100.000 Euro pro Jahr: 26 Brücken lasten schwer auf der Gemeinde Fuldatal

Verbinden Fuldatal mit Kassel und der Welt: Die Kragenhofer Brücke mit einer Länge von 249,6 Metern, verbindet die ICE-Strecke Hannover-Würzburg über die Fulda. Oben rechts ist die Fußgängerbrücke Mühlbach-Promenade in Wilhelmshausen zu sehen, seit 2016 Teil des Radwegs R1. Darunter zu sehen ist die Radwegebrücke Espemündung an der B3 im Schocketal bei Ihringshausen. Fotos: F Herzog (1)/ Kirk (2) / Dilling (1)

Fuldatal. Die Gemeinde Fuldatal hat viele Brücken, 26 an der Zahl. Darunter sind so malerische Bauwerke wie die Sandsteingewölbebrücke über die Espe in Simmershausen.

Sie ist schon über 143 Jahre alt. Doch die hohe Zahl von größeren und kleineren Brücken in den Ortsteilen hängt wie ein Damoklesschwert über der Gemeinde, und zwar ein finanzielles. Denn der Sanierungsbedarf der Bauwerke ist in vielen Fällen unbekannt, bei ihnen fehlen Unterlagen über Konstruktion, Statik und Tragfähigkeit. Daneben ist bei einigen nicht klar, ob die Gemeinde überhaupt Eigentümer des Bauwerks und damit instandhaltungspflichtig ist.

Brücken als Kostenrisiko: Diese Sandsteinbrücke über die Espe in Simmershausen wurde bereits 1873 errichtet. Der Ortsteil hat mit elf Bauwerken die mit Abstand größte Zahl von Brücken in Fuldatal.

Die Gemeindeverwaltung hat ein Bestandsverzeichnis der Brücken, Mauern und Wasserdurchlässe auf dem Gemeindegebiet angelegt. Die Brücken werden alle drei Jahre einer Sichtprüfung unterzogen, alle sechs Jahre steht eine große Kontrolle an. Letztere war laut Bürgermeister Karsten Schreiber bei 19 Brücken bisher gar nicht möglich, weil es für sie kein sogenanntes Bauwerksbuch gibt, in dem alle relevanten Daten erfasst sind.

Sieben Brücken seien bisher überhaupt noch nie geprüft worden, sagt der Verwaltungschef. Das soll nun baldmöglichst nachgeholt werden. Aktuell stünden 14 Hauptprüfungen an. „Zustand mittelprächtig, teilweise unbekannt“, lautet das vorläufige Fazit Schreibers. Vorsichtshalber legt die Gemeinde jedes Jahr 100.000 Euro für die Brücken zurück.

Teuer: Erstellung der Bauwerksbücher

Allein die nachträgliche Erstellung der Bauwerksbücher für die 19 Brücken, deren Daten unbekannt sind, wird ein teurer Spaß. Ein Gutachter muss das Buch erstellen. Die Kosten können jeweils leicht einen hohen vierstelligen Betrag erreichen. Wenn dann herauskommen sollte, dass die eine oder andere Brücke repariert werden muss, taucht ein weiteres Problem auf. Denn bei einigen Bauwerken ist nicht klar, ob die Gemeinde überhaupt zuständig ist. Das gilt laut dem Bestandsverzeichnis unter anderem für die Brücke an der Kläranlage Ihringshausen, die Holzbrücke über den Rehgraben in Simmershausen oder die Stahlträgerbrücke an der Osterbachstraße in Knickhagen.

Die Verwaltungsmitarbeiter haben bei der Erstellung des Verzeichnisses noch eine weitere Ungereimtheit entdeckt: Im Zuge der Errichtung der ICE-Schnelltrasse Kassel-Hannover, die 1991 in Betrieb ging, hatte die Bahn im Bereich des Bahnhofs Ihringshausen die Unterhaltungspflicht für die neuen Brückenbauwerke über die Gleise gegen einen Ablösesumme auf die Gemeinde Fuldatal übertragen. Möglicherweise war das ein schlechtes Geschäft für Fuldatal. Bei einer Kontrolle habe man festgestellt, dass es dort Brücken gibt, die gar nicht in den Verträgen auftauchen und somit auch nicht vergütet wurden, sagt Schreiber.

Die meisten Brücken gibt es in Simmershausen

Zur Zeit befinden sich 26 Brücken im Eigentum der Gemeinde Fuldatal. Deshalb ist sie für die Unterhaltung, den Ausbau und die Instandsetzungen verantwortlich. Hinzu kommen noch zahlreiche, über die Ortschaften verteilte Gewässerdurchlässe und Stützmauern. „Hauptort“ der Brücken ist Simmershausen. Dort gibt es elf Bauwerke, die sich zumeist am Laufe der Espe befinden. Darunter auch die älteste der Gemeinde, die 1873 errichtete Sandsteinbrücke in der Bergstraße. Längstes Exemplar ist die Ihringshäuser Fußgängerbrücke in der Kahnstraße mit 87,8 Metern. Die neuste Brücke steht in Wilhelmshausen an der Mühlbach-Promenade entlang der Fulda und ist nur für Fußgänger und Radfahrer zugänglich. Sie ist ein Neubau aus dem Jahr 2016. Wegen der Substanz und Langlebigkeit sind die meisten der Brücken aus Beton (14) oder Metall (3) gefertigt. Die restlichen Bauten bestehen aus Stein, Holz, Aluminium oder sind Mischkonstruktionen. Zwei Fußgängerbrücken sind auf Grund von Mängeln zur Zeit gesperrt. (rax)

Die Brücken in Fuldatal

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