Fahrer werden verantwortlich gemacht

Unter Bergshäuser Brücke: Eisscholle  schlug Loch ins Dach

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Fuldabrück. Seit Jahrzehnten sind sie ein Thema im Fuldabrücker Ortsteil Bergshausen: Von der Bergshäuser Brücke heruntersegelnde Eisschollen, die die Wohnhäuser darunter, aber auch Menschen gefährden. Erst jetzt hat ein Eisbrocken wieder ein Dach zerstört. 

Die Brocken entstehen, wenn Lastwagen in der Nacht auf dem Parkplatz Rast machen und Wasser auf den Planen der Fahrzeuge gefriert und nicht entfernt wird. Jüngst ist eine so entstandene Eisscholle in ein Wohnhaus an der Lindenstraße gekracht und riss ein großes Loch in das Dach.

Zwei Hände breit war es, schildert Volker Richter, Mitglied der AfD und des Fuldabrücker Gemeindevorstands, der in diesem Haus wohnt. Es gehöre seiner Schwiegermutter, der Schaden sei bereits von einem Dachdecker beseitigt worden. „In der Nacht gegen Viertel vor fünf hat es heftig gerumpelt. Ich dachte erst, ein Lkw hätte einen Teil seiner Ladung verloren.“

Bei entsprechender Witterung komme es fast täglich vor, dass den Anwohnern Eisschollen auf die Grundstücke fliegen. Dabei ist auch schon öfter etwas kaputtgegangen: Bei Richter zum Beispiel ein Fenster und auch mal ein Ziegel. Den Glasschaden habe damals die Versicherung übernommen, die Reparaturen am Dach müsse man selbst zahlen. „Da müsste man schon den Lkw-Fahrer finden, von dessen Dach das Eis herunterkam, um ihn rechtlich zur Verantwortung zu ziehen“, so Richter, der seit den 90er-Jahren in dem Haus unterhalb der Brücke wohnt.

In diesem Fall allerdings muss die Eisscholle so groß und dick gewesen sein, dass sie das Dach durchbohrte und vier Ziegel zerstörte. „Der Lkw muss schon länger gestanden haben“, sagt Richter. Nur so könne er sich die Dicke erklären, zumal es in der Nacht nicht so kalt gewesen sei. Immerhin seien mittlerweile Schilder aufgestellt worden, die auf den Eisschlag hinweisen. „Aber wenn Sie so einen Eisbrocken sehen, dann könnte es schon zu spät sein.“

Bürgermeister Dieter Lengemann (SPD) beschäftigt das Thema seit Jahren. Er hat sich jetzt erneut an die Straßenbaubehörde Hessen Mobil gewandt. Seine Forderung: Große Hinweisschilder, die schon an Rasthöfen und Zufahrten auf die Gefahren hinweisen sowie Fangnetze, die das Herabfallen von Eisschlag und anderen Gegenständen verhindern. Auch könnten Polizeikontrollen „ein wirksames Mittel sein, um diese Gefahren zu beseitigen“, heißt es im Schreiben des Rathauschefs an Hessen Mobil. Auf Nachfrage der HNA signalisiert die Landesbehörde, dass man nicht zuständig ist. „Wir sehen keine Möglichkeit, der den Anliegern entstehenden Gefahr durch bauliche Maßnahmen entgegen zu wirken“, so Sprecher Horst Sinemus. Netze könnten dazu führen, dass Eisschollen zurück in den Verkehrsraum geschleudert werden. Vielmehr sei der Lkw-Fahrer verantwortlich, etwaige Eisbildung vor Fahrtantritt zu entfernen. 

Hintergrund

In ganz Nordhessen steht Lkw-Fahrern nur ein Schneegerüst zur Verfügung, mit dem sie ihre Lkw auf Eisschollen überprüfen können: Am Autohof Lohfeldener Rüssel. Hessenweit gibt es laut Polizei vier, deutschlandweit 38 Gerüste. Die Verantwortung, ob sie diese Gerüste nutzen, liegt bei ihnen. Die Bergshäuser Brücke selbst wird laut Hessen Mobil „bei entsprechender Witterung regelmäßig durch die zuständige Streckenkontrolle auf Eisbildung untersucht“.

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