Nach 16 Jahren ist es vorbei

Fuldatal: Förderverein Reinhardswaldschule hat sich aufgelöst

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Sehen die Enwicklung am Standort Reinhardswaldschule kritisch: Marianne Huttel (von links), arbeitete bis September 2015 als pädagogische Leiterin an der Reinhardswaldschule, Leiterin der Tagungsorganisation Ayten Costa,und Fuldatals ehemalige Bürgermeisterin Anne Werderich. 

Fuldatal. Es ist ein letzter Akt des Protests – der Förderverein Reinhardswaldschule hat sich am Donnerstagabend nach 16 Jahren aufgelöst.

Seit dem Jahr 2002 hatten seine Mitglieder für den Erhalt der inhaltlichen Lehrerfortbildung in Hessen an der Reinhardswaldschule (RWS) in Simmershausen gekämpft und am Ende doch verloren.

Der Förderverein könne die RWS als reines Tagungshotel nicht unterstützen, heißt es. Das sei nicht mit der Vereinssatzung zu vereinen, erklären Anne Werderich und Marianne Huttel. Zum einen gebe es kein inhaltliches pädagogisches Nutzungskonzept, obwohl der Verein ein solches vorgelegt hatte, zum anderen werde die Attraktivität und Auslastung der Einrichtung durch die Einschränkungen seitens des Hessischen Kultusministeriums deutlich geschwächt, weil die RWS nur von staatlichen Institutionen gebucht werden könne.

Das Land Hessen habe die Weiterbildung von Lehrern seit dem Jahr 2002 deutlich reduziert und die verbliebenen pädagogischen Stellen sukzessive nach Südhessen verlegt. „Mittlerweile gibt es an der RWS einen enormen Sanierungsstau, zweieinhalb der zehn denkmalgeschützten Gebäude können nicht mehr genutzt werden“, sagt die Leiterin der Tagungsorganisation Ayten Costa, die seit 31 Jahren an der RWS arbeitet. Viele Räume stünden leer oder würden für interne Fortbildungen und die Ausbildungen der Oberen Finanzdirektion genutzt. Insgesamt sei das Angebot für Lehrer deutlich geschrumpft. Früher habe es in der Regel einwöchige Fortbildungen gegeben. Heute dauerten Veranstaltungen höchstens zwei bis drei Tage. Die Reinhardswaldschule ist Eigentum des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen (LBIH). „Die LBIH investiert nicht, weil die Schließungsabsicht wie ein Schwert über unseren Köpfen schwingt“, erklärt Costa das Dilemma. Bedingt durch diesen Sanierungsstau könne man indes nicht kostendeckend arbeiten.

AchimAlbrecht

Harsche Kritik an der hessischen Lehrerfortbildung übt Achim Albrecht, der sich ebenfalls für die RWS eingesetzt hatte: „Es gibt für Lehrer keine Möglichkeit mehr, sich fachbezogen fortzubilden“, sagt der Lehrbeauftragte für Didaktik der Politischen Bildung an der Kasseler Uni.

Fortbildungsangebote gebe es nur noch für Deutsch als Fremdsprache (DaF), Inklusion und für den Bereich Schulleitung. „Das Angbot wurde aufs Nötigste reduziert. Es werden Millionen gespart.“ Dabei gebe es enormen Bedarf. Besonders in den Fächern Deutsch, Geschichte, Erdkunde und Sozialkunde würden tausende fachfremde Lehrer an hessischen Schulen unterrichten.

„Wir haben den Verein gegründet, weil wir überzeugt sind, dass anspruchsvolle Weiterbildung Orte braucht, an denen konzeptionell für eine wirksame Fort- und Weiterbildung durch Experten der Erwachsenenbildung und der schulischen Pädagogik gearbeitet wird.“ 

Das sagt das Kultusministerium 

„Das Fortbildungssangebot konzentriert sich auf Themen, die der Bedarfslage sehr vieler Schulen entsprechen, aktuelle Veränderungen in der Lebens- und Berufswelt der Schüler aufgreifen und sich an wichtigen bildungspolitischen Themen orientieren“, sagt Stefan Löwer, Pressesprecher des Hessischen Kultusministeriums. Die Prioritäten liegen in den Bereichen 

  • Lesen, Schreiben, Rechnen, 
  • Medienbildung, 
  • Sonderpädagogische Förderung und Inklusion, 
  • Integration von Schülern nicht-deutscher Herkunftssprache, 
  • Berufs- und Studienorientierung, 
  • Ganztagsschulen.

Darüber hinaus gebe es Fortbildungsangebote für die gymnasiale Oberstufe zu den Fächern Deutsch, Englisch, Französisch, Geschichte, Politik und Wirtschaft, Mathematik und Biologie. Um fachfremden Unterrichtzu vermeiden, gibt es laut Ministeriumssprecher darüber hinaus ein umfangreiches Weiterbildungsangebot der Lehrkräfteakademie. Hier werde gezielt eine ergänzende wissenschaftliche Weiterbildung in Mangelfächern angeboten. Die zentralen Angebote der Lehrkräfteakademie würden ergänzt durch regionale Angebote der Staatlichen Schulämter. Hier gebe es beispielsweise flächendeckend Unterrichtsentwicklungsberater für die Fächer Deutsch, Mathematik und moderne Fremdsprachen, die die Schulen und ihnen Fortbildungsangebote unterbreiten. 

Darüber hinaus könnten Schulen (die alle ein eigenes Budget für Fortbildung haben) weitere Schwerpunkte setzen, die für die Förderung ihrer Schüler wichtig sind. „Zur Vermeidung unnötiger Reisezeiten und -kosten bemühen wir uns, vor allem eintägige Fortbildungsangebote möglichst regional anzubieten“, erklärt Löwer. Mehrtägige Angebotewürden jedoch regelmäßig in den Tagungsstätten Weilburg und der Reinhardswaldschule stattfinden. 

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