"Helden von Mogadischu"

Fuldabrücker musizierte bei GSG-9-Empfang vor 40 Jahren

Blick ins Archiv: Auf dem Flughafen Köln-Bonn wurden die „Helden von Mogadischu“ von den Musikern des BGS Musikkorps Mitte, unter Leitung von Polizeihauptkommissar Jürgen Deeg mit der Nationalhymne begrüßt.

Fuldabrück. Die GSG 9 bestand 1977 ihre Bewährungsprobe und HNA-Leser Jürgen Deeg erinnert sich an die Tage nach dem Einsatz, bei dem 86 Geiseln aus der entführten Lufthansa-Maschine „Landshut“ in Mogadischu befreit wurden.

Deeg meldet sich nach unserem sechsteiligen Rückblick auf die Ereignisse vor 40 Jahren.

Damals war der Fuldabrücker Kapellmeister und Leiter des Musikkorps des BGS-Präsidiums Kassel-Mitte. „Aus Bonn erhielten wir die Nachricht, dass die in Mogadischu eingesetzten GSG-9-Beamten per Flugzeug nach Köln zurückgeflogen werden und das Innenministerium der Meinung war, dass aus diesem besonderen Anlass die „Helden von Mogadischu“ mit allen polizeilichen Ehren musikalisch empfangen werden sollten“, erinnert sich der heute 74-Jährige. Doch der BGS-Kommandeur in Kassel sperrte sich zunächst dagegen und empfand den Aufwand als zu groß. Trotzdem rief Jürgen Deeg vorsorglich 28 seiner Musiker zusammen, um auf den möglichen Einsatz vorbereitet zu sein.

Per Hubschrauber nach Köln

„Gegen Mittag kam der Befehl, dass wir doch bei der Ankunft der Antiterror-Einheit auf dem Flughafen Köln-Bonn spielen sollten. Für eine Fahrt dorthin war die Zeit jedoch zu knapp“, berichtet Deeg. „Die GSG 9 war bereits auf dem Rückflug und wurde gegen 15.20 Uhr in Köln erwartet. Mit drei Puma-Hubschraubern flog uns die Fliegerstaffel von Kassel nach Köln.“

Das Flugzeug aus Somalia wartete bereits neben dem Rollfeld und wir hatten gerade noch Zeit unsere Position einzunehmen. Der damalige Staatsminister im Kanzleramt, Hans-Jürgen Wischnewski, verließ als erster das Flugzeug, gefolgt von den GSG-9-Männern. „Wir spielten die Nationalhymne als Wertschätzung für unsere Kameraden, die für uns Helden waren. In ihren Gesichtern zeigte sich Erschöpfung und Erleichterung gleichermaßen. Uns alle überkam damals ein Gänsehautgefühl, das sicher keiner je vergessen wird“. 

Fliegende Musiker: Stolz präsentiert Jürgen Deeg ein Foto des Puma-Hubschraubers, mit dem die Musiker des Bundesgrenzschutz-Musik-Korps aus Kassel am Nachmittag des 18. Oktobers 1977 nach Köln-Bonn geflogen wurden, um dort die heimkehrenden GSG-9-Kameraden zu empfangen. Das Bild rechts zeigt Deeg. 

Schließlich hatten sie alle 86 Geiseln aus einer fast ausweglosen Situation befreit, ohne dass es Verluste gab. Lediglich ein GSG-9-Mann wurde verletzt.

Die Entscheidung des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt bezeichnet der ausgebildete Truppenoffizier des Bundesgrenzschutzes als bewundernswert. Schließlich hatte Schmidt die gesamte Verantwortung für die Befreiungsaktion und hätte bei einem Scheitern konsequent sein Amt zur Verfügung gestellt. 

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