Pflegerinnen mit Herz und Seele

Zwei Fuldabrückerinnen erzählen, was sie an ihrem Beruf im Pflegedienst lieben

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Ein fester Bestandteil des Tagesablaufs von Annemarie Flanze aus Fuldabrück (Mitte): Die examinierte Altenpflegerin Susanne Lenz (links) und Gesundheits- und Krankenpflegerin Erika Leontjev (rechts) besuchen ihre Patienten bis zu dreimal täglich. 

Fuldabrück. Susanne Lenz hat 17 Jahre in einer Fabrik gearbeitet. Der Verdienst war gut, die Arbeit jedoch unbefriedigend. Jetzt ist Lenz beruflich angekommen: Die 47-Jährige arbeitet bei der Sozialstation Fuldabrück als Pflegekraft – und ist dort glücklich.

„Die Umschulung war auf jeden Fall die richtige Entscheidung“, sagt Lenz. „Mein Beruf ist abwechslungsreich, verantwortungsvoll und ich kann mit Menschen arbeiten.“

In der Pflege tätig zu sein, beschränke sich nämlich nicht aufs Waschen der Patienten, wie es oft ein Vorurteil sei. „Wir müssen die Medikamentengabe überwachen, wichtige Entscheidungen treffen und uns ständig fortbilden. Das ist nicht einfach.“

Dass der Beruf mit Vorurteilen belastet und kein hoher Verdienst zu erwarten ist, wird auch durch den Fachkräftemangel in der Pflege deutlich. „Wir finden sehr schwer neue Mitarbeiter“, sagt Claudia Grebe, Leiterin der Sozialstation Fuldabrück. Auch Krankheitsvertretungen seien schwierig zu bekommen. Deshalb will die Gemeinde die Arbeitsverträge der Pflegekräfte jetzt entfristen. „Wir wollen unsere Mitarbeiter unbedingt halten“, sagt Bürgermeister Dieter Lengemann.

Erika Leontjev (25) hat eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht und sich damit zahlreiche berufliche Möglichkeiten eröffnet. „Ich könnte in vielen Bereichen arbeiten, habe mich aber ganz bewusst für die Pflege entschieden.“ Besonders schätzt sie das selbstständige Arbeiten und die hohe Verantwortung, die mit ihrem Job einhergeht. „Ich muss täglich Probleme erkennen, immer genau aufpassen, was ich mache, ohne jemanden fragen zu können“, sagt Leontjev. Zu den Herausforderungen gehöre vor allem auch, dass oft schnell Entscheidungen getroffen werden müssen. „Wir können ja nicht bei jeder Kleinigkeit den Arzt oder Rettungswagen anrufen. Deshalb müssen wir oft gewisse Situationen richtig einschätzen können.“

Susanne Lenz und Erika Leontjev üben ihren Beruf jedenfalls mit Herz und Seele aus. „Ich finde es toll, dass wir Menschen mit der häuslichen Pflege einen schönen Alltag in ihrem eigenen Zuhause ermöglichen können“, sagt Leontjev. Und sie spricht noch einen wichtigen Aspekt ihrer Arbeit an: „Nicht nur der Körper will gepflegt werden, auch die Seele.“

Dass Pflegekräfte in ihren Berufen nicht reich werden, weiß auch die Leiterin der Fuldabrücker Sozialstation. „Für jemanden, der eine Familie ernähren muss, ist es zu wenig“, sagt Claudia Grebe. „Die hohe Verantwortung sollte viel besser bezahlt werden.“

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