Tarek Al-Wazir an Bergshäuser Brücke

Verkehrsminister zu Besuch: Kaum Antworten zum Zeitplan des Neubaus der A44-Brücke

Fuldabrück. Der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) besuchte am Mittwoch die Bergshäuser Brücke. Dabei ließ er sich von Experten seiner Behörde das Bauwerk erklären. Antworten zum Zeitplan des Neubaus hatte niemand. 

Ziel des Besuchs sollte es sein, sich ein Bild vom Zustand des Bauwerks zu machen – begleitet von Fachleuten der Straßenbaubehörde Hessen Mobil und der Gesellschaft Deges, die mit dem Neubau der A 44-Brücke betraut ist. Die Anwohner erwarteten vor allem eines: Antworten auf die Frage zum Zeitplan.

Wie berichtet, steht für den Neubau ein Planungsprozess von 15 Jahren im Raum. Wann die Vorplanungen für den Neubau abgeschlossen sind, darauf wusste niemand eine Antwort. Nur, dass der Neubau selbst fünf bis sechs Jahre dauern kann, ein Teil der Brücke bereits früher geöffnet werden kann, um die bestehende Bergshäuser Brücke zu entlasten.

Reinhold Rehbein

Diese muss nun erst mal für knapp zehn Millionen Euro instandgesetzt werden. Die Arbeiten sollen im März/April 2018 beginnen und etwa zehn Monate dauern. Doch ob die alte Brücke so lange hält bis die neue steht, ist unklar: Das Material ist ermüdet, die höchste Belastungsklasse werde nicht mehr erreicht, so Reinhold Rehbein von Hessen Mobil, der klarstellen wollte, dass die Brücke nicht marode ist. „Die Last hat sich eben über die Jahre verändert.“ Seit 2011 habe man neben dem statischen Nachweis auch einen Ermüdungsnachweis für Brücken zu erbringen. Dieser ergab, dass die Brücke insbesondere von Lkw stark beansprucht wurde.

„Die zweite Brückenhälfte ist so alt wie ich“: Bei heftigem Regen begutachtete Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (links) die Bergshäuser Brücke von unten und von oben. Begleitet wurde er dabei unter anderem von dem Bergshäuser Kai Gies.

Die Instandsetzung

Während der Arbeiten werde die Verkehrsführung geändert: Dann führen zwei Spuren in Fahrtrichtung Dreieck Kassel-Süd und eine in Richtung Dortmund. Um Rückstaus zu vermeiden, werde man den Verkehr der A 7 in Richtung Hannover über die Südtangente führen und zusehen, dass bis dahin die Baustelle an der A 7 abgeschlossen ist. „Wir rechnen dadurch in Spitzenzeiten mit bis zu 600 Fahrzeugen pro Stunde zusätzlich.“ Auch nach Abschluss der Instandsetzung bleibe die Dreispurigkeit aufrechterhalten.

Anwohner aus Bergshausen müssten sich während der Arbeiten darauf einstellen, dass Container und Gerüste aufgestellt und Straßen eingehaust werden und dass es auch mal etwas lauter werde. Am 27. September werde man im Bürgerhaus Bergshausen die Menschen informieren.

Mit der Instandsetzung soll auch das Problem gelöst sein, dass Metallplatten in den Gärten unter der Brücke landen. Die Platten, die von den Kanälen auf der Brücke stammen, würden erneuert. Da sich über die Jahre durch die Verformung von Stahlplatten Spurrillen gebildet hätten, sei zudem im Gespräch, auch den Fahrbahnbelag zu sanieren. 

Hintergrund: Neubau der Brücke

Die Planungen für den Neubau der Brücke, die parallel zur Planung der Autobahn 44 erfolgen, stehen ganz am Anfang. Vor einigen Monaten wurde der Auftrag an die Projektmanagementgesellschaft Deges vergeben. Die Deges ist sowohl mit der Planung der Autobahn 44 betraut, als auch mit dem Neubau der Brücke.

Die vom Bundesministerium genehmigte Variante sieht vor, dass die dann sechsspurige Autobahn vor der Bergshäuser Brücke nach Süden abschwenkt und die Straße nach Dennhausen/Dittershausen überquert. 

Die neue Brücke wird nördlich der Fuldaschleife über den Fluss gebaut. Von dort aus schwenkt die A 44 auf die A 7 ein. Die Autobahn im Bereich des Kasseler Dreiecks-Süd muss deshalb umgebaut werden. „Wir erwarten Konflikte mit dem Naturschutz“, sagte Dr. Stefan Franz (Deges), deshalb kümmere man sich derzeit intensiv um diese Hürde, bevor man sich dann der Entwässerung widme. Wie lange es bis zum Baubeginn dauert, das könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzen.

Bestehende Bergshäuser Brücke

Die Bergshäuser Brücke besteht aus einem Nordüberbau von 1962 (Fahrtrichtung Dortmund) und einem Südüberbau von 1971 (Fahrtrichtung zur A 7). Beide Überbauten sind vollständig aus Stahl hergestellt. Fachgutachter haben die Brücke untersucht und festgestellt, dass der Stahl wegen der hohen Belastung durch den Verkehr, insbesondere durch die Lastwagen, Ermüdungserscheinungen zeigt. 

Hessen Mobil änderte daraufhin die Verkehrsführung – nur ein Fahrstreifen in Fahrtrichtung Autobahndreieck Kassel-Süd, weiterhin zwei Fahrstreifen in Fahrtrichtung Dortmund. Bei der Instandsetzung wird der Nordüberbau mit Stahlseilen unterspannt, um das Tragwerk zu entlasten. Der Südüberbau soll stellenweise durch Stahlplatten verstärkt werden.

Rubriklistenbild: © Malmus

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.