Gerichtsvollzieher droht

Ärger mit Telekom: Familie aus Fuldabrück soll Handy-Vertrag abgeschlossen haben

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Mahnungen bis zur Androhung der Zwangsvollstreckung: Helmut Hungerland hat nie einen Handyvertrag abgeschlossen, wie er sagt. Die Telekom will trotzdem Geld von ihm. Um das ganze Bild zu sehen, klicken Sie oben rechts.

Fuldabrück. Eine böse Überraschung wartete auf Helmut und Christa Hungerland, als die Rentner von einer viermonatigen Weltreise zurück nach Hause kamen: Gelbe Briefe mit Mahn- und Zwangsvollstreckungsbescheiden von Amtsgericht und Gerichtsvollzieher steckten im Briefkasten der Bergshäuser.

Helmut Hungerland hatte 2013 einen Vertrag für Festnetztelefon und Internet bei der Telekom abgeschlossen. „Das hat auch alles geklappt“, sagt der 78-Jährige. „Bis ich einen Anruf eines Mitarbeiters bekam, bei dem man mir ein Tablet mit Sim-Karte für knapp fünf Euro im Monat zusätzlich anbot.“

Weil Hungerland eigentlich kein Tablet brauchte, war er unsicher. Der Telekom-Vertreter überredete ihn jedoch mit dem Versprechen, den Vertrag erst fest zustande kommen zu lassen und Geld abzubuchen, wenn Hungerland sich das Tablet angesehen und die Sim-Karte aktiviert hat – Letzteres habe er nie getan, wie er sagt.

„Die Telekom hat mir plötzlich zusätzliches Geld abgebucht – und nicht nur die besagten fünf Euro, sondern 35.“ Hungerland weiß bis heute nicht, warum. Möglich sei, dass die Telekom einfach ohne seine Zustimmung einen komplett neuen, zweiten Vertrag für ihn abgeschlossen habe. „Ich habe so etwas aber nie unterschrieben.“

Die Hungerlands ließen sich das nicht gefallen. Sie informierten die Bank, die die Abbuchungen für den zusätzlichen Vertrag nicht mehr zuließ, und wendeten sich mehrfach telefonisch und schriftlich an die Telekom. „Ich habe etliche Male nach Abteilungsleiter und Geschäftsführer gefragt, nie bekam ich jemanden ans Telefon“, sagt Hungerland. Er sei immer im Kundenservice abgespeist worden, mit den Worten, man könne nicht weiterverbinden.

Mitte 2014 kehrte dann erst mal Ruhe in die Sache ein. Die Telekom konnte weiterhin nicht abbuchen, drohte mit rechtlichen Schritten, und einem Eintrag in die Schufa (Auskunftgeber für Kreditwürdigkeit und Zahlungsbereitschaft) und forderte 700 Euro inklusive Mahngebühren. Aber es passierte nichts weiter, und die Hungerlands beließen es dabei. „Wir dachten eigentlich, die Sache sei erledigt.“

Doch so war es nicht. Im November 2017, also über drei Jahre nach dem letzten Kontakt mit der Telekom, kam ein Mahnbescheid. Die Einspruchsfrist verstrich, da sich die Familie auf Weltreise befand. Drei Monate später war der nächste Brief mit einem Vollstreckungsbescheid bei den Hungerlands angekommen – und der Information, dass der Eintrag in die Schufa nun passiert sei. Sie sollen zum Amtsgericht Kassel kommen und ihre Einkommensverhältnisse offenlegen, wurde darin gefordert.

Dass es nun nicht mehr lang dauern wird, bis der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht, ist den Rentnern klar. „Ich darf da gar nicht dran denken“, sagt Christa Hungerland. „Ich liege nachts wach, weil mich die Sache so sehr beschäftigt.“ Ihr Mann Helmut will nun einen Anwalt einschalten. „Das kann alles nicht wahr sein, wir wurden über den Tisch gezogen.“ An die Öffentlichkeit ist die Familie gegangen, weil sie andere Menschen warnen will. „Man darf sich nichts gefallen lassen“, sagt Hungerland.

Die Telekom hat auch nach mehreren Tagen nicht auf die Anfrage unserer Zeitung reagiert.

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