Keine gesetzliche Regelung

Ärger über den Gestank von Gülle im Kreis Kassel

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Sorgt immer wieder für Ärger: Sobald Bauern Gülle auf ihre Felder aufbringen, regen sich Anwohner über den strengen Geruch auf. Vor allem, wenn Wohnhäuser nah an den betreffenden Äckern liegen. Es gibt aber kein Gesetz, das einen Minimalabstand regelt. Unser Bild aus dem Schwalm-Eder-Kreis zeigt einen Landwirt beim Aufbringen der Gülle mit einem Breitverteiler. Laut Düngeverordnung muss die Gülle bei diesem Verfahren innerhalb von vier Stunden in den Boden eingearbeitet werden.

Kreis Kassel. Der Frühling bringt nicht nur Sonne und frisches Grün, sondern auch Ärger. Denn wenn im Frühling Äcker mit Gülle gedüngt werden, gibt es im Kreis Kassel Beschwerden wegen des Gestanks.

Aber was darf ein Landwirt und was nicht? Heinrich Berge lebt am Ortsrand von Wilhelmshausen. Keine fünf Meter von seinem Haus entfernt beginnt der Acker des Nachbargrundstücks, auf dem seit Anfang April wieder Gülle aufgebracht wird. „Das Fenster im Schlafzimmer kann ich dann nachts gar nicht mehr aufmachen“, sagt Berge. Der Gestank ist für den Rentner unerträglich. „Es muss doch ein Gesetz geben, wie viele Meter von einem Wohnhaus entfernt Gülle aufgebracht werden darf“, sagt Berge.

Kein Gesetz für Minimalabstand beim Düngen mit Gülle

Doch ein derartiges Gesetz gibt es nicht. Die neue Düngeverordnung, die seit Juni 2017 gilt, schränkt ausschließlich ein, wann und wie viel Gülle von den Landwirten auf ihrem Ackerland ausgebracht werden darf. „Wir weisen Landwirte aber darauf hin, äußerst sensibel mit organischem Dünger umzugehen. Eine rechtliche Handhabe gibt es nicht“, sagt Dirk Wiegartz von der Agrarförderung des Landkreises Kassel.

Wünscht sich eine Lösung: Heinrich Berge lebt am Ortsrand von Wilhelmshausen. Der Gestank von Gülle, den er momentan abkriegt empfindet er als unerträglich.

Das bestätigt auch Stefanie Wittich vom Kreisbauernverband. „Wir können bei Anwohnern nur um Verständnis werben“, sagt Wittich. Denn das Aufbringen der Gülle diene auch der Produktion von Lebensmitteln. Zudem müsse der Landwirt ständig dokumentieren, was er in welcher Menge auf sein Land bringe. „Und das wird auch alles von den Behörden kontrolliert.“ So darf ein Landwirt nur 170 Kilo Stickstoff pro Jahr und Hektar Land aufbringen. 

Von Vorteil sei, wenn Landwirte Biogasanlagen hätten, denn dann würde die Gülle nicht mehr so stark riechen und die Nährstoffe seien auch für die Pflanzen besser verfügbar. Zur Vorbereitung der Aussaat gäbe es zudem Einarbeitungsfristen, sagt Stefanie Wittich. Innerhalb von vier Stunden nach Aufbringung des Düngers müsse dieser in die Erde eingearbeitet sein. So geht auch der Chef des Lindenhofs Stefan Lind vor. Er hat eine Biogas-Anlage auf seinem Hof in Holzhausen. Zudem betreibt er Ackerbau und hält Milchkühe. Er hat mehrere Felder in Fuldatal gepachtet, darunter auch die Fläche in Wilhelmshausen, die an Heinrich Berges Grundstück angrenzt.

Immer wieder Beschwerden wegen Gülle-Geruch

Das Gülle-Problem sei gar nicht akut, sagt Lind, denn in der Regel würde nur ein Mal im Jahr – maximal zwei Mal – Gülle auf die Felder aufgebracht. „Die Gülle wird dann auch direkt eingearbeitet“, sagt der 32-Jährige. Zudem arbeitet er mit einem Schleppschuhverteiler. „Das ist die bodennächste Ausbringungsmöglichkeit“, sagt Lind. Das koste zwar einen Haufen Geld, „aber wir versuchen alles, um Geruch zu dezimieren.“

Das Video gehört nicht zur HNA, sondern zur Plattform Glomex.

Trotzdem: Immer wieder gibt es von Anwohnern Beschwerden über Geruch, nachdem Gülle auf die Felder ausgebracht wird. „Nachfragen haben wir aus allen Ortsteilen“, sagt Heike Möller, Leiterin des Ordnungsamts in Fuldatal. Das läge auch daran, dass Fuldatal noch eine sehr dörfliche Struktur und größere Landwirtschaft habe. „Beschwerden gibt es aber nur sehr vereinzelt.“ Solange die Landwirte nicht gegen die Sperrfrist verstoßen würden, gäbe es auch keinen Grund für die Gemeinde, zu handeln. „Wir sehen unsere Aufgabe darin, zu beraten und den Bürgern zu erklären, was der Landwirt darf und was nicht“, sagt Möller.

Geruch gehöre auf dem Land eben dazu, sagt auch Fuldatals Bürgermeister Karsten Schreiber. „Bei Wiesen, Feldern und Äckern stinkt und staubt es auch mal.“ Am Tag der Düngung müsse man die Fenster geschlossen halten, sagt auch Heike Möller. „Das geht nun mal nicht anders.“

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