Schüler aus Fuldabrück und Edermünde erfolgreich

Geschichtswettbewerb: Landessieger in letzter Minute

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Geschichtswettbewerb des Landes Hessen Preisträger Links: Raphael Weiß (Fuldabrück) Rechts: Jonas Vaupel (Edermünde).

Fuldabrück/Edermünde. Das war knapp! Drei Minuten vor Abgabefrist war der letzte Punkt gesetzt – Raphael Weiß aus Fuldabrück (17) und Jonas Vaupel (18) aus Edermünde schickten ihre Ausarbeitung an den Ausrichter, die Körber-Stiftung in Hamburg.

Die Stiftung hatte im September 2016 zum Thema „Gott und die Welt“ einen bundesweiten Schülerwettbewerb ausgeschrieben. Über 5000 Schüler nahmen bundesweit daran teil. Aus Hessen wurden 83 Beiträge eingereicht darunter auch der von Raphael und Jonas, Schüler am Friedrichsgymnasium in Kassel. Ihre Ausarbeitung mit dem Titel: „Vertriebene und Katholische Kirche in Kassel. Eine Brücke zwischen alter und neuer Heimat in der Nachkriegszeit“ wurde nun von der Jury als beste Arbeit zum Landesieger Hessen gekürt.

Für Studiendirektor und Geschichtslehrer Bernd Stute war schnell klar, dass die beiden Gymnasiasten aus dem Leistungskurs Geschichte für die Teilnahme in Frage kamen. „Ich habe das Thema mit den Beiden besprochen und ihr Interesse war sofort geweckt,“ erzählt Stute. „Raphael und Jonas sind meine Musterschüler im Leistungskurs. Alle Schüler und die Lehrerschaft freuen sich mit ihnen,“ ergänzt der Tutor.

Thema mit regionalem Bezug

Den Einstieg in das kompakte Thema war schnell gefunden. „Wir wollten einen regionalen Bezug zum Thema herstellen,“ erklärt Raphael und Jonas ergänzt: „Nach kurzen Recherchen wurden wir auf das Schicksal der Vertriebenen in Kassel nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges aufmerksam. Wir hatten unser Thema gefunden.“ Ihre Nachforschungen begannen sie bei Kirchenämtern und fanden dort Hinweise auf die Notlage der Vertriebenen aus dem ehemaligen Sudetenland, die zu 95 Prozent dem katholischen Glauben angehörten. „Im Raum Kassel fanden die Neuankömmlinge kaum Gelegenheit, ihren Glauben zu praktizieren,“ erklärt Jonas. Ihre Recherche führten sie bis nach Fulda. Dort fanden sie auch Hinweise auf noch lebende Zeitzeugen und trafen sich mit dem heute 78-jährigen Hermann Weiser, der 1946 mit seinen Eltern, fünf Geschwistern und der Großmutter aus seiner Heimat ausgewiesen wurde. Die Familie verschlug es zuerst nach Witzenhausen. Dort half Weiser mit, eine katholische Glaubensgemeinschaft aufzubauen. 1952 gelangte er nach Kassel und wurde dort 1974 Pfarrer.

Preisgeld wird geteilt

„Für Weiser sei der Glaube zwischen Vertreibung und Ankunft die einzige Hoffnung gewesen,“ erklärt Raphael. „In der Not rücken die Menschen zusammen.“ So sei es keine Seltenheit gewesen, dass eine katholische Messe in einer evangelischen Kirche stattfand und Busse über Land fuhren, um die Gläubigen „einzusammeln.“

Der Umfang der Ausarbeitung war auf 50 Seiten begrenzt. Unterstützt wurden die Preisträger von ihrem Tutor Bernd Stute, mit dem sie nun gemeinsam am 11. September im Wiesbadener Landtag ihre Auszeichnung entgegen nehmen. Das 250 Euro hohe Preisgeld wird geteilt, meinte Raphael, der in seiner Freizeit gerne Handball und Trompete spielt. Jonas verbringt seine schulfreie Zeit gerne mit Freunden und am Computer. Nach dem Abitur im nächsten Jahr wollen beide ein Geschichtsstudium beginnen. (plu)

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