„Kauft keine Möbel, kauft Käse!“

Marktschreier hatten am Wochenende in Fuldabrück schlechten Auftakt in Saison

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König der Schreihälse: Marktschreier „Wurst-Achim“ weiß, wie man seine Ware lautstark an die Kundschaft bringt. 

Fuldabrück. Normalerweise röhrt Joachim Pfaff mit der Lautstärke von 110 Dezibel von seinem Verkaufswagen herunter. „Das hört sich an, als ob 20 schwere Lkw gleichzeitig losfahren“, sagt er stolz.

Pfaff ist im Dienst „Wurst-Achim“ und Weltmeister der Marktschreier. Doch an diesem frühen Samstagnachmittag kann er seine Stimmbänder schonen. Beim Marktschreierwettbewerb vor Möbel Finke ist wenig los. Genug Zeit für eine Bratwurst und Telefonate mit dem Handy. „Ich rede hier ständig nur mit Autos“, sagt der gebürtige Einbecker mit der großen, in über 30 Dienstjahren erprobten Schnauze.

Tatsächlich ist der Parkplatz von Möbel Finke proppenvoll. Doch die meisten Menschen strömen in das Einrichtungshaus, stöbern an den Ständen mit Spielwaren und Kleidung, die ebenfalls auf dem Parkplatz aufgebaut sind. Zum Auftakt am Freitag sei es nicht besser gewesen, erzählt Wurst-Achim. Ein schlechter Auftakt in die Saison sei das, erklärt er. Fuldabrück ist die erste Station der Marktschreier-Gilde, bis zum Herbst sind sie viele 1000 Kilometer kreuz und quer in Deutschland unterwegs, um Wurst, Käse, Obst, Blumen oder Süßes tütenweise und mit starken Sprüchen an die Frau oder den Mann zu bringen. Alle Hoffnungen ruhten jetzt auf dem Sonntag, sagt Pfaff. Dann habe sich auch der „Blumen-König“ aus Holland angesagt. Andere Kollegen der Marktschreier-Gilde seien erst gar nicht gekommen.

Auch sein Nachbar, der „Käse Alex“, mit 19 Jahren jüngster Marktschreier der Republik, ist wegen des spärlichen Umsatzes frustriert. „Mir fehlen schon 60 Tüten. Dabei haben wir zwei Monate Winterpause hinter uns, in denen wir nichts verdienen konnten“, sagt er, der im wirklichen Leben Christopher Thamm heißt. Der junge Mann lässt sich aber nicht unterkriegen. „Kauft keine Möbel, kauft Käse. Käseesser sind die besseren Liebhaber“, ruft er der ins Einrichtungshaus strömenden Menge zu. Sein Vater und Kollege, der „Milkaa-Micha“ nimmt die Flaute anscheinend gelassen. Auch wenn vor seinem Wagen mit gestapelten Leckereien ebenfalls wenig los ist.

Endlich Umsatz: Käse-Alex (links) ist nach langem Feilschen mit Oliver Krause und Angela Dietzel handelseinig geworden.

Und dann kommen doch noch einige Kunden. Oliver Krause aus Kassel ringt mit dem „Käse Alex“ um jede Käsepackung. „Das Feilschen macht den Reiz der Veranstaltung aus“, sagt er. „Und wo bleibt mein Trinkgeld“, antwortet der junge Marktschreier schlagfertig. Zwischendurch liefert er sich mit seinem Nachbarn, dem „Wurst-Achim“ wilde Wortgefechte. „Bettnässer“, ruft Thamm hinüber. „Rotzlöffel“, schallt es zurück.

Alles nur ein Spaß, um die Aufmerksamkeit der Kundschaft zu erregen. „Unter die Gürtellinie gehen wir nicht“, versichert „Käse-Alex“. Im Norden Deutschlands dürfe es aber schon etwas deftiger sein.

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