Flüchtlingsunterkunft Fritz-Erler-Anlage braucht Helfer

Zufriedene Gesichter in der Gemeinschaftsunterkunft in Fuldatal-Rothwesten: Heidi Dornemann (links) und Angelika Daniel (rechts) kleiden Muhenned Samarci (13) neu ein. 

Fuldatal. Heidi Dornemann (65) und Angelika Daniel (60) haben eine Leidenschaft: Menschen helfen.

Die setzen sie regelmäßig in der Zweitaufnahme für Geflüchtete in Fuldatal-Rothwesten in viele Taten um. Dafür suchen sie weitere Helfer.

Zum Beispiel für die etwa 30 Quadratmeter große „Kleiderkammer“ der Einrichtung. Jeden Dienstag ab 14 Uhr versorgen die beiden Ehrenamtlichen von dort aus die 150 Menschen, die in der Einrichtung in der Fritz-Erler-Kaserne leben, mit den Dingen, die sie brauchen.

Das sind alle erdenklichen Kleidungsstücke wie Jacken, Pullis, T-shirts und Schuhe. Aber auch alles, was man benötigt, um einen Haushalt zu führen und Kinder groß zu ziehen: Vorhänge, Geschirr und Dekorationsartikel, aber auch Spielzeug und Kinderwagen. Das bringt die Helferinnen und die Familien nah zusammen. Daniel erzählt etwas wehmütig: „Wir gehören zum Teil schon zu den Familien dazu.“

Die Kinder strahlen, wenn sie in den Raum kommen, wie auch der 13-jährige Muhenned Samarci. Der gebürtige Iraker ist seit fast zwei Jahren in Deutschland und lebt seit einem Jahr in der Gemeinschaftsunterkunft in Fuldatal-Rothwesten. Der kesse Junge weiß recht genau, was ihm gefällt: ein gestreifter Pulli hat es ihm angetan. „Den möchte ich haben“, bittet er und kann ihn mitnehmen.

Um die Familien weiterhin gut zu versorgen, suchen Dornemann und Daniel Mitstreiter. „Man muss Spaß daran haben, mit Menschen zusammen zu arbeiten“, beschreibt Dornemann, was die Helfer mitbringen sollten. Und: „Es hilft, wenn man gern aufräumt und Klamotten zusammenlegt“, ergänzt die gelernte Kleidungsverkäuferin mit einem Schmunzeln.

Aber nicht nur für die Kleiderkammer werden Helfer gesucht: Auch in der Kinderbetreuung ist Not am Mann. 26 Kinder tollen jetzt schon durch die Einrichtung, acht Babies ziehen demnächst nach. Um die Eltern zu entlasten, spielt die 63-jährige Marion Linge aus Rothwesten einmal pro Woche mit Kindern verschiedener Altersklassen. Sie fahren gemeinsam Fahrrad, Basteln oder gehen Schwimmen. So auch mit den Geschwistern Rawan (5), Maya (10) und Jan Sheikh Mamed (3). Die drei sind erst seit zwei Wochen in Deutschland, nachdem ihr Vater bereits ein Jahr hier war. Obwohl sie bisher nur ein paar Brocken Deutsch sprechen, hat Marion Linge sie bereits ins Herz geschlossen. „Wir verständigen uns mit Händen und Füßen, das klappt wunderbar“, schwärmt Linge.

Reza Danesh Sararoodi, Leiter der Gemeinschaftsunterkunft, lobt seine Mitarbeiter: „Ohne unsere Ehrenamtlichen könnten wir vieles in unserer vollbelegten Einrichtung nicht umsetzen.“ Aktuell arbeiten drei Haupt- und zwanzig Ehrenamtliche in der Unterkunft. Für welche Bereiche noch Helfer gebraucht werden, steht unten

Noch Helfer für Zweitaufnahme gesucht

• Für die Kleiderkammer, dienstags ab 14 Uhr (Frau Dornemann, Telefon: 05607 / 1333) 

• Für die Kreativgruppe (basteln, nähen, etc.), 14-tägig dienstags ab 15 Uhr(Frau Ringeler-Leipholz, Telefon: 0561 /817912)

• Hausaufgabenhilfe, Nachhilfeunterricht, mittwochs ab 15 Uhr (Frau Werderich, Telefon: 0561 / 813900) 

• Für die Frauenarbeit, 14-tägig freitags ab 15 Uhr (Frau Ringeler-Leipholz, Telefon: 0561 / 817912) 

• Für den Spielenachmittag, freitags ab 15 Uhr (Frau Ackermann, Telefon: 05607 - 1447 / Frau Linge, Telefon: 05607 - 7654) 

• Für die Musikgruppe (neu) (Herr Schaeffer, Telefon: 0561 / 20271864) Bei neuen Ideen wenden Sie sich bitte an die Heimleitung: Frau Hennig, Telefon: 05607 / 2159784; Herr Asani, Telefon: 05607 / 2159783; Herr Danesh, Telefon: 05607 /2159975 (mgo)

Das braucht die Kleiderkammer

In der Kleiderkammer kann grundsätzlich jegliche Kleidung abgegeben werden, aber auch Haushaltsgegenstände. Das sollte man beachten: 

• Die Kleidung sollte sauber und tragbar sein 

• Kleidungsstücke sind am besten in Kartons oder Säcken abzugeben 

• Vor allem gesucht werden Herrenschuhe bis Schuhgröße 43 und Kleidungsstücke für junge, schlanke Männer und Frauen 

• Fahrräder werden übrigens auch genommen Wichtig: Die Kleiderkammer bittet um eine telefonische Absprache, bevor Dinge vorbeigebracht werden. 

Drei Fragen an Kreissprecher Harald Kühlborn

Ohne Ehrenamtliche geht in vielen Bereichen gar nichts. So ist es auch in der Flüchtlingshilfe. Wie Landkreissprecher Harald Kühlborn mitteilt, leben aktuell im Landkreis 1163 Flüchtlinge in 45 Einrichtungen. Dementsprechend werden dort weiterhin helfende Hände gesucht. Aber auch anderorts ist das der Fall.

Wo werden noch Helfer benötigt? 

Harald Kühlborn: Da immer mehr Flüchtlinge aus einer Gemeinschaftsunterkunft aus- und in eine eigene Wohnung ziehen, ändert sich der Bedarf an Unterstützung. In einer Gemeinschaftsunterkunft sind die hauptamtlichen Einrichtungsleitungen Ansprechpartner für alle relevanten Fragen – solche Ansprechpartner fehlen, wenn die Flüchtlinge in eine eigene Wohnung ziehen.

Was bedeutet das? 

Kühlborn: Wir haben einen verstärkten Bedarf an ehrenamtlichen Unterstützern, die Patenschaften für die in Wohnungen lebenden Flüchtlinge übernehmen.

Wie bewerten Sie die Arbeit der Ehrenamtlichen? 

Kühlborn: Der Landkreis ist sehr glücklich über das Engagement der ehrenamtlichen Unterstützer, die viele Bedarfe von Flüchtlingen abfangen und die Arbeit der Einrichtungsleitungen erleichtern. Es ist ein außerordentlicher Beweis für die Weltoffenheit und Solidarität der Menschen im Landkreis Kassel, dass sich so viele Ehrenamtler zum Teil bereits seit mehreren Jahren in der Flüchtlingsarbeit engagieren.

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