HNA-Serie über besondere Menschen

Arbeit hielt ihn jung: Fuldabrücker blickt auf ungewöhnliche Karriere zurück

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Viele Erinnerungen: Andreas Benns Leben füllt gleich mehrere Ordner

Fuldabrück. Kaum ein Beruf, den er nicht ausgeübt hat: Andreas Benn hat einen alles andere als geradlinigen Karriereweg zurückgelegt. Dafür ist er auch viele Risiken eingegangen.

Wenn Andreas Benn von seinen Erlebnissen erzählt, denkt man, er habe mindestens drei Leben gelebt. Das steht im krassen Gegensatz zu seinem Äußeren: Der Fuldabrücker hat zwar kürzlich seinen 80. Geburtstag gefeiert, geht aber locker für 15 Jahre jünger durch. „Stimmt, wenn ich alte Bilder von mir ansehe, denk ich immer, dass ich heute eigentlich noch fast genauso aussehe“, sagt er schmunzelnd.

Dass der großgewachsene Mann so fit geblieben ist, hat er seiner Lebensweise zu verdanken, sagt er. „Ich habe mir immer neue Aufgaben gesucht, immer neue Herausforderungen angenommen und sehr viel erlebt. Die Arbeit hat mich jung gehalten.“

Auf Frachtschiffen zwischen Kuba und Deutschland gependelt

Die Grundlage für seine berufliche Laufbahn, die über etliche Stationen, Firmen und Länder auf der ganzen Welt führte, war 1955 eine Ausbildung als Motorenbauschlosser in Hamburg. So konnte er als Maschinenassistent auf Frachtschiffen arbeiten, die unter anderem Zucker aus Kuba nach Deutschland brachten. Das wurde ihm aber schnell zu langweilig. „Immer im Maschinenraum zu sein, das war irgendwie nichts für mich.“ Und so ging es über ein paar Umwege in den Bereich Klimaanlagen, dem Benn lange treu bleiben sollte. Doch nicht bei einer einzigen Firma – bei etlichen und auch als Selbstständiger. „Mein Weg führte mich immer wieder zu Neuem, ich bin viele Risiken eingegangen.“

In Amerika eine Zeitung gedruckt

So zum Beispiel auch, als er mit einem Freund in die USA reiste. Sein Arbeitgeber wollte ihm dafür nicht freigeben – er flog trotzdem. Als er wiederkam, hatte er zwar keinen Job mehr, dafür aber Erfahrungen als Drucker. „Wir lebten bei Bekannten in der Nähe von Los Angeles. Dort wurde ein Drucker für die Gemeindezeitung gebraucht. Das hab ich dann gemacht.“

Nach dieser Episode und wieder in Deutschland, fand Benn schnell neue Arbeit. Er sollte in Bulgarien Klimageräte für Computer einbauen und pendelte dafür zwei Jahre lang wöchentlich zwischen Bulgarien und Deutschland. „Das ging sehr gut: Montags ging es von Hannover über Berlin nach Sofia und freitags zurück. Das war eine schöne Zeit.“

Nach weiteren Tätigkeiten – Benn entwickelte Wärmepumpen, organisierte die Beschickung von Hochöfen und vieles mehr – verschlug es ihn ins Schrottgeschäft. „Anfang der 90er-Jahre wurden russische Kasernen aufgelöst, die waren voll mit Schrott, also Fahrzeugen, Blechen und Ähnlichem.“ Außerdem seien nach der Wende viele Betriebe in der ehemaligen DDR aufgelöst worden, die entkernt und zurückgebaut wurden.

Als Bauleiter den Reichstag entkernt

Auch in den Reichstag hat das Schrottgeschäft ihn geführt. Der sollte saniert und vorher entkernt werden. Damals leitete Benn etwas 20 Arbeiter an, die diese Aufgaben erledigten. Der 80-Jährige erinnert sich, dass sie dabei besonders die russischen Schriftzüge an den Wänden schützen sollten. „Ich glaube, die sind noch heute da.“

Auch in den Reichstag hat ihn seine Berufslaufbahn geführt: Andreas Benn arbeitete dort im Jahr 1995.

Auch jetzt sind berufliche Herausforderungen und Aufgaben nicht völlig aus Benns Leben wegzudenken. Sein Büro ist voller Akten, durch seine Kontakte zu Geschäftsleuten in zahlreichen Ländern erreichen ihn immer wieder Anfragen. „Meine Frau bremst mich aber, und ich bremse mich auch“, sagt Benn. Sie war übrigens auch der Anlass, weswegen es den in Zittau (Sachsen) geborenen Benn in die Region zog und er sich schließlich in Fuldabrück niederließ.

Nicht immer den einfachsten Weg nehmen

Er ist also am Ende doch noch sesshaft geworden. Menschen, die ihr Berufsleben noch vor sich haben, rät er, vor allem flexibel zu sein und nicht immer den einfachsten Weg zu gehen. „Wenn ich das gemacht hätte, würde ich heute noch Ventile zählen“ – übrigens auch ein Job, den Benn mal gemacht hat.

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