40 Helfer im Übungs-Einsatz

Sanitätszug des Kreises probte den Einsatz im Schnee

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In Rettungsdecken gehüllt: Die Helfer des Sanitätszugs hüllen die „Verletzten“ am Stellbergsee in Rettungsdecken, damit die jungen Leute nicht auskühlen. Das kleine Foto zeigt Robin Matussek, dem mehrere Brandverletzungen für die Übung geschminkt wurden. 

Kreis Kassel. Robin Matussek liegt am Boden. Der Schnee um ihn herum ist von Blut rot gefärbt. Es ist ein grausames Bild. Der 16-Jährige zittert vor Kälte, wimmert vor Angst und blickt entsetzt auf seine offensichtlich stark verletzte Hand. 

Gerade noch hat er im Wald bei Wollrode fröhlich mit Freunden am Lagerfeuer gefeiert, als eine Horde Wildschweine die Party unsanft beendete.

Panisch versuchten die Jugendlichen, sich in Sicherheit zu bringen, liefen vereiste Hänge hinab oder kletterten auf Bäume. Knochenbrüche, Schürfwunden, Unterkühlungen und einiges mehr sind nun die Folgen, und Robin hat es besonders schwer erwischt. Während seines Fluchtversuchs fiel er ins Feuer und zog sich schwerste Verbrennungen zu. Dass die Haut seiner linken Gesichtshälfte alles andere als gut aussieht, hat der Grebensteiner noch gar nicht bemerkt, als er mit letzter Kraft um Hilfe ruft. Er spürt die Verletzung nicht, Robin steht unter Schock.

Test für Helfer und Material

Erstversorgung: Jan-Niklas Glusar gibt Isabell Geissler und Johannes Lieberknecht Tipps, wie sie die (geschminkten) Verletzungen optimal versorgen.

Was sich Spaziergängern am Samstagnachmittag unweit des Parkplatzes Stellbergsee wie eine schreckliche Katastrophe präsentiert, ist glücklicherweise nur eine Übung des DRK-Sanitätszuges 2 des Landkreises Kassel, um bei widrigen Bedingungen wie Kälte, Nässe und Schnee die Helfer- und Materialbelastung zu testen.

Die von den Organisatoren Dennis Heer, Christian Lück, Timo Heinzemann und Jan-Niklas Glusa vorgegebene Ausgangslage: Mindestens eine von zehn Personen gilt nach Information der Jugendlichen als vermisst, eine Wanderin kann Hilfe holen.

Es dauert nicht lange, bis die Einheiten aus Ahnatal, Lohfelden, Söhrewald und Kaufungen eintreffen. Die rund 40 Helfer verschaffen sich zunächst einen Überblick, koordinieren die Suche und starten strukturiert ihre Arbeit.

„Als erstes kümmern sie sich um die Schwerverletzten, dann um diejenigen mit leichteren Verletzungen“, sagt Carola Hahn, die als Beobachterin bei der Übung dabei ist und sich um die Mimen kümmert. „Solche Übungen sind für uns ungemein wichtig, schließlich muss im Ernstfall jeder Handgriff sitzen.“ Dazu zähle auch, einen geeigneten Behandlungsplatz für die Verletzten zu finden.

Dieser kann aus Platzgründen nicht in unmittelbarer Nähe aufgebaut werden, weshalb die Einsatzleitung einen geeigneten, nicht allzu weit entfernten Ort bestimmt. Der Abtransport beginnt, wobei darauf geachtet wird, nur eine minimalistische Vorortversorgung durchzuführen.

Robin Matussek wurden mehrere Brandverletzungen für die Übung geschminkt.

Die Ersthelfer müssen mehrfach fahren, da gleich neun Jugendliche verletzt sind. Eine gute Koordinierung der Patientenannahme ist jetzt gefragt.

Nach der erfolgreichen Erstversorgung am Behandlungsplatz sowie der fiktiven Anmeldung der Patienten über IVENA – ein Computerprogramm zur Krankenhausanmeldung von Patienten – können sich die Mimen schließlich von ihrem Kunstblut befreien und die Teilnehmer der Übung durchatmen: Im Ernstfall wäre alles gut verlaufen, wie bei dieser nicht alltäglichen Übung.

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