Konzept „Wohnen für Hilfe“

Studentisches Wohnkonzept in Kassel: Hilfe im Alltag statt Miete

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Nicht allein: Helmi Bertram (links) und Studentin Vanessa Thiele unterhalten sich fast täglich am Wohnzimmertisch bei einer Tasse Kaffee.

Fuldabrück. Vanessa Thiele bezahlt für ihre Wohnung in Fuldabrück keine Miete. Dafür kümmert sie sich um ihre Vermieterin Helmi Bertram, die im selben Haus wohnt. 

Die 19-Jährige trägt nur die Nebenkosten. Als Psychologie-Studentin spart sie wichtiges Geld. Das Wohnraumkonzept „Wohnen für Hilfe“ ermöglicht dieses Zusammenleben, das Studierende und Auszubildende beanspruchen können.

Das Wohnverhältnis ist einfach konzipiert: Studenten zahlen in der Regel keine Miete. Dafür helfen sie ihren Vermietern im Alltag. Zu den möglichen Hilfestellungen gehören Staubsaugen, Putzen oder der Lebensmitteleinkauf. Auch Spaziergänge und gemeinsame Ausflüge können zu den Leistungen zählen. Die Mieter tragen dann ausschließlich die Nebenkosten. Das Wohnkonzept wird in Kassel hauptsächlich vom Asta, der Studierendenvertretung der Uni Kassel, betreut.

Tägliche Gespräche am Wohnzimmertisch

Vanessa Thiele kümmert sich unter anderem um die Gartenpflege. Sie zupft Unkraut, schneidet Sträucher und mäht den Rasen. Beinahe täglich unterhalten sich Thiele und Bertram am Wohnzimmertisch: „Die täglichen Gespräche sind mir am wichtigsten. Ich höre gerne zu, wenn mir junge Menschen etwas aus ihrem Leben erzählen. Das hält mich jung“, sagt die 90-Jährige. Auch Bertrams Söhne sind beruhigt, dass ihre Mutter nicht alleine in dem Haus wohnt.

Vanessa Thiele und Helmi Bertram sind sich seit dem ersten Treffen im Oktober 2016 sympathisch. Nur kurze Zeit zuvor weilte Thiele in Neuseeland. Nach ihrem Abitur entschied sie sich dafür, ein Jahr im Ausland zu verbringen. Für ihren Wunschstudiengang Psychologie reichte ihr Notenschnitt nicht aus. Das dachte die gebürtige Bochumerin zumindest. Aber als sie schon vier Monate in Neuseeland lebte, erhielt Thiele eine Zusage von der Kasseler Uni. Sie ergatterte einen Platz im Losverfahren.

Geld bei Miete sparen

Wieder in Deutschland angekommen, suchte Vanessa Thiele dringend nach einer Wohnung. Denn das Semester lief bereits seit zwei Wochen. Ihre Mutter machte sie auf das Wohnkonzept aufmerksam. Die 19-Jährige schaute sich mehrere Wohnungen an und entschied sich letztlich dafür, bei Helmi Bertram einzuziehen: „So spare ich natürlich viel Geld. Und außerdem verstehe ich mich mit meiner Vermieterin sehr gut. Vor allem unsere Unterhaltungen machen mir viel Spaß“, sagt die Psychologiestudentin.

Auch die Seniorin profitiert von dem Wohnverhältnis. Jetzt, wo sie nicht mehr alleine lebt, muss sie ihr Zuhause nicht verlassen. Das ermöglicht ihr Vanessa: „Und dafür bin ich ihr sehr dankbar“, sagt Helmi Bertram.

Interessierte Mieter und Vermieter können sich unter sekretariat@asta-kassel.de näher informieren.

Auch in Witzenhausen und Göttingen gab es Wohnpartnerschaften, über die wir berichtet haben. 

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