Christa Beyer: Mit 65 im Herzen zehn

Eine Schicksalsgemeinschaft: Jürgen Waniek, Frank Poppenhäger, Wolfgang und Christa Beyer sowie Michael Koch und Franz Mayer (von links). Foto: Rogge-Richter

Fuldatal. Gelächter erklingt aus dem Restaurant Da Lillo in Ihringshausen. Die heitere Gesellschaft, die jetzt den Geburtstag der Frau in ihrer Mitte feiert, ist eine ganz besondere.

Keine Familie, sondern eine Schicksalsgemeinschaft. Das Schicksal von Christa Beyer aus Fuldatal hat die Arbeitskollegen Jürgen Waniek, 54, aus Vellmar, Franz Mayer, 52, aus Fuldatal, Michael Koch, 53, aus Lohfelden und Frank Poppenhäger, 60, aus Hessisch Lichtenau eng zusammengeschweißt.

Vor zehn Jahren, am 8. März 2005, retteten die vier Mitarbeiter des Transportgeräteherstellers Expresso Deutschland in Kassel-Waldau ihrer Kollegin Christa Beyer das Leben, als die damals 55-Jährige an ihrem Arbeitsplatz einen Herzstillstand erlitt. „Ich kann es noch immer nicht fassen, dass ich dieses Glück hatte und die vier mir so schnell geholfen haben“, sagt Christa Beyer heute mit Tränen in den Augen.

Durch 20-minütige Herzdruckmassage und Beatmung der vier Lebensretter begann das Herz von Christa Beyer erneut zu schlagen. Diesen besonderen Jahrestag feiern sie mit ihren Familien jedes Jahr. „Wir bringen Christa Beyer jedes Mal eine Überraschung mit - zu ihrem sechsten ‚Geburtstag‘ überreichten wir ihr eine Schultüte“, sagt Waniek mit einem Augenzwinkern.

Heute können Christa Beyer und ihre vier ehemaligen Kollegen gemeinsam lachen. Vor zehn Jahren rang die heutige Rentnerin und Großmutter von zwei Enkeln um ihr Leben. „Aus heiterem Himmel“ brach die damalige kaufmännische Angestellte zusammen, als sie ihrer Arbeit nachging. Herzbeschwerden hatte Christa Beyer zuvor nie gehabt, sie habe sich an jenem Morgen lediglich unwohl gefühlt.

Als sie ihre Kollegin schreien hörten, eilten Waniek, Mayer, Koch und Poppenhäger sofort zur Hilfe. Da sie regelmäßig an den Erste-Hilfe-Lehrgängen im Betrieb teilnahmen, wussten die vier, was zu tun war. Gemeinsam überbrückten sie die bangen Minuten, bis Notarzt und Rettungshubschrauber eintrafen, die Christa Beyer ins Krankenhaus brachten. Dank der sofortigen Hilfe durch ihre Kollegen und der anschließenden Pflege durch ihren Ehemann Wolfgang hat Christa Beyer den Herzstillstand ohne bleibende Schäden überstanden.

Dass das Unternehmen einen Defibrillator angeschafft hat, ist eine Folge der dramatischen Rettungsaktion. Eine weitere: „Wir genießen seitdem unser Leben viel mehr. Wir haben erkannt, dass viele Dinge, die wir zuvor für wichtig hielten, eigentlich überhaupt nicht wichtig waren“, sagt Wolfgang Beyer und seine Frau lächelt bestätigend.

Von Sarah Rogge-Richter

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