Eine ganze Straße feiert

Nachbarn in Dörnhagen verbringen Weihnachten seit fast 40 Jahren zusammen

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Die Garage ist geräumt: Jedes Jahr wird bei einem anderen Nachbarn gefeiert. Reiner Uffelmann spielt auch heute wieder den Weihnachtsmann. Bärbel Schröder (ganz links) hat das gemeinsame Feiern vor fast 40 Jahren ins Rollen gebracht.

Fuldabrück. Weihnachten alleine zu verbringen, das kann sich Bärbel Schröder aus Fuldabrück nicht vorstellen. Und das möchte die fünffache Mutter auch für andere nicht. Deshalb hatte sie sich zu Heiligabend vor fast 40 Jahren per Brief bei ihren Nachbarn angekündigt – unterschrieben mit den Worten „Eurer Weihnachtsmann“.

Als sie dann am 24. Dezember von Haus zu Haus ging und „Weihnachtslichter“ verteilte, war das der Beginn einer Tradition: Seitdem feiert die Herkulesstraße im Fuldabrücker Ortsteil Dörnhagen an Heiligabend ein paar Stunden gemeinsam.

„Ich kann mir ein Weihnachten ohne die Nachbarn gar nicht mehr vorstellen“, sagt Schröder. „Das Treffen gehört einfach dazu.“ Und das geht offenbar den meisten Bewohnern der Herkulesstraße so. Jahr für Jahr trifft sich nachmittags die ganze Straße, isst eine Kleinigkeit zusammen, trinkt Glühwein und singt Weihnachtslieder.

Ein Weihnachtsmann darf natürlich auch nicht fehlen – diese Rolle übernimmt meist Reiner Uffelmann. Mit Kostüm und Rute ausgestattet kommt er an Heiligabend aus dem nahe gelegenen Wald und verteilt Kleinigkeiten an seine Nachbarn. „Er ist auch schonmal mit einem Schlitten angereist“, erinnert sich seine Frau Anneliese lachend.

Wie der Weihnachtsnachmittag insgesamt abläuft, ist jedes Jahr ein wenig anders. Ein paar Wochen vor Heiligabend gibt es ein Treffen, wobei besprochen wird, was gegessen und bei wem gefeiert wird. „Derjenige, den es trifft, muss dann erstmal seine Garage aufräumen und saubermachen“, sagt Schröder. Oder seinen Unrat eben mit Planen zuhängen, was auch schon einmal der Fall gewesen sei. Dann werden Tische und Bänke aufgestellt, ein bisschen dekoriert, und schon steht dem Heiligabend mit den Nachbarn nichts mehr im Wege.

Beim Essen sind die Bewohner der Herkulesstraße nicht wählerisch. Mal gibt es Suppe, Gulasch oder andere Kleinigkeiten. „Einmal haben wir Omelette gemacht, das war klasse“, erinnert sich Anneliese Uffelmann. Heute werden Lachsschnitten und Frühlingsrollen gegessen.

Neben Essen und Trinken gibt es auch immer ein kleines Programm. „Wir singen Lieder, lesen Gedichte oder auch die Weihnachtsgeschichte“, erzählt Schröder. Und die in verschiedenen Sprachen. „Dieses Jahr hören wir sie auf Chinesisch.“ Das geht, weil eine Nachbarin Chinesin ist.

Manchmal lassen sich die Nachbarn aber auch etwas Ausgefallenes einfallen: „Vor einigen Jahren haben wir ein großes Papphaus gebastelt und selbstgebackene Lebkuchen dran geklebt“, sagt Uffelmann. „Ich habe damals zum ersten Mal Lebkuchen gebacken, ich wusste eigentlich gar nicht, wie das geht.“

Wenn sich die Nachbarschaft heute trifft, werden wieder fast alle dabei sein. „Wir sind vor vielen Jahren in die Straße gezogen und zusammen alt geworden“, sagt Schröder. Auch die Kinder sind dieses Jahr wieder dabei – inzwischen erwachsen geworden.

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