Angeklagter soll einen Schaden von 48.000 Euro verursacht haben

Prozess gegen Fuldabrücker Ex-Polizist: Er habe nur 23 Taten begangen

Kassel. Nach der ersten Verhandlung Mitte September wurde am Donnerstag der Prozess gegen einen 51-jährigen Mann wegen Wohnungseinbrüchen und Computerbetruges neu begonnen.

Dem ehemaligen Polizeibeamten wird vorgeworfen, zwischen Oktober 2013 und August 2015 bei 37 Straftaten einen Schaden von 48.000 Euro angerichtet zu haben.

Er soll fünf Mal in die Häuser seiner Sportkameraden vom Fußballverein eingedrungen sein und dort 9500 Euro Bargeld, eine Münzsammlung und eine Modellauto-Sammlung im Wert von 9500 Euro erbeutet haben.

Außerdem, so Staatsanwältin Richter am Donnerstag in ihrer Anklage, fielen ihm dabei EC-Karten samt PIN-Nummern in die Hände. Damit konnte er insgesamt 18.500 Euro an Geldautomaten in Niederzwehren und Fuldabrück abheben.

Als Kassierer des Sportvereins hatte er laut Anklage auch Zugriff auf ein Vereinskonto, von dem er knapp 11.000 Euro abgehoben haben soll. Dieses Geld wurde inzwischen nach Aussage von Verteidiger Markus Sittig vollständig zurückgezahlt.

Zum Prozessauftakt vor dem Amtsgericht machte der Angeklagte lediglich Angaben zur Person, nicht aber zu den Taten selbst und seinen Motiven.

Der gebürtige Kasseler ist verheiratet, hat zwei Kinder, lebt inzwischen aber getrennt von der Ehefrau. Sein Beamtenverhältnis hat er selbst gekündigt, statt mehrerer tausend Euro Polizistengehalt im Monat bleiben ihm heute als Müllwerker 1200 Euro netto.

Amtsrichterin Jana Ferchland und ihre Schöffen können sich auf einen langwierigen Prozess mit aufwendiger Beweisaufnahme einrichten, denn Verteidiger Sittig benannte am Donnerstag über 20 zu hörende Zeugen und forderte die Einholung mehrerer Gutachten.

Sittig verwies darauf, dass sein Mandant vor den Ermittlungsbehörden nur 23 der ihm vorgeworfenen 37 Taten gestanden hat. Bei den anderen seien auch andere Täter denkbar, meinte Sittig, der damit in Fuldabrück für einigen Diskussionsstoff sorgen dürfte.

So hätten seine Eltern den Angeklagten mit knapp 20.000 Euro unterstützt. Dies liefere eine andere Erklärung für die Geldeingänge auf dem Konto seines Mandanten, als dass es sich um die Beute aus den Diebeszügen handele.

Sittig bezweifelte auch, dass die Modellauto-Sammlung tatsächlich 9500 Euro wert gewesen sei. Denkbar sei ja auch, dass der hohe Wert angegeben wurde, um einen Versicherungsfall auszulösen.

Nicht erwiesen sei auch, dass sein Mandant auf dem Foto einer Wildkamera zu sehen sei, die ein Einbruchsopfer nach der ersten Tat aufgehängt hatte. Auch dass einer der Bestohlenen Schwarzgeld im Haus gebunkert habe, sei nicht nur seinem Mandanten bekannt gewesen, sondern auch anderen Dorfbewohnern.

Die Verhandlung wird am 24. November mit 18 Zeugen fortgesetzt.

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