Soldat Georg Koch galt als vermisst

Nach 69 Jahren: Wie drei Brüder vom Schicksal ihres Vaters erfuhren

Wollen das Grab ihres Vaters in Polen besuchen: Die Brüder Günter Koch aus Gelsenkirchen (von links), Friedhelm und Karl-Heinz Koch (beide aus Ihringshausen). Fotos: Wienecke

Fuldatal. Vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge wurde dieser Tag bereits 1919 als Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkrieges vorgeschlagen. Am Sonntag wird zum Volkstrauertag wieder vermehrt an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen erinnert.

Das Gedenken der Brüder Koch aus Fuldatal und Gelsenkirchen an ihren vermissten Vater Georg Koch wird in diesem Jahr jedoch anders sein. „Wir haben nach 69 Jahren schließlich erfahren, was mit unserem Vater passiert ist“, sagt Friedrich-Wilhelm Koch aus Fuldatal-Ihringshausen, der Friedhelm genannt wird.

Aufgrund eines Hinweises aus der Bekanntschaft sprach sein Bruder Karl-Heinz Koch bei der „Deutschen Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht“ (WASt) in Berlin vor. Die Stelle arbeitet mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eng zusammen. Es kam heraus, dass seit Jahren bekannt ist, wo Georg Koch starb und wo er inzwischen ruht.

Familiensuche ausgeblieben 

„Der Obergefreite Koch (1914 bis Januar 1945) ist bereits 2003 umgebettet worden. Zwei Jahre später waren die Unterlagen bearbeitet und wurden an die Deutsche Dienststelle gegeben. Ein weiteres Jahr später wurde die Identität bestätigt“, berichtet Fritz Kirchmeier, Pressereferent der Bundesgeschäftsstelle des Volksbunds in Kassel. „Im Jahr 2006 hätte eine Recherche nach der Familie erfolgen müssen, was leider nicht passiert ist“, bedauert er.

Seit 1945 vermisst: Georg Koch (22.6.1914 bis Januar 1945).

„Wir haben uns immer gewünscht, dass unser Vater wiederkommt“, sagt Günter Koch aus Gelsenkirchen. Im Jahr 1935 hatte Georg Koch, der 1914 geboren wurde, seine erste Frau Liese-Lore geheiratet, 1936 wurde der Sohn Friedhelm und 1937 der Sohn Günter geboren. Die Ehe zerbrach und wurde geschieden. Die Söhne wurden dem Vater zugesprochen, aufgrund seiner Berufstätigkeit jedoch bei Verwandten und in Pflegefamilien untergebracht.

„Mein Vater hat 1942 dann meine Mutter Lieselotte in zweiter Ehe geheiratet. Sie war damals 19 Jahre alt“, berichtet Karl-Heinz Koch. „Im Mai 1944, als ich ein Jahr alt war, wurde mein Vater noch eingezogen“, sagt er. Schließlich galt er als vermisst.

„Endlich habt ihr Antwort.“ 

Lieselotte Koch ließ ihren Mann Georg 1949 für tot erklären, 1951 heiratete sie erneut. Sie ist verwitwet und lebt in Kassel im betreuten Wohnen.

„Endlich habt ihr Antwort, ich habe viel darüber nachgedacht“, sagte die 91-jährige Lieselotte Koch ihrem Sohn und ihren beiden Stiefsöhnen, als sie die Nachricht erhielt, dass ihr erster Ehemann in der Kriegsgräberstätte Siemianowice (Laurahütte) in der Nähe von Kattowitz beigesetzt worden ist. Auf einer der alphabetisch geordneten Stelen (Gedenktafeln) dort wurden der Name von Georg Koch, sein Geburtstag (22.6.1914) und sein Sterbemonat (Januar 1945) vermerkt.

Von Bettina Wienecke 

 

Abläufe bei Umbettungen

„Es lohnt sich, immer wieder nachzufragen. In Osteuropa werden immer noch jährlich mehr als 35 000 deutsche Kriegstote des Zweiten Weltkrieges exhumiert und umgebettet“, sagt Fritz Kirchmeier, Pressereferent der Bundesgeschäftsstelle des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Kassel, auf HNA-Anfrage.

„Im Normalfall werden für die Bearbeitung anschließend fünf Jahre benötigt“, erläutert er. Im Jahr 2003 wurden in Polen insgesamt 7408 Tote gefunden.

Gebeine von 61 Gefallenen, zu denen Georg Koch gehörte, wurden im Broszecin in der Nähe von Lodz geborgen. Sie wurden in Siemianowice (Laurahütte) in einem Gemeinschaftsgrab beerdigt. „Die Erkennungsmarken werden von der Deutschen Dienststelle (WASt, siehe Hintergrund) entschlüsselt“, erläutert Fritz Kirchmeier. So werde die Identität der Verstorbenen festgestellt. Allein in Siemianowice ruhen mehr als 31.800 Tote. (pbw)

 

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und WASt

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist eine humanitäre Organisation. Er widmet sich im Auftrag der Bundesregierung der Aufgabe, die Gräber der deutschen Kriegstoten im Ausland zu erfassen, zu erhalten und zu pflegen. Die Deutsche Dienststelle (WASt), bis 1951 die „Wehrmachtauskunftstelle für Kriegerverluste und Kriegsgefangene“, wird für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht als Behörde des Landes geführt. (pbw)

 

Kontakt und Infos:

• Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Bundesgeschäftsstelle Werner-Hilpert-Straße 2, Kassel, Tel. 0561/700-90, www.volksbund.de (mit Gräbersuche-Funktion)

• Deutsche Dienststelle (WASt), Eichborndamm 179, Berlin, Tel. 030/ 4 19 04-0, www.dd-wast.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.