Es rattert, quietscht und brummt

Selbsttest mit Dezibelmesser: Wie laut ist es unter der Bergshäuser Brücke wirklich?

Fuldabrück. Die Bergshäuser Brücke steht immer wieder in der Kritik – nicht nur wegen der Verkehrssituation. Anwohner klagen vor allem über Lärm. Wir haben den Test gemacht – mit einem Dezibelmesser.

Schon im geschlossenen Auto ist ein stetes Brummen zu hören, selbst als die Türen noch geschlossen sind. Es ist Dienstagmorgen, 8.30 Uhr. Die breiten Betonpfeiler der Bergshäuser Brücke sind schon vom Parkplatz an der Uferstraße sichtbar. Sobald die Autotür offen ist, wird das Brummen lauter. Nun rückt auch das Metallgestell der Brücke ins Sichtfeld, das über einem verläuft.

Beim genauen Hinhören wird deutlich, dass sich die Geräusche aus mehreren zusammensetzen: Ab und zu quietscht es, was etwas bedrohlich klingt und etwas Angst macht. Gerade auch, weil die Brücke in einem maroden Zustand ist. Noch häufiger ist allerdings ein Rattern zu hören: Es erinnert an lose, auf dem Boden liegende Metallplatten, über die ein Fahrzeug fährt. Dieses Geräusch taucht immer dann auf, wenn auch ein lautes Brummen oben auf der Brücke zu hören ist.

Mit dem Mikrofon die Lautstärke aufnehmen: HNA-Volontärin Lara Thiele testete unter der Bergshäuser Brücke, wie laut es dort wirklich ist.

An diesem Morgen ist nicht viel los in Bergshausen. Vereinzelt kommen Menschen aus dem Haus, steigen ins Auto, fahren zur Arbeit oder einkaufen. Die Bergshäuser werden sich an den Lärm wohl nie ganz gewöhnen können – ignorieren ihn aber offenbar gekonnt. Zwei ältere Damen walken mit Stöcken unter der Brücke entlang und unterhalten sich. Ein Mann geht mit seinem Hund spazieren. Unter der Brücke kann man sich noch normal unterhalten.

Die Smartphone-App, die die Lautstärke misst, zeigt einen Wert um die 70 Dezibel an. Das entspricht der Lautstärke eines Staubsaugers, Haartrockners, Fernsehers oder Rasenmähers – alles alltägliche Geräusche, die man gut ertragen kann. Hört man sie jedoch dauerhaft im Hintergrund, auch abends beim Grillen mit Freunden oder beim Entspannen auf der Terrasse, kann das nerven.

Laut Internetseite der HUG, einem technischen Großhandel mit Produkten der Arbeitssicherheit und Industrietechnik, gelten Lautstärken ab 65 Dezibel als „meist ungefährlich, aber mit Risikoerhöhung von Erkrankungen“, zum Beispiel von Herz und Kreislauf.

Liegt direkt unter der Brücke: Das Wohngebiet von Bergshausen.

Am Nachmittag gegen 16 Uhr ist Bergshausen lebendiger als am Morgen. Die Lautstärke unter der Brücke ist ähnlich zu der am Morgen. Auch jetzt lassen sich die Anwohner offenbar nicht stören: Eine Frauengruppe sitzt im Biergarten der Gaststätte „Fulle Marie“, ein Anwohner reinigt die Treppe seines Vorgartens. Noch mehr Lärm, der aber nach einer halben Stunde wieder aufhört.

An der Uferstraße sind die Geräusche, die die Fahrzeuge auf der Bergshäuser Brücke verursachen, noch erträglich. Rund zehn Dezibel lauter ist es weiter oben an der Bergstraße: Dort befindet sich der Brückenkopf, also die Stelle, an der die Autobahn auf die Brücke führt. Bis 85 Dezibel zeigt die App an – laut HUG „unangenehm“ und bei längerer Einwirkung entstehe die Gefahr eines Gehörschadens.

In unmittelbarer Nähe zum Brückenkopf befinden sich ebenfalls Wohnhäuser, genau wie unten im Bereich der Uferstraße. Eine normale Unterhaltung ist nicht möglich, man muss lauter sprechen, um den anderen zu verstehen.

Nach einer Stunde ist der Spuk unter der Brücke vorbei, die Anwohner allerdings sind dem Geräuschpegel tagtäglich ausgesetzt.

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Rubriklistenbild: © Foto: L. Thiele

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