Zweieinhalb Jahre später Urteil

Brennholzschwund beim Stapeln: Fuldataler zog vor Gericht

Fuldatal. Ums Geld sei es ihm letztlich beim Gerichtsstreit mit einem Brennholzlieferanten nicht gegangen, betont Kurt Rheinheimer aus Ihringshausen.

Eher darum, andere Menschen zu sensibilisieren, die sich mit dem nachwachsenden Brennmaterial für den Winter eindecken.

Zweieinhalb Jahre nach einer vom heute 58-Jährigen bemängelten Lieferung eines Händlers aus Thüringen spracht das Amtsgericht Mühlhausen (Aktenzeichen 8C 793/12) dem Fuldataler eine Rückzahlung von 87,71 Euro plus Zinsen zu. Das Geld ging vor wenigen Tagen ein. Durch die Selbstbeteiligung an seiner Rechtsschutzversicherung habe er bei dem Streit finanziell sogar draufgelegt.

Worum ging es? Ende Januar 2012 sah Rheinheimer eine Zeitungsanzeige, in der Kaminholz zu 59 Euro pro Raummeter inklusive Anfahrt angeboten wurde. Das ist günstig, dachte der Ihringshäuser. Ein anderer Händler aus Kassel bot Brennholz mit 33 Zentimeter Schnittlänge zwar zu 58 Euro an, allerdings pro Schüttraummeter, also eine deutlich geringere Menge (siehe Hintergrund).

Aus Thüringen wurden wenige Tage später die bestellten sechs Raummeter in drei verschlossenen, sogenannten Bigpacks, also Transportsäcken aus Kunststoff, geliefert. Schon beim Aufschneiden der Säcke habe er gesehen, „dass das Holz reingeschüttet worden war, die Scheite lagen kreuz und quer“. Rheinheimer stapelte das Holz in einen eigens gebauten Lagerschuppen. Mit sechs Raummetern, die er bei Lieferung bar bezahlte, „hätte das Abteil voll sein müssen“. Statt fünf hintereinander gestapelten Lagen kamen nicht einmal drei zusammen, sagt der 58-Jährige. Als Beschwerden beim Händler nichts bewirkten, schaltete er einen Anwalt ein.

Vor Gericht musste Rheinheimers Lebensgefährtin bezeugen, dass von besagtem Holz noch nichts verbrannt worden war. „Das ging überhaupt nicht, das Brennholz war noch total nass und musste noch zwei, drei Jahre liegen“, sagt der Frührentner.

Als sich bei der Anhörung die beiden streitenden Parteien nicht einigen konnten, schaltete das Gericht einen Gutachter ein. In erster Expertise habe dieser vorgerechnet, dass in die Bigpacks 7,68 Schüttraummeter Holz passten und bei der Ermittlung eines Raummeters ein Luftanteil von 30 Prozent einzurechnen sei.

Unklar blieb, wie viel Holz tatsächlich geliefert wurde. Daher forderte das Gericht vom Gutachter eine ergänzende Stellungnahme. Darin ist von einer Minderlieferung von 0,7 Raummetern Ausgangsware Schichtholz die Rede. Nach Rheinheimers Berechnungen fehlen aber 2,4 Raummeter sauber gestapelte Brennholzscheite.

Von Michael Schräer

Hintergrund: Holz gestapelt und geschüttet

Holz wird in unterschiedlichen Einheiten angeboten. Die Grundeinheit ist ein Festmeter (FM), also ein Kubikmeter massives Stammholz. Ein Raummeter (RM) aufgestapeltes Scheitholz (ein Meter Kantenlänge) sind 0,7 Festmeter. Ein Raummeter gestapeltes Stückholz mit Scheiten, die in den Kaminofen passen, sind mit 0,85 Festmetern etwas mehr. Dieses Stückholz als Schüttraummeter angeboten, sind nur noch 0,5 Festmeter Holz. (mic)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.