Eltern klagen über fehlende Hortplätze für Schulkinder in Ihringshausen

Eltern klagen über fehlende Hortplätze

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Betreuung von Schulkindern in Ihringshausen: Ab Sommer 2013 fehlen Hortplätze. Bereits jetzt sind die Kinder in einem Containerbau unweit des Sportplatzes Triftstraße hinter eigens auf dem Gelände aufgebauten Spielgeräten untergebracht.

Fuldatal . Jörg Frodl bringt es auf einen einfachen wie erschreckenden Punkt: „Es geht um unsere Existenz.“ Und diese hängt für die Familie aus Ihringshausen an einem Betreuungsplatz für Tochter Sophie, wenn die Fünfjährige im Sommer 2014 eingeschult wird.

Angemeldet sei sie für den Hort im Ortsteil längst. Allerdings stehe Sophie auf der Warteliste lediglich auf Platz 13/14 sagt der Vater. Und nach derzeitigem Stand ohne Aussicht auf eine Betreuung. Gebe es keine Lösung, müssten er oder seine ebenfalls voll berufstätige Frau den Job aufgeben, „Teilzeit ist bei uns beiden nicht möglich“. An dem Doppelverdienst hängt aber auch das Haus, dass sich die junge Familie in Ihringshausen angeschafft hat.

Stehen auf der Warteliste: Julia Heise mit ihrem Sohn Sohn Hannes (6), der im Sommer in die Schule kommt.

Noch drängender ist das Hortproblem für Julia Heise. Ihr Sohn Hannes (6) kommt in diesem Sommer in die Schule. Wie Sophie geht auch Hannes derzeit in den Kindergarten Weddel mit seinen Betreuungszeiten von 7 bis 17.30 Uhr. Diesen Spielraum am Nachmittag braucht die 27-Jährige auch. Sie arbeitet bis 15 Uhr als Büroangestellte in Fuldabrück und muss dann mit Bus und Bahn zum Weddel, um Hannes abzuholen.

Eigentlich, meint Julia Heise, „müsste die Gemeinde wissen, wie viele Kinder Vollzeit im Kindergarten angemeldet sind. Diese Eltern haben auch einen Bedarf an Hortbetreuung.“ Das habe sie auch Bürgermeister Karsten Schreiber erklärt, bei dem sie mit anderen betroffenen Eltern mehrfach war. Und auch, dass sie mit ihrem Lebensgefährten nach der Geburt von Hannes extra von Kassel nach Ihringshausen gezogen sei. Schließlich habe die Gemeinde mit ihrer Familienfreundlichkeit geworben. „Und eigentlich ist hier in Ihringshausen auch alles vorhanden.“ Bis auf ausreichende Hortplätze.

Brauchen ab 2014 einen Hortplatz: Jörg Frodl mit Tochter Sophie vor dem Kindergarten Weddel, in den das Kind noch geht.

Julia Heise und Jörg Frodl haben allerdings die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Jetzt sei es an den politisch Verantwortlichen, in Sachen Hort „eine Entscheidung für Kinder und junge Familien zu treffen“, betont Jörg Frodl.

Bürgermeister: Haben die moralische Verpflichtung

Elf Eltern seien bei ihm gewesen, um auf ihren Bedarf an Hortplätzen aufmerksam zu machen, sagt Bürgermeister Karsten Schreiber (CDU). Er sei sich des Problems bewusst. Dies beziehe sich auf Ihringshausen mit dem bestehenden Hort, aber auch auf Simmershausen und Rothwesten mit dem Verbund der beiden Grundschulen.

Es brächten viele Eltern aus Rothwesten ihre Kinder schon in den Kindergarten nach Simmershausen, weil der Nachwuchs anschließend dort in die Schule mit Nachmittagsbetreuung gehen soll.

„Hortbetreuung ist keine gesetzliche Aufgabe der Gemeinde, wir haben aber die moralische und soziale Verpflichtung“, betont der Bürgermeister. Schließlich habe man Baugebiete ausgewiesen und freue sich darüber, dass auf dem Hasenstock in Ihringshausen und auf der Bergbreite in Simmershausen junge Familien zuziehen. Diese kauften in Fuldatal auch immer mehr vorhandene Immobilien aus dem Bestand von älteren Vorbesitzern.

Jetzt müsse es darum gehen, bis Sommer für eine entsprechende Zahl von Hortplätzen zu sorgen. Die Verhandlungen liefen bereits mit der Kinder- und Jugendhilfe Calden als Betreiberin des Horts und dem Landkreis als Aufsichtsbehörde. Kurzfristig gehe es darum, die beiden Gruppen in dem provisorischen Containerbau zu vergrößern.

„Langfristig werden wir immer mehr Betreuung für Kinder brauchen.“ Schreiber geht von bis zu 100 Plätzen, etwa die Hälfte der Grundschüler aus. Bisher war der Bedarf mit 60 Plätze angegeben worden. Daher müsse man über neue Kooperationen von Schule, Hort, Elterninitiativen, Sportvereinen und Gemeinde nachdenken wie auch über die Pläne für einen neuen Hort.

„Wir haben eine Sonderbewilligung in die Wege geleitet“, sagt Gabriele Götte, Geschäftsführerin der Kinder- und Jugendhilfe. Danach würden die beiden bestehenden Hortgruppen von jeweils 20 auf 25 Kinder erhöht. „Eine Dauerlösung ist das aber auch aus pädagogischer Sicht nicht.“

Diese Regelung sei bis Ende des Jahres möglich, da beim Hort eine alte Verordnung gelte, bestätigt Kreissprecher Harald Kühlborn. Es sei denn, das neue Kinderförderungsgesetz des Landes sage was anderes. (mic)

Von Michael Schräer

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