Population in Nordhessen soll bestimmt werden

Schüler geben den Luchsen Namen

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Bergshausen. Die Grundschule Bergshausen macht bei einem Projekt der Uni Göttingen mit, durch das die Luchspopulation in Nordhessen bestimmt werden soll. Schüler geben den Tieren Namen.

Luchse aus der Nähe zu beobachten, wie es zum Beispiel im Kleintierzoo am Rammelsberg in Kassel möglich ist, ist ein beeindruckendes Erlebnis. Durch ein Göttinger Forschungsprojekt können hessische Schüler die hochbeinigen Katzen mit den Backenbärten und den Pinselohren nun auch in ihrem natürlichen Lebensraum betrachten. Dies ermöglichen Fotofallen, automatische Kameras, die an 20 Standorten in einem 650 Quadratkilometer großen Areal südöstlich von Kassel aufgebaut wurden.

Dr. Markus Port von der Fakultät für Biologie und Psychologie der Georg-August-Universität Göttingen warb für das Projekt 15 000 Euro von der Stuttgarter Heidehof-Stiftung ein, die unter anderem Naturschutz und Bildung fördert. Kooperationspartner bei dem einjährigen Projekt, das seit November 2014 läuft, sind die Forstämter Hessisch Lichtenau und Melsungen sowie der Arbeitskreis Hessenluchs.

Die Mindestzahl der im Grenzgebiet zwischen Hessen und Niedersachsen lebenden Luchse soll ermittelt und das Leben der wieder in Nordhessen heimisch gewordenen Tiere näher erforscht werden.

Sechs Schulen haben bereits eine Kamera-Patenschaft übernommen, darunter die Grundschule Am Lindenplatz in Fuldabrück-Bergshausen. „Die ganze Schule ist beteiligt, wir hatten einen Artikel in der Schulzeitung und hängen die Fotos aus, die uns übermittelt werden“, berichtet Schulleiterin Katrin Eitel. Sobald ein Luchs fotografiert wird, dürfen ihm die Schüler einen Namen geben.

„Luchse können anhand ihrer Fellmuster gut voneinander unterschieden werden“, erklärt Ralf Meusel, Luchsbeauftragter am Forstamt Hessisch Lichtenau. Die Schüler der Frau-Holle-Schule in Abterode (Meißner) und der Anne-Frank-Schule in Eschwege hatten bereits Glück, sie tauften ihre Luchse auf die Namen Braunie, Felux und Laxy. Die Fotofalle der Bergshäuser Grundschüler nahm bisher Reh- und Rotwild auf. Weitere Aufnahmen zeigen Fuchs, Wildschwein, Dachs und Wildkatze.

„Das Blitzlicht der Kameras stört die Tiere nicht, weil sie keine Gefahr damit verbinden“, erläutert Dr. Markus Port (40). Das Luchsprojekt bedeutet dem Göttinger Verhaltensökologen viel, da er aus Helsa-St. Ottilien stammt, wo Spaziergänger bereits mehrfach Luchse gesichtet haben. „Wir möchten ein Stück Wald in die Klassenzimmer transportieren“, sagt er.

„Jedes Foto eines frei lebenden Luchses ist ein wichtiger Beitrag zur Dokumentation des Vorkommens“, sagt Thomas Norgall vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Hessen und Gründungsmitglied des Arbeitskreises Hessenluchs. Ein stabiles Luchsvorkommen in dem hessisch-niedersächsischen Grenzgebiet sei ein wichtiger Schritt zur Rückkehr und Ausbreitung des Luchses in Deutschland.

Kontakt: Dr. Markus Port, Georg-August-Universität Göttingen, Johann-Friedrich-Blumenbach-Institut Göttingen, Tel. 05 51/ 39-1 08 90, Infos: www.uni-goettingen.de

Von Bettina Wienecke

Luchs-Sichtung in Söhrewald

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