Unterrichtsprojekt: Schüler sind dem Luchs auf der Spur 

In der Söhre gesichtet: Diesen Luchs hat Walter Liese aus Helsa Ende Dezember 2012 bei St. Ottilien fotografiert. Archivfoto: Liese/nh

Fuldabrück. Kinder der vierten Klasse der Grundschule in Bergshausen haben eine Patenschaft für eine Luchs-Fotofalle übernommen. Bei dem Projekt der Göttinger Universität soll mittels im Wald installierter Kameras festgestellt werden, wo und wieviele Luchse in unserer Region leben.

Der Luchs wird in den nordhessischen Wäldern wieder heimisch. Das Tier ist scheu. Wer hat schon einen Luchs gesehen? Bei dieser Frage gehen gleich mehrere Arme in der vierten Klasse der Grundschule „Am Lindenplatz in Bergshausen hoch.

„Ich war mit dem Rad unterwegs, da ist plötzlich ein Luchs aus dem Gebüsch gesprungen und vor mir über die Straße gelaufen“, erzählt Miguel. Sein Klassenkamerad Ben berichtet, der Hund seines Freundes habe in Söhrewald einen Luchs auf den Baum gejagt. Und Chris erzählt, dass während einer Radtour mit den Eltern in der Söhre plötzlich ein Tier mit Pinselohren aufgetaucht sei. „Ich habe mich ganz schön erschrocken“, sagt der Schüler.

Kleine Forscher auf den Spuren des Luchses: Die Kinder der Grundschule Bergshausen haben Bilder des Raubtiers gemalt und Waldszenen mit Luchs aus Karton gebastelt. Foto: Dilling

Wie viele Luchse gibt es überhaupt schon in Nordhessen? Bei der Suche nach einer Antwort helfen die Bergshäuser Schüler kräftig mit. Im Rahmen eines von der Heidehof-Stiftung geförderten Pilotprojekts der Universität Göttingen, des Arbeitskreises Hessenluchs und den Forstämtern Melsungen und Hessisch Lichtenau haben sie die Patenschaft über eine Fotofalle übernommen, als einzige von bisher sechs Schulen in Nordhessen: Mitlhilfe getarnter Kameras soll die Zahl der Luchse ermittelt werden. Die Forscher hoffen, anhand der individuellen Fellzeichnung der Tiere die einzelnen fotografierten Exemplare auseinanderhalten zu können.

Die erste Kamera, für die die Bergshäuser Kinder Pate standen, sei entwendet worden, sagt Schulleiterin Katrin Eitel. Nun erhalten die Grundschüler regelmäßig Bilder von einer neuen Kamera übersandt, die bei Wollrode im Wald platziert wurde.

Eine Reihe von Nachtaufnahmen hat die Schule schon erhalten, darauf sind unter anderem ein Fuchs und ein Rehbock zu sehen. Einen Luchs habe die Kamera auch schon erwischt, dieses Foto habe die Uni aber noch nicht geschickt, sagt Eitel.

Luchs-Sichtung in Söhrewald

Die Patenschaft motiviert den Forschergeist der Kinder und bildet die Grundlage für spannende Unterrichtsprojekte: Die Schüler haben Luchs-Bilder gemalt, in Büchern und der HNA nach Informationen über das Tier gesucht und einen Luchs-Steckbrief erarbeitet.

Die zweite Klasse bereitet Referate vor, nicht nur über den Luchs, sondern auch über weitere Wildtiere. Viele Ergebnisse ihres Projekts haben sie ins Internet gestellt.

Als Antje Henkelmann von der Uni Göttingen bei den Schülern nun vorbeischaute und die Funktionsweise der Kamera erklärte, wurde die Wildbiologin mit Fragen bombardiert: Warum hat der Luchs Pinselohren? Welche natürlichen Feinde hat er? Wie schnell kann er rennen?

Die Pinselohren sorgen für das sehr gute Gehör, und der Autoverkehr sei der schlimmste Feind des Luchses, sagte Henkelmann. Beim Tempo des Raubtiers musste sie selbst erst nachschauen: Der Luchs spurtet bis zu 70 Kilometer schnell.

Weitere Klassen können sich beteiligen und unter www.luchs.uni-goettingen.de melden.

Video: Luchs im Söhrewald

Video: Luchs im Kaufunger Wald

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