Neue werden bereits geschult

Fuldatal: Bisherige Schiedspersonen verabschieden sich

Geben das Amt der Schiedspersonen noch in diesem Jahr ab: Hartmut Kaldyk (links) und Hans Lange ...

Fuldatal. Irgendwann, sagt Hartmut Kaldyk, sei es auch mal genug: Der 71-Jährige verabschiedet sich in diesem Jahr als Fuldataler Schiedsperson, will die gewonnene Zeit seinen Enkeln widmen.

Dennoch: „Ein bisschen Wehmut schwingt mit“ - auch bei seinem Kollegen Hans Lange, der seit 15 Jahren erster Schiedsmann vor Ort ist, zuvor schon sechs Jahre als Stellvertreter fungierte.

Doch selbst, wenn Lange hätte weitermachen wollen: „Mit 75 Jahren ist Schluss, länger hätte ich gar nicht gedurft.“ Da er dieses Alter nun erreicht habe, hat sich ihm die Frage nach einer weiteren Amtszeit nicht gestellt - und so übergibt er das Amt an den 63-jährigen ehemaligen Polizisten Wolfhard Krönert, den stellvertretenden Posten von Kaldyk übernimmt die 49-jährige gelernte Krankenschwester Andrea Mitter. Beide haben sich aufgrund einer öffentlichen Ausschreibung für das Ehrenamt beworben.

Auf Krönert und Mitter kommen unterschiedliche Aufgaben zu, vor allem aber Nachbarschaftsstreitigkeiten: „Rasen mähen, ein zu naher Komposthaufen an der Grundstücksgrenze, ein herüberwachsender Ast - die Palette ist groß“, erzählt Kaldyk. Ein Disput darüber komme häufiger vor, als man denkt, sagt er: „Durch die Rechtsschutzversicherung, die viele Leute haben, ist das Anspruchsdenken ein anderes geworden.“ Und statt das Gespräch über den Zaun zu suchen, fange gleich ein Streit an.

... Danach sind Wolfhard Krönert und Andrea Mitter (kleines Bild) die neuen Ansprechpartner.   Fotos: Wüstefeld

Wolfhard Krönert reizt das. Er möchte wissen, „was sich hinter dem Ärger verbirgt, möchte Antworten, Entscheidungen“, wie er sagt. Seit seinem zwölften Lebensjahr wohnt er in Rothwesten, kennt vor allem den nördlichen Teil Fuldatals ganz gut. Genau wie seine zukünftige Kollegin Mitter, die seit einiger Zeit ebenfalls in Fuldatal lebt, liest er sich gerade in das Amt der Schiedsperson ein, nimmt an Lehrgängen teil.

Was beiden hilft: die Lebenserfahrung. „Ohne geht es nicht, man muss ein Gespür dafür entwickelt haben, was für einen Schlag Menschen man vor sich hat“, sagt Lange. So könne man einschätzen, ob man sich rantasten muss oder ob sich ein Machtwort lohnt.

Die Aussage „Also bis hierher und nicht weiter“ mit einem warnenden Tonfall würde schon manchmal helfen, erinnert sich Langes Kollege Kaldyk an die ein oder andere Situation und grinst verschmitzt.

Doch nicht immer ist es mit Reden getan: Können sich die Streithähne nicht einigen, wird ein Schlichtungstermin angesetzt, hilft der nicht, geht es weiter zum Gericht. „In der Regel können wir aber noch schlichten, bevor es zu einem Verfahren kommt“, sagt Kaldyk. Und hofft zusammen mit Lange, dass das bei seinen Nachfolgern so bleibt - und die Zahl der Fälle wie in den vergangenen Jahren sinkt.

Aufgaben der Schiedspersonen

Die Fachaufsicht für Schiedspersonen obliegt dem Amtsgericht, dort werden die bisherigen Schiedspersonen auch entlassen und die neuen ernannt. Die sächliche Aufsicht hingegen liegt bei der Gemeinde, die stellt einen Raum und Fachliteratur zur Verfügung und schickt die Schiedspersonen zu Lehrgängen.

Diese werden dann tätig, wenn es im privatrechtlichen Bereich zum Beispiel um Nachbarschaftsstreitereien geht. An sie wenden kann man sich aber auch, wenn es um strafrechtliche Belange geht: Beleidigungen und Körperverletzungen zählen dazu. Beide Schiedspersonen sind zur Verschwiegenheit verpflichtet, mussten zudem einen Eid leisten, unparteiisch tätig zu sein.

Urteile werden nicht gesprochen, vielmehr geht es um den Schlichtungsversuch. Sich streitende Parteien müssen diese aufsuchen, bevor sie mit einer Nachbarschaftsstreitigkeit vor Gericht ziehen wollen: Die Schiedspersonen müssen erst den erfolglosen Schlichtungsversuch bescheinigen, bevor eine Zivilklage bei Gericht eingereicht werden darf. Diese Reihenfolge gilt seit 2001. Wer die Hilfe von Schiedspersonen braucht, kann sich an das Fuldataler Ordnungsamt wenden.

Von Constanze Wüstefeld

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