"Therapeutisches Reiten“ auf Gut Freienhagen

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Hat große Fortschritte gemacht: Frederik Drews (12) führt auf dem Haflinger Max (gesichert durch Gabriele Loleit, hinten) eine Übung vor, die gezielten Muskeleinsatz erfordert.

Der Verein "Therapeutisches Reiten" bietet Hippotherapie auf Gut Freienhagen an.

Fuldabrück  / Kassel. Von Schlaganfällen sind nicht nur Kinder, Jugendliche und Erwachsene betroffen, manchmal treten sie auch bei Babys vor der Geburt auf. Bei Frederik Drews aus Kassel-Oberzwehren führte dies zu geistigen und körperlichen Einschränkungen. Für Freddy (12), wie Frederik genannt wird, und die anderen Patienten (Kinder ab vier Jahre, Jugendliche und Erwachsene) ist die Hippotherapie - das therapeutische Reiten - ein Segen.

„Er ist mein Freund“, sagt der Zwölfjährige über den 15-jährigen Haflinger Max, auf dem er wöchentlich übt. Er wird dabei von Physiotherapeuten angeleitet und von erfahrenen Helfern gesichert.

Im Jahr 2000 wurde der auf Spenden angewiesene Verein „Therapeutisches Reiten Fuldabrück“ mit dem Ziel gegründet, Menschen mit Erkrankungen und Behinderungen weiterzuhelfen.

Der Vereinsvorsitzende Joachim Rost aus Fuldabrück ist selbst durch eine chronische Erkrankung auf den Rollstuhl angewiesen. Beate Breuer hat als leitende Physiotherapeutin des Vereins eine Zusatzlizenz für die Hippotherapie erworben und wird von Verena Stöhr und Susanne Simon fachlich unterstützt.

Hinzu kommen neun Helfer mit großer Pferdeerfahrung. Einige von ihnen sind Mitglieder des Kurhessischen Reit- und Fahrvereins 1869 Kassel, der die Reitanlage des Guts Freienhagen gepachtet hat und an den Verein Therapeutisches Reiten Fuldabrück weitervermietet.

Sämtliche Vereinsmitglieder und Helfer sind ehrenamtlich tätig. Beate Breuer bringt ihren Rüden Eiko, einen Golden Retriever, stets mit zur Therapie. „Als selbst ernannter Thearpiehund bringt er Ruhe in die Abläufe und steht zum Schmusen zur Verfügung“, sagt die 49-Jährige.

„Wir haben vielen Kindern, die im Rollstuhl saßen, ergänzend zu ihrer Physiotherapie geholfen, das Laufen zu erlernen. Sie haben durch das Pferd erstmals gesunde Beine unter ihrem Körper gespürt und bekommen durch die Schwingungen ein Gefühl dafür, wie das Laufen funktioniert“, erläutert sie. Die Bewegung in der Gangart Schritt fördere und stabilisiere die aufrechte Haltung. Sie stärke die Muskulatur und verbessere die Reflexe des Reiters.

Bei Frederik meinten die Ärzte, dass er aufgrund seines Schlaganfalls nie würde sprechen und gehen können. Inzwischen plaudert er gerne und besucht die sechste Klasse der Alexander-Schmorell-Schule in Kassel.

Durch die Hippotherapie hat Frederik erstaunliche Fortschritte gemacht. „Da seine rechte Seite durch die Lähmung unter großer Spannung steht, saß er immer schräg“, berichtet sein Vater. Inzwischen reitet Freddy nicht nur mit glücklichem Gesichtsausdruck, sondern auch aufrecht. Die schwierige Übung, bei der er zunächst mit Blick nach unten quer auf dem Pferd liegt, um sich dann aufzurichten und die Arme auszustrecken, führt er gern fürs Foto nochmals vor.

Von Bettina Wienecke

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