mann im Ruhestand. „Irgendwann schickt es“, sagt die 63-Jährige, die aus Kassel stammt. 

"Viele wollen Eiscafé im Einkaufszentrum"

Doch jetzt geht es erst einmal darum, einen Nachfolger zu finden. Und das sei gar nicht so einfach: „Interessenten gibt es einige – aber entweder sie haben kein Geld oder kein Interesse am Standort“, berichtet Niro. Das Eiscafé Lucia liegt in der Rundstraße im Ortsteil Dörnhagen gelegen. „Manche wollen lieber eine Eisdiele in einem Einkaufszentrum wie dem Citypoint in Kassel.“ 88 000 Euro soll das komplett ausgestattete Eiscafé mit einer Gesamtfläche von 75 Quadratmetern und bis zu 95 Sitzplätzen im Innen- und Außenbereich kosten. Das Sahnehäubchen ist die original italienische Eistheke. 

Für die Bürger in Fuldabrück ist Mario Niros Eisdiele aber weit mehr als eine Immobilie – sie ist eine Institution. „Der Mario“ ist ein generationsübergreifender Begriff im Ort. Die Kinder vergangener Zeiten sind die Eltern von heute. „Die kleinen Pimpfe von damals kommen heute mit eigenen Kindern vorbei“, erzählt Elke Niro. „Die Eisdiele ist ein wunderbarer Treffpunkt und wird von vielen Menschen genutzt“, sagt Bürgermeister Dieter Lengemann (SPD). Was aus der Eisdiele letztlich werde, darauf habe die Gemeinde keinen Einfluss. Er fände es schade, wenn das Eiscafé schließen würde. 

Für Mario Niro kommt dieser Gedanke nicht in Frage. Er würde dem zukünftigen Besitzer sogar noch einige Zeit zur Seite stehen. Niro ist sich sicher: „Einfach zumachen werden wir nicht.“

Wie Mario Niro zum Eis kam

Als der aus Campobasso (Italien) stammende Mario Niro 1970 nach Deutschland kam, wollte er eigentlich nur zwei Jahre bleiben: Arbeiten, Geld verdienen und wieder zurück in die Heimat. Doch dann lernte er seine heutige Frau Elke kennen, sie heirateten und bekamen zwei Kinder. Von 1978 bis 1986 führten sie gemeinsam das damalige Eiscafé Roma in Kassel-Harleshausen. Es folgte die Übernahme einer Pizzeria in Immenhausen, das Restaurant Roma. Doch mit zwei kleinen Kindern habe man es etwas langsamer angehen lassen wollen und so verabschiedete man sich nach 1,5 Jahren wieder davon und Niro arbeitete als Angestellter im Eiscafé Lucia in Fuldabrück. Zwei Jahre später, 1990, übernahm er das Eiscafé.

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