"Wenn’s nicht geht, geht’s nicht"

Wenn der Schulweg länger dauert: Busstreik trifft Eltern im Kreis Kassel

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Streik: Viele Busfahrer in Hessen streiken derzeit, auch der Landkreis Kassel ist davon betroffen. Viele schulpflichtige Kinder kommen kaum zur Schule oder wieder nach Hause. 

Fuldabrück/Lohfelden/Baunatal. Der Busstreik verschont auch den Kreis Kassel nicht. Busse fahren unregelmäßig oder fallen sogar komplett aus.

„Meine beiden Söhne gehen jeden Morgen zur Bushaltestelle und müssen hoffen, dass ein Bus kommt“, sagt eine aufgebrachte HNA-Leserin aus Fuldabrück-Bergs-hausen, die anonym bleiben möchte.

Auch ein Familienvater aus Baunatal ärgert sich: Am Dienstag musste er seinen sechsjährigen Sohn am Mittag aus der Schule abholen, weil kein Bus fuhr – und niemand Bescheid wusste.

Arno Scheinost

Die Kinder der Fuldabrückerin müssen mit einigen anderen Schülern aus der Straße die Linie 36 nehmen, die auch von der bestreikten DB-Tochter Busverkehr Hessen (BVH) betrieben wird. Die Kinder fahren von der Röthestraße in Bergshausen zur Söhre-Schule, Lange Straße in Lohfelden. Sie ist berufstätig und hat Schwierigkeiten, die Kinder zur Schule zu bringen. „Wir bilden Fahrgemeinschaften, aber einer von uns Eltern kommt immer zu spät zur Arbeit – die Arbeitgeber sind natürlich nicht begeistert.“ Die versäumte Arbeitszeit müsse sie nacharbeiten. 

Seitens der Lehrer der Söhre-Schule treffe sie laut eigener Aussage teils auf Unverständnis. „Die Kinder laufen zum Teil in die Schule, anderthalb bis zwei Stunden lang, und werden von den Lehrern wegen Zuspätkommens angemeckert.“ Was sie am meisten stört: „Es gibt scheinbar keinen Notfallplan der BVH, keinerlei Hilfestellung.“ Den Streik an sich sehe sie neutral, aber man werde nicht über Linienausfälle informiert. Man hinge absolut in der Luft.

Arno Scheinost, Rektor der Söhre-Schule, nennt den Streik und seine Umstände „eine bedauerliche Situation.“ Die Schulpflicht bestehe aber auch trotz Streiks weiter. „Ich möchte aber nicht ausschließen, dass Schüler Zuhause bleiben. Wenn’s nicht geht, geht’s nicht.“ Die Schule habe einen guten Draht zu den Eltern. Im Einzelfall könnten Schüler tageweise entschuldigt werden, wenn die Eltern sich am Morgen meldeten. „Da können wir individuelle Lösungen finden.“ Arno Scheinost lobt das Engagement der Eltern. Denn: „Die Beförderung können wir nicht gewährleisten.“ Die Verantwortung dafür liege klar bei den Gewerkschaften und dem Beförderer BVH.

Olaf Schüssler

Auch in Baunatal-Großenritte sind Familien mit schulpflichtigen Kindern vom Streik betroffen. Am Dienstag fuhr sein Sohn mit dem Bus zur Langenbergschule, am Mittag sei aber kein Bus gekommen, um die Kinder abzuholen, sagt ein Vater. Niemand habe etwas gewusst. Schließlich habe die Schule angerufen und er holte seinen Sohn ab. „Natürlich gibt es das Recht zu streiken, aber ich weiß nicht, ob es Sinn und Zweck ist, dass es sechsjährige Kinder trifft.“ Die gut vier Kilometer zur Schule könne sein Sohn nicht laufen.

„Ein Streik ist dazu da, um die Forderungen der Arbeitnehmer durchzusetzen“, sagt Olaf Schüssler, Gewerkschaftssekretär bei Verdi. „Das führt natürlich zu Verschiebungen, das ist nichts Ungewöhnliches.“ Es sei bedauerlich, dass man sich momentan nicht auf Busse verlassen könne. Aber: „Wir werden nicht von unseren Forderungen abweichen, bis die Arbeitgeber ein Angebot machen.“ BVH äußerte sich nicht auf HNA-Anfrage.

Aktuelle Informationen zu den Busstreiks gibt es hier.

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