Varianten für Neubau werden geprüft 

Standort für Neubau der Bergshäuser Brücke an der A44 noch unklar

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In die Jahre gekommen: Die Bergshäuser Brücke, die die A44 bei Fuldabrück über die Fulda führt, soll in 15 Jahren durch einen Neubau ersetzt werden.

Kreis Kassel/Fuldabrück. Noch viele Jahre wird der geplante Neubau der Bergshäuser Brücke die Menschen vor allem in Fuldabrück beschäftigen. Warum die die Planungen durch die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH in den Kinderschuhen stecken. 

Wie weit sind die Planungen fortgeschritten?

Die Deges steckt noch mitten in den Vorplanungen. Der Grund dafür liegt in den komplexen Gegebenheiten, die Mensch und Natur gleichermaßen betreffen – vor allem die Lage zur Wohnbebauung beidseitig der A44, der Verlauf durch das EU-Vogelschutzgebiet Fuldaaue, die Topografie des Geländes sowie der Anschluss an die A7 mit dem Autobahndreieck Kassel-Süd, das möglicherweise auch komplett neu gebaut werden muss. „All das hat zahlreiche genehmigungsrechtliche und baufachliche Abstimmungen zur Folge“, sagt Deges-Sprecher Lutz Günther.

Was genau beinhalten diese Vorplanungen?

Wesentlicher Bestandteil der Vorplanungen ist eine Variantenuntersuchung, in deren Ergebnis eine Vorzugslösung für die zukünftige Linienführung des A44-Abschnitts mitsamt der Brücke südlich von Kassel herausgearbeitet werden soll. Viele Faktoren müssen hierbei berücksichtigt werden.

Heißt das, dass es aktuell noch keinen genauen Standort für den Neubau der Brücke gibt?

Ja. Es ist noch nicht einmal sicher, ob die neue Brücke tatsächlich südlich des noch bestehenden Bauwerks entstehen soll. „Der alte Trassenverlauf wird ebenso geprüft“, sagt Günther.

Erst wenn die Vorplanungen beendet sind, und mit dem Bundesverkehrsministerium eine Vorzugsvariante abgestimmt wurde, werde die Trassenführung offiziell festgelegt.

Gilt das auch für das Autobahndreieck Kassel-Süd?

Ja. Der Umbau des Autobahndreiecks Kassel-Süd ist ebenfalls Bestandteil der Vorplanungen – und damit auch der Variantenuntersuchung. Nur im Fall einer Südverschiebung der A44-Trasse wird auch der Umbau des Autobahndreiecks erforderlich.

Und was passiert nach den Vorplanungen?

Erst wenn die Vorplanungen abgeschlossen sind und die Vorzugsvariante feststeht, beginnt die sogenannte Entwurfsplanung. Die bereits erarbeiteten Pläne werden weiter konkretisiert, um schließlich das eigentliche Planfeststellungsverfahren zur Erlangung der Baugenehmigung anstoßen zu können. Im Zuge dieser Planfeststellung wird auch die Öffentlichkeit beteiligt. Bis es soweit ist, können noch einige Jahre vergehen.

Was genau beinhalten diese Entwurfsplanungen?

Die Entwurfsplanungen enthalten dann erstmalig detaillierte Darstellungen der Trassenführung im Grundriss und Längsschnitt, die Straßenquerschnitte, Fachbeiträge zum Umweltschutz und zur Landschaftspflege sowie zum Immissionsschutz.

Wird dann auch die genaue Gestalt der neuen Brücke festgelegt?

Mit dem fertigen Entwurfsplan steht auch die Gestalt der neuen Brücke fest. Sicher ist: Eine erneute Stahlfachwerkkonstruktion wird es nicht geben, weil sie zu teuer und zu wartungsintensiv ist. Vielmehr kommen eine Stahlverbund- oder eine Spannbeton-Brücke infrage. Doch hängt das davon ab, welche Trassenvariante letztlich den Vorzug bekommt.

Die Bauweise einer Brücke ist immer davon abhängig, welche Linienführung im Bogen, welche Längs- und Querneigungen und welche Bautechnologien eingesetzt werden können.

Inwieweit spielt der Lärmschutz bei den Planungen eine Rolle?

"Der Lärmschutz spielt bei den Planungen eine herausragende Rolle", sagt Günther. Dies werde besonders am Umfang der einzelnen Variantenuntersuchungen deutlich. „Bei der Auswahl der Vorzugsvariante stellt der Immissionsschutz mit Blick auf die Anwohner vor Ort ein entscheidendes Kriterium dar“.

Mit welchen Baukosten ist zu rechnen?

Bislang gibt es eine Kostenschätzung aus dem Jahr 2014. Sie beruht auf den Unterlagen zur Anmeldung des Projektes für den Bundesverkehrswegeplan 2030. Die Kosten für eudas Gesamtprojekt – das heißt den sechsstreifigen Ausbau der A44 zwischen dem Autobahnkreuz Kassel-West und dem Autobahndreieck Kassel-Süd – werden auf 217 Mio. Euro brutto geschätzt. Mit jeder Planungsphase werden die Kosten fortgeschrieben. 

Das alles wird bei den Planungen berücksichtigt

„Die Vorplanungen für den Neubau der Bergshäuser Brücke sind ungewöhnlich komplex“, sagt Deges-Sprecher Lutz Günther. So ginge es nicht nur darum, eine verkehrlich sinnvolle sowie auch wirtschaftlich vertretbare Straßentrasse zu finden. Auch seien eine Reihe öffentlicher Belange einschließlich der Umweltverträglichkeit und des Immissionsschutzes zu berücksichtigen. 

Mit Blick auf den Vogelschutz würden aktuell weitere Untersuchungen und Kartierungen im Untersuchungsgebiet vorgenommen. Die Ergebnisse dieser Kartierungen seien dann die Grundlage für Verträglichkeitsprüfungen für die Varianten innerhalb des Vogelschutzgebiets. „Damit sollen die Einwirkungen auf gefährdete Arten in der Fuldaaue sowie im Waldgebiet östlich des Schutzgebietes genauer erfasst und bewertet werden“. 

Zudem seien Verkehrslärmberechnungen unter Berücksichtigung der Verkehrsprognosen für die Zeit bis 2030 in Vorbereitung. „Bei den Lärmschutzberechnungen werden aktive und passive Lärmschutzvorhaben entlang und im Umfeld der einzelnen Trassen-Varianten genau geprüft“, sagt Günther. Maßgeblich seien dabei die vom Gesetzgeber festgelegten Grenzwerte.

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