Produktion nach Bio-Standard

Pollen zu Sirup: Biosparte von Gut Winterbüren betreibt Holunder-Anbau

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Ernte: Bernhard Schüssler (links) und Klaus Koch aus Rothwesten schneiden etwa 20 Prozent der Blüten eines Busches ab. Die Rentner aus Rothwesten helfen seit Jahren auf den Plantagen der Firma Bioprodukte Winterbüren.

Fuldatal. Sie leuchten hell in der Sonne und „sie riechen gut“, sagt Doris Till. Die 64-Jährige präsentiert eine Kiste mit Holunderblüten. Seit vielen Jahren helfe sie bei der Ernte, im Frühjahr die Blüten, im Herbst die Beeren „und es macht immer Spaß außer wenn es gar so heiß ist“, sagt Till.

Die Plantage mit den aufgereihten Büschen gehört der Firma Bioprodukte Winterbüren GbR. „Seit über 25 Jahren bauen wir schon Holunder an“, sagt Geschäftsführer Thomas Bouwman. Blüten und Beeren werden nach EU Bio-Siegel produziert. Und das auf fünf Flächen auf verschiedenen Höhenlagen von 250 bis 400 Metern. „Das reduziert das Risiko durch Hagel und Sturmschäden“.

Ende Mai begann die Ernte, drei Wochen früher als normal, sagt der Geschäftsführer. Auf tiefer liegenden Flächen im Bereich des Gutes Winterbüren in Rothwesten ist der Holunder schon verblüht, an diesem Tag, dem letzten der Ernte, werden die Blüten im Bereich des Gutes Waitzrodt geschnitten.

Dabei „geht es etwas hektisch zu“ beim Verantwortlichen und den zwölf Helfern, in der Mehrzahl Senioren aus Fuldatal und Espenau. Denn „die Blüten müssen frisch aufgeblüht sein und ausstauben, wenn man sie anfasst“, sagt Bouwman. Der Abnehmer in Süddeutschland möchte „eigentlich nur die Pollen haben“. Diese löse er mit einer speziellen Flüssigkeit, um den „hoch konzentrierten Holunderblütensirup“ zu erhalten.

Vom Busch – die Sorte kommt aus Österreich und heißt Haschberg – werden 20 Prozent der Blüten geerntet. Bouwman: „Das entlastet die Pflanze und fördert den Beerenansatz“. Am Ende des Tages kommen so 450 kg Blüten samt Stängel zusammen, die der Geschäftsführer Bouwman zwischendurch abwiegt, in Stapeln von jeweils acht Sammelkisten. Die Türme stellt er in einen Kühlhänger. Bei drei bis vier Grad bleibt die Ernte frisch. Am nächsten Morgen fährt Bouwman die Blüten zum Verarbeiter nach Tübingen.

„Ein bisschen mühsam ist es schon, bis man das Gewicht zusammenhat“, sagt Bernhard Schüssler (74). „Aber es haut schon hin“, ergänzt Klaus Koch (71). Beide Senioren sind schon lange dabei und arbeiten am Busch als Team.

Noch produziert und verkauft Bioprodukte Winterbüren Blüten und Beeren. Thomas Bouwman aber plant, „Holunderblütensirup in der Region auch selber zu vermarkten“. Vielleicht wird der Hugo (Sekt mit Holundersirup) dann auch in Nordhessen so beliebt wie in Süddeutschland.

Von Michael Schräer

Hintergrund: Wühlmaus ist Feind des Holunderbusches

Die Holunderbüsche von Winterbüren stehen auf insgesamt 13,6 Hektar (19 Fußballfelder). Haben die Pflanzen ihr Laub abgeworfen. werden sie beschnitten. Neue Büsche werden aus eigenen Stecklingen nachgezogen.

Der größte Feind des Holunderanbaus ist laut Thomas Bouwman die Wühlmaus. Nagt sie am Fuß der Pflanze die Rinde rundum ab, stirbt der Busch. Wühlmäuse könne man nur bekämpfen, indem der Boden rund um die Büsche ständig bearbeitet werde. Marienkäfer helfen gegen die Blattlaus.

Auf einem Hektar stehen 600 Büsche, diese liefern im Jahr 500 kg Blüten (samt Stängel) und im Herbst 5000 kg Beeren. Aus 25 kg Blüten können 300 Liter Konzentrat gewonnen werden.

Aus Holunder wird zum Beispiel Tee, Marmelade oder ein Aromagrundstoff für andere Lebensmittel. Beeren werden auch als Farbstoff genutzt. (mic)

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