„Die können rennen wie die Teufel“

Flüchtlinge in Fuldatal kicken in der Halle der Bundespolizei

Tempo ist Herzenssache: Die Eritreer und Somalier schenken sich beim Spiel in der Halle nichts. Doch fast immer geht es zwar lautstark, aber sehr fair zu.

Fuldatal. Flüchtlinge in Fuldatal haben einmal pro Woche die Möglichkeit, in der Halle der Bundespolizei Fußball zu spielen. Rund zwei Dutzend junge Männer nutzen das Angebot.

Während Flüchtlinge auf die Entscheidung über ihren Asylantrag warten, ist ihnen jede Abwechslung in ihrem Alltag willkommen. Das gilt vor allem für alleinstehende junge Männer, die sich um keine Familie kümmern müssen. Fußball oder andere Sportangebote sind da eine Möglichkeit. Rund zwei Dutzend junge Flüchtlinge aus der Unterkunft in Ihringshausen kicken deshalb einmal pro Woche anderthalb Stunden in der Sporthalle der Bundespolizei.

Hartmut Kaldyk wartet mit Sporttasche und Fußball nachmittags vor dem Tor des Bundespolizeigeländes auf seine Schützlinge. Pünktlich um halb vier Uhr treffen die jungen Eritreer und Somalier ein. Sie begrüßen den 71-Jährigen mit Handschlag. Es wird gelacht und gefeixt. „Das sind alles nette Leute. An deutsche Pünktlichkeit habe ich sie auch schon gewöhnt“, sagt der ehrenamtliche Trainer.

Kaldyk, Sozialdemokrat im Fuldataler Gemeindevorstand, hat über ein halbes Jahrhundert Fußball und Handball im TSV Ihringshausen gespielt. Seinen guten Beziehungen zur Bundespolizei haben es die Flüchtlinge zu verdanken, dass sie in der sonst fast ausgebuchten Halle kicken dürfen.

Denn Kaldyk war früher zwölf Jahre beim Bundesgrenzschutz, dem Vorgänger der Bundespolizei. Als Bürgermeister Karsten Schreiber um Unterstützung für die Flüchtlinge bat, hat Kaldyk sein Trainingsangebot im Flüchtlingsheim ausgehängt.

In der Halle geht es laut zu, aber Fouls sind eine Seltenheit. Jedes Team feilscht um die besten Mitspieler. Kaldyk glättet die Wogen, auf englisch, deutsch oder mit Händen und Füßen. „Die können rennen wie die Teufel“, sagt der Rentner anerkennend.

Einige der Flüchtlinge, wie der Torwart Lul Daniel aus Eritrea würden gern im Verein spielen, wie das schon zwei Landsleute in Nieste und Wellerode tuen. „Aber die Trainingszeiten sind zu spät. Abends fährt dann kein Bus zurück zur Unterkunft“, sagt der 21-Jährige.

Ein anderer Eritreer, Taresse, macht auf ein weiteres Problem aufmerksam. „Wir brauchen Fußballschuhe und Trikots. Dafür haben wir aber kein Geld“, sagt er.

Tatsächlich spielen die Flüchtlinge in einfachen Turnschuhen. Viele haben zwar Trikots, allerdings keine gleichen. Polizeianwärter, die auch in dieser Halle trainieren, haben die meisten davon gespendet. Auch Kaldyk hat Kleidung besorgt. Einige Flüchtlinge würden auch gern Volleyball spielen, sagt er, aber dafür bekomme er keine Hallenzeiten.

Gelegenheit zur Talentsuche 

Vielleicht tragen die Fuldataler Vereine ja einmal ein Freundschaftsturnier mit den pfeilschnellen Kickern aus Afrika aus. Das wäre eine gute Gelegenheit zur Talentsuche. Fahrgelegenheiten für solch ein Turnier sollten sich finden lassen, meint Kaldyk.

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