CDU und SPD vermuten Autor beim politischen Gegner

"Tante Espede": Fiktive Vermisstenmeldung kursiert in Fuldatal

Verfasser unbekannt: Dieses Schreiben sorgt derzeit in Fuldatal für Ärger oder schmunzeln, je nach politischer Heimat.

Fuldatal. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Diese Redensart findet derzeit in Fuldatal ihre Bestätigung. Dort kursiert seit wenigen Tagen eine fiktive Vermisstenmeldung, die in der Folge der Bürgermeisterwahl ganz unterschiedliche Reaktionen nach sich zieht.

Seitens der CDU wird die Angelegenheit zwar offiziell zurückhaltend behandelt, das Schreiben aber als sachlich zutreffend angesehen und dem Verfasser durchaus Sinn für Humor attestiert. Ganz anders Teile der SPD, die entsetzt auf das Schreiben reagieren.

Denn um die Sozialdemokraten geht es in dem Text, dessen Verfasser - oder ist es eine Frau? - im Dunkeln bleibt. Er oder sie spricht aber im Namen aller Einwohner, heißt es doch „wir Fuldataler suchen verzweifelt unsere gute, alte Tante Espede!“

Diese sei früher kontakt- und entschlussfreudig gewesen „aber leider auch sehr eingebildet und ohne jegliche Selbstzweifel“. Inzwischen aber sei es so, „dass sie völlig orientierungslos durch die Gemeinde irrlichtert“. Konkret auf den Bürgermeisterwahlkampf bezieht sich der Verfasser, indem er der alten Tante Espede unterstellt, ihren Sohn (gemeint ist Kandidat Klaus Exner) „als Alleinerben eingesetzt und ihre treue, fleißige, kommunikative Tochter im Januar 2012 enterbt“ zu haben. Dies bezieht sich auf Stefanie Roß-Stabernack, die bei der Kandidatenkür auf einer Mitgliederversammlung der Fuldataler SPD im Januar gegen Exner unterlegen war.

Gaby Künzer

Am Ende steht eine Aufforderung des Autors an den Leser. Sollte dieser „unsere alteTante (Kleidung: verblasstes Rot) irgendwo entdecken, dann verständigen sie bitte den Rettungsdienst im Willy-Brandt-Haus in Berlin.“

Kommt der Verfasser aus den Reihen der CDU, die mit Karsten Schreiber den Sieger der Bürgermeisterwahl stellt, um sich über den Verlierer lustig zu machen? Dies bestreitet Vorsitzender Werner Persch: „Wir wollen niemandem auf den Fuß treten.“ Das Schreiben sei ihm anonym zugespielt worden, er habe es während der Mitgliederversammlung am Dienstag weitergegeben.

Nach Meinung von Persch weist die fiktive Vermisstenmeldung durchaus auf die derzeitige Situation der Fuldataler SPD hin. Der hohe Stimmenzuspruch für CDU-Mann Schreiber sei auch durch sozialdemokratische Protestwähler zustande gekommen. Daher vermutet Persch den Verfasser bei der SPD.

Werner Persch

„Aus unserer Partei hat das niemand geschrieben, dafürlege ich meine Hand ins Feuer“,sagt SPD-Vorsitzende Gaby Künzer. Das Werk ist ihrer Auffassung nach „unterste Schublade, ich bin entsetzt“. Nach der Wahlschlappe werde damit auf die SPD draufgehauen.

Das Papier könne nur jemand mit Schadenfreude verfasst haben. „Das kommt woanders her. Zu einer Verbesserung des politischen Klimas trägt das nicht bei“, betont Künzer. Am Freitag dürfte die Suche nach der „guten alten Tante Espede“ Thema auf der SPD-Mitgliederversammlung in Fuldatal sein.

Von Michael Schräer

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