Gefahr für angrenzende Häuser

Fünfzig Eichen müssen weichen: Bäume am Kasselsteig sind vertrocknet

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Nah an den Grundstücken: Viele Bäume, die an das Baugebiet „Goldene Aue“ grenzen, werden gefällt.

Fuldabrück. Die Äste der Bäume am Waldrand des Wohngebiets in Fuldabrück-Dörnhagen ragen teils in die Gärten der Grundstücke der Anwohner.

Nur der Kasselsteig liegt dazwischen: Ein wenige Meter breiter Wanderweg. Bei Sturm kann dies zu einer gefährlichen Angelegenheit werden – besonders dann, wenn es sich um trockene Bäume handelt. Um der Gefahr vorzubeugen, werden seit dieser Woche Eichen gefällt.

Jede dritte Eiche ist mit einem roten Strich markiert. Etwa 50 Bäume auf einer Strecke von 750 Metern müssen weg, sagt Jan Stetter. Und das noch bevor die Knospen austreiben und die Vögel nisten. Der Leiter des Forstamts Melsungen, in dessen Bereich auch Dörnhagen liegt, sagt, er habe keine andere Wahl. „Theoretisch kann jederzeit etwas passieren. Wir dürfen nichts riskieren.“ Je trockener die Eichen sind, desto eher brechen sie. Schuld an ihrem Zustand sei die trockene Witterung in Kombination mit der Konkurrenz des Baumbestands um Licht und Wasser.

Jan Stetter

Bei den teils abgestorbenen Bäumen handelt sich keineswegs um alte Bäume: Einige könnten altersbedingt noch einige Jahrzehnte stehen. „75 Jahre sind für eine Eiche kein Alter“, so Stetter. Bis zu 200 Jahre alt könne so ein Baum werden. Viele der trockenen Bäume sind zudem nur bis zu 40 Zentimeter dick. „Das sind Baumstärken, die wir normalerweise nicht ernten würden.“ Es könne durchaus sein, dass der eine oder andere Baum noch zehn Jahre stehen würde – aber eine Garantie, dass sie sich regenerieren, gibt es dafür eben nicht.

Was aus den gefällten Bäumen wird, erzählt Revierleiter Christoph Vadersen: Einige bleiben, zerlegt in kleine Stücke, als Totholz auf dem Waldboden liegen. Allerdings nur dort, wo sie Trampelpfade nicht versperren. Das Holz wird dort von Käfern und Pilzen zersetzt. Denn nicht jeder gefällte Baum kommt für die Verwertung in Frage. „Vor allem die Bäume am Waldrand sind von Granatsplittern aus dem Zweiten Weltkrieg durchzogen“, erklärt Stetter. Erkennbar sei das an den schwarzen Schnittflächen. Etwa 50 Prozent der gefällten Eichen werden abtransportiert, zu Brennholz verarbeitet oder kommen ins Sägewerk.

Einmal im Jahr werden die Wanderwege abgegangen und es wird geschaut, wo Bäume wegmüssen oder wo das Zurückschneiden der Krone und das Entfernen von toten Ästen ausreicht. Dass in diesem Jahr so viele Bäume auf einmal gefällt werden müssen, sei nicht die Regel. Hier und da seien bereits Äste heruntergefallen und hätten von dem sehr beliebten und vielbegangenen Kasselsteig weggeräumt werden müssen. Das es nun so viele Bäume auf einmal sind, sei eine „besondere Situation“ im Forstamtsbezirk Melsungen, so Stetter.

Die Bewohner des Neubaugebiets Goldene Aue werden deshalb voraussichtlich in den kommenden zwei bis drei Wochen von 7 bis 16 Uhr die Motorsäge hören – vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. Um sicherzustellen, dass die Riesen nicht in Richtung Häuser fallen, werden die Bäume vor der Fällung mit einem Seil fixiert. Sicherung, Fällung und Zerkleinern erledigen vier Forstwirte.

Bürger retteten alten Baum

Eine dicke alte Eiche sorgte vor zwei Jahren für Aufregung unter den Bürgern in Dörnhagen: Hessen Forst hatte den Baum mit einem Durchmesser von 110 Zentimetern, der direkt am Waldrand steht, fällen wollen – aus Sicherheitsgründen. Unter den Bürgern regte sich Widerstand. Eine Interessengruppe, der auch Vertreter der Nabu-Arbeitsgruppe aus Fuldabrück angehörten, wollte verhindern, dass der mehr als 200 Jahre alte Baum „ohne triftigen Grund umgelegt wird“. Man forderte die Ernennung zum Naturdenkmal, sei die Eiche doch ein Teil der Dorfgeschichte, hieß es im Mai 2015. Es kam schließlich zu einer Protestversammlung unter dem Baum. Jan Stetter, Leiter des Forstamts Melsungen, begründete die geplante Fällung damit, dass der Baum, der in unmittelbarer Nähe des Wanderwegs steht, als gefährlich einzustufen ist. Das Ergebnis: Ein Sachverständiger erstellte ein Gutachten über den Zustand der Krone. 2016 schließlich wurde die Krone der alten Eiche eingekürzt und das Totholz entfernt. Der Baum steht immer noch. 

Hintergrund: Wald ist immer gefährlich

Wer in den Wald geht, muss immer mit waldtypischen Gefahren rechnen, sagt Jan Stetter, Leiter des Forstamts Melsungen. Besonders nach stürmischen Tagen würden viele Menschen, Jogger, Wanderer, Spaziergänger mit Hund, gleich wieder in den Wald gehen – doch auch nach einem Sturm sei Vorsicht geboten. Bezüglich der Goldenen Aue sagt er: „Auch wenn der Wald vor der Bebauung da war,. trägt der Waldeigentümer die Verantwortung dafür, dass von den Flächen keine Gefahr ausgeht“, so Stetter. Auf der Internetseite von Hessen Forst ist ein Verhaltenskodex nachzulesen. 

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