Serie: Handwerkliche Berufe

Azubi Benjamin Scholl backt in Fuldatal, wenn noch alle schlafen

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Formt den Hefeteig mit geübten Handgriffen: Bäcker-Lehrling Benjamin Scholl aus Wolfsanger steht schon um 4 Uhr nachts in der Backstube der Fuldataler Vollkornbäckerei Wiedemann. 

Fuldatal. Schon als Kind hat Benjamin Scholl seiner Mutter fleißig beim Kuchen backen und Plätzchen ausstechen geholfen. Dass er später einmal einen Beruf ausüben möchte, bei dem er ordentlich anpacken muss, war für den heute 20-Jährigen aus Wolfsanger früh klar.

„Ich war noch nie ein Büro-Mensch“, sagt der junge Bäcker-Lehrling, der sich vor drei Jahren für eine Ausbildung bei der Vollkornbäckerei Wiedemann in Fuldatal entschieden hat.

Und dort hat er wirklich jeden Tag alle Hände voll zu tun. Teig kneten, Plunderteilchen formen, Brot backen – Benjamin läuft auf Hochtouren, wenn alle seine Freunde noch selig schlafen. „Der Schlafrhythmus war am Anfang schon gewöhnungsbedürftig“, sagt der 20-Jährige. 

Jeden Morgen muss er um 3 Uhr aufstehen, um eine Stunde später in der Backstube frische Brötchen herzustellen. Seine Freunde können sich ein solches Leben nicht vorstellen. „Wenn ich ihnen dann aber etwas Leckeres mitbringe, sind sie doch immer wieder begeistert“, sagt Benjamin und lacht. Er will seinen abwechslungsreichen Arbeitsalltag nicht mehr missen. „Ich durfte gleich am ersten Tag schon richtig mithelfen und Streuseltaler backen“, erinnert er sich.

Rund 150 Brote am Tag: Bäckermeister Jörg Wiedemann (rechts) arbeitet seit 33 Jahren in seinem Familienbetrieb.

Familienbetriebe müssen auf Regionalität setzen, um am Ball zu bleiben

Teamfähigkeit, Fleiß und Motivation seien die wichtigsten Fähigkeiten, die man als Bäcker-Azubi mitbringen müsse, sagt der Lehrling: „Die Kollegen zeigen einem die richtigen Techniken und Kniffe. Die braucht man auch – manchmal muss man in kürzester Zeit mal eben 30 Bleche mit Plunderteilchen füllen.“ Auch Schnelligkeit ist das A und O – pro Tag fertigen die Bäcker in Fuldatal rund 1500 Brötchen, 150 Brote und dazu noch sämtliches Gebäck, Torten und Kuchen.

Bäckermeister Jörg Wiedemann ist in seinem Familienbetrieb groß geworden: „Mit mir haben 35 Azubis ihre Bäcker-Lehre angefangen.“ Im Jahrgang von Benjamin Scholl sind es nur noch fünf. „Heutzutage ist die Auswahl viel größer. Um sich gegen die Vielzahl an Bäckereiketten durchzusetzen muss man als Familienbetrieb einerseits mit der Zeit gehen und andererseits noch mehr auf Regionalität setzen“, sagt Wiedemann, der nun seit 33 Jahren in der Backstube arbeitet. 

Der Kunde ist König: Vanessa Härting bedient an der Theke der Bäckerei Wiedemann.

„Es ist so wichtig, das traditionelle Handwerk zu bewahren. Egal was passiert, essen müssen die Menschen doch nun mal und das wird sich auch nicht ändern“, sagt Scholl. „Außerdem sieht man am Ende des Tages die vielen Produkte und weiß, was man geschafft hat.“ Gerade im Berufsalltag eines Bäckers dürfe man einen weiteren großen Vorteil nicht vergessen: Bei welchem Vollzeit-Job hat man schon mittags Feierabend?

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