Kreis stellt privatem Betreiber ein Ultimatum

Weitere Defizite in Fuldataler Asylbewerberunterkunft

Zahlreiche Mängel beim Brandschutz: In der Flüchtlingsunterkunft in Ihringshausen fehlen unter anderem die seit Jahresbeginn vorgeschriebenen Rauchmelder (kleines Foto), moniert der Kreis als Auftraggeber. Archivfotos: nh

Fuldatal. Das Asylbewerberheim in Fuldatal-Ihringshausen kommt nicht aus den Schlagzeilen. Der Hessische Flüchtlingsrat erhebt jetzt schwere Vorwürfe wegen erheblicher Defizite beim Brandschutz.

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In der heruntergekommenen Unterkunft, die im Auftrag des Landkreises Kassel von der Firma Human- Care GmbH (Bremen) betrieben wird, leben zurzeit 130 Flüchtlinge. Thomas Aleschewsky, Mitglied des Flüchtlingsrats aus Kassel, berichtet nach einem Ortstermin von unhaltbaren Zuständen. So seien die Räumlichkeiten nicht mit Rauchmeldern ausgestattet, obwohl diese in Hessen seit Jahresbeginn für Wohngebäude vorgeschrieben sind. Außerdem sind laut Aleschewsky Brandschutztüren defekt oder fehlen ganz. Sämtliche Feuerlöscher seien zu hoch angebracht, heißt es auf der Mängelliste von Aleschewsky, die der HNA vorliegt.

Er moniert zudem in die Jahre gekommene Sicherungskästen und verstellte Fluchtwege. So sei an einer Stelle ein Fluchtweg durch einen Metallspind teilweise verstellt.

Fazit des Flüchtlingsratsmitglieds: Wenn keine Mitarbneiter der Betreiberfirma oder der Kreisverwaltung vor Ort sind, seien die Asylsuchenden bei einem Brand „völlig auf sich allein gestellt“.

Beim Landkreis räumte man auf HNA-Anfrage die Brandschutzmängel grundsätzlich ein. Tatsächlich seien Fluchttüren verstellt oder geschlossen gewesen, sagte Verwaltungssprecher Harald Kühlborn. Er bestätigte auch, dass Rauchmelder im dem zweigeschossigen Gebäude fehlen.

Bei den Defiziten handele es sich um eine „Mischung aus baulichen Mängeln und Problemen bei der Aufsicht“. In diesem Frühjahr hätte laut Kühlborn die nächste routinemäßige Kontrolle des Brandschutzes in dem Gebäude angestanden.  

Archiv-Video

Doch die alle fünf Jahre stattfindende Inspektion wurde jetzt vorgezogen. Ergebnis: Der Kreis hat der Betreiberfirma aus Bremen ein Ultimatum gestellt. „Bis Ende dieser Woche müssen die Mängel beseitigt werden“, stellte der Kreissprecher klar. Mit der Frist zeige man der Human- Care GmbH „die gelbe Karte“. Wie berichtet, will der Landkreis den Vertrag über das umstrittene Flüchtlingsheim kündigen, sobald die neue Unterkunft in der früheren Fritz-Erler-Kaserne bei Rothwesten bezugsfertig ist.

Das sagt der Betreiber

Der Heimbetreiber Human-Care GmbH (Bremen) bestätigte am Donnerstagabend auf HNA-Anfrage schriftlich, dass bei einer Begehung durch einen Sachverständigen der Kreisverwaltung am vergangenen Dienstag Mängel bei der Brandschutztechnik beanstandet worden sind. Diese würden bis zum heutigen Freitag beseitigt.

„Wir versichern hiermit, dass ab Freitag erneut alle Rauchmelder in Fluren und Zimmern einsatzbereit sind, der Hausalarm und die Notleuchten repariert sowie neue Sirenen und Fluchtwegbeschilderungen installiert wurden“, heißt es in der Erklärung. Was aus dem Gebäude und dem Grundstück in Ihringshausen wird, wenn der Vertrag mit dem Landkreis gekündigt wird, werde gerade geprüft. „Sicher ist jedoch, dass wir dort keine Unterkunft mehr betreiben werden.“

Bilder aus dem Fuldataler Flüchtlingsheim

Von Peter Ketteritzsch

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