Beute im Wert von 215.000 Euro verschwunden

Er stahl bei einem Einbruch Goldbarren: Dieb wird freigelassen

Kassel/Fuldatal. An eine vergleichbare Beute aus einem Wohnungseinbruch konnten sich am Dienstag vor dem Kasseler Landgericht weder Richter noch Ankläger noch Verteidiger erinnern:

Goldbarren und -münzen im Wert von sagenhaften 215.000 Euro waren einem 43-jährigen Mann aus Litauen bei einem Einbruch in Fuldatal im März 2016 in die Hände gefallen. Dafür war er vom Amtsgericht im September zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt worden. Dagegen hatte der Litauer Berufung eingelegt, die vor der 9. Strafkammer des Landgerichts verhandelt wurde.

Die Kammer wandelte das Urteil in eine Bewährungsstrafe um. Der Grund: Hatte der Angeklagte vor dem Amtsgericht noch geschwiegen, so gestand er jetzt den Einbruch, was sich strafmildernd auswirkte. Richter Liebermann ordnete eine Aufhebung des Haftbefehls an, der Litauer wurde nach einjähriger Untersuchungshaft in die Freiheit entlassen.

Die Tat hatte er nach Feststellung der Kammer gemeinsam mit einem unbekannt gebliebenem Komplizen begangen. Sie hatten die Terrassentür des Hauses in Fuldatal aufgehebelt und waren im Schreibtisch des Arbeitszimmers auf den „Goldschatz“ gestoßen, der einfach in einer Schublade lag.

Außerdem nahmen die Einbrecher 300 Euro Bargeld, eine Münzsammlung, mehrere Nikon-Fotoapparate für 1900 Euro, Schmuck für 1600 Euro und ein Apple-Laptop für rund 3000 Euro mit.

Diese Beutestücke wurden vier Wochen später bei einer Verkehrskontrolle in Meschede (Nordrhein Westfalen) nebst Einbruchswerkzeugen im Auto des Angeklagten sichergestellt. Das Gold hingegen blieb bis heute verschwunden.

Angaben zu seinem Komlizen konnte und wollte der Angeklagte nicht machen. Er kenne ihn nur flüchtig und fürchte außerdem Repressalien für seine Mutter in Litauen, wenn er aussage.

In seinem Plädoyer wertete auch Staatsanwalt Dr. Enrico Weigelt die fehlenden Vorstrafen des Angeklagten strafmildernd. Der Litauer habe ein „blütenreines Strafregister“, deshalb könne er trotz des außergewöhnlich hohen Stehlschadens einer Bewährungsstrafe „ohne Bauchschmerzen“ zustimmen, sagte Weigelt.

Er habe noch nie erlebt, dass jemand so hohe Werte relativ ungesichert zu Hause aufbewahre. Als Bewährungsauflage solle der Angeklagte 2500 Euro an den Verein Soziale Hilfe Kassel bezahlen.

Dies wurde auch von der Kammer so ausgeurteilt. Verteidiger Dr. Carsten Keil (Sauerland) hatte von einem „einmaligen Versagen“ seines Mandanten gesprochen, dessen 19-jährige Tochter in Berlin studiert und dessen geschiedene Ehefrau gestern im Gerichtssaal saß.

Richter Liebermann attestierte in seiner Urteilsbegründung dem Angeklagten, mit der Bewährungsstrafe „richtig Glück gehabt“ zu haben, denn der Schaden sei schon „verdammt hoch“.

Angesichts der zahlreichen Wohnungseinbrüche hätten viele Normalbürger sich sicherlich eine noch deutlich höhere Strafe als die zwei Jahre und vier Monate gewünscht, die das Amtsgericht ausgesprochen hatte.

Immerhin habe der Mann davon fast die Hälfte abgesessen, was einen nachhaltigen Einruck auf ihn gemacht habe.

Aber: „Beim nächsten Mal wird es so nicht ausgehen“, mahnte der Richter den Mann, der jetzt in seinem Heimat nach Litauen zurückkehren und bei seiner Mutter leben will.

Rubriklistenbild: © dpa

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