Frührentner wird freigesprochen - Brandstiftung in Fuldabrück bleibt ungeklärt

Fuldabrück. Widersprüche und Zweifel zogen sich wie ein roter Faden durch den Prozess um das an zwei Stellen gelegte Feuer in einem Mehrparteienhaus im Januar 2013 in Fuldabrück.

Und genau wegen dieser Zweifel an der Schuld des angeklagten 50-Jährigen wurde dieser von der 11. Strafkammer des Landgerichts Kassel vom Vorwurf der schweren Brandstiftung und des versuchten Versicherungsbetruges freigesprochen.

Fünf Jahre und neun Monate hatte Staatsanwältin Milas den Rentner, in dessen Wohnung es vor fast genau vier Jahren brannte, hinter Gitter sehen wollen. 60.000 Euro Schaden entstand am Gebäude, knapp 10.000 Euro in der Zwei-Zimmer-Wohnung des schwerkranken Mannes und etwa 5000 Euro in einem benachbarten Appartement. Ein Hausbewohner musste damals wegen des Verdachts auf Rauchvergiftung ins Krankenhaus. Ohne Zweifel war das Feuer mittels Brandbeschleuniger vormittags gegen halb neun, als der Angeklagte nach eigenen Angaben schlief, gelegt worden.

Doch wer das alles zu verantworten hat, das konnte das Gericht selbst durch die Anhörung von zwanzig Zeugen und eines Sachverständigen, mittels Gutachten und Befragungen in einer viertägigen Beweisaufnahme nicht klären. „Es gab auch jemanden, der eine Motivation hatte, dem Angeklagten zu schaden“, spielte der Vorsitzende Richter Rinninsland auf eine von der Kripo zunächst verdächtigte Frau an.

Dritte Person?

„Es besteht die nicht völlig von der Hand zu weisende Möglichkeit, dass eine dritte Person am Tatort gewesen ist und die beiden Brände gelegt hat“, sagte er in der Urteilsbegründung. Mit Benzin aus zwei Kanistern, einer davon auffällig grün, war im Flur vor der Wohnungstür und unmittelbar im Eingangsbereich des Zwei-Raum-Appartements Feuer gelegt worden.

Merkwürdig nur, dass die Wohnungstür verschlossen war, der Schlüssel von innen steckte und der Mann mit dem vollen Schopf, dem dicken Schnauzbart und den dichten, grauen Augenbrauen weder Gesichtshaar noch Kopfbehaarung angesengt hatte, als ihn die Feuerwehr von seinem Balkon im dritten Stock rettete. Das wertete Rechtsanwalt Peter Gros als wichtiges Indiz für die Unschuld seines Mandanten.

Er könne nicht glauben, dass der Angeklagte das Risiko eingegangen sei, „in diesen Flammen zu verbrennen“. Denn ein Brandsachverständiger des Landeskriminalamtes hatte vor Gericht gemutmaßt, dass das ausgeschüttete Benzin sich „in Sekundenbruchteilen“ in einer Verpuffung entzündet haben müsse.

So gab es für die Kammer trotz „erheblicher Verdachtsmomente“ – die vermeintlichen Geldnot des geschiedenen Frührentners und seiner siebenjährigen Vorstrafe wegen Diebstahls und Raubes –zu viele Zweifel an der Täterschaft des 50-Jährigen. Das Fazit des Richters: „Wenn solche Zweifel verbleiben, dann bleibt dem Gericht nur die Möglichkeit, den Angeklagten frei zu sprechen.“

Rubriklistenbild: © nh

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.