Ahnenforschung

In Fuldatal heißen Familien häufig Ullrich und Krug

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Eine Ullrich-Familie von vielen in Fuldatal-Ihringshausen: Papa Walter mit Sohn Stefan und Frau Ilse. Sie ist eine geborene Krug und kommt aus Baunatal. Mit den ebenfalls häufig vertretenen Krugs in Fuldatal habe sie ihrem Wissen nach aber nichts zu tun.

Fuldatal. Vor 376 Jahre tauchte der Nachname Ullrich das erste Mal urkundlich in Ihringshausen auf: 1639 war ein Mann mit Namen Ullrich Bürgermeister des Ortes.

Jetzt, die Jahrtausendwende ist längst überschritten, leben immer noch Ullrichs in Ihringshausen, zum Beispiel Walter und Ilse mit Sohn Stefan.

Seit Jahren führt die Familie im Ort eine Gärtnerei. Ob sie vom 376 Jahre zuvor amtierenden Bürgermeister abstammen, wissen die drei nicht, hätten aber nichts dagegen. Allerdings räumen sie auch ein: „Hier im Ort gibt es viele Ullrichs, und mit keinem davon sind wir verwandt.“

Bei den anderen Nachnamen, die sich im Ort häufen, könnte das anders sein. Denn ebenso wie auf den Namen Ullrich hören in Fuldatal viele Familien auch auf die Namen Höhmann, Krug und Schade (alle in Ihringshausen), Seeger, Schweinsberg und Eberhardt in Simmershausen und Buhle in Wahnhausen.

Scherzhaft wird den Neuankömmlingen im Ort deshalb gesagt, rufe man einen der Namen, drehe sich mindestens eine Person um. „Die Trefferquote ist hoch“, heißt es bei der Gemeinde Fuldatal.

Warum sich gerade diese Familiennamen in den Fuldataler Ortsteilen häufen, ist nicht bekannt. Dass sie es tun, schon eher: „Früher hatte man viele Kinder“, sagt Gustav-Götz Eichbaum. „Die Jungs haben den Nachnamen weitergetragen, in der Regel sind die auch am Ort geblieben oder in die Nachbarschaft gezogen.“ Schon seit seiner Kindheit hat sich der 79-Jährige für Familienforschung interessiert, ist seit mehr als 20 Jahren Vorsitzender der Gesellschaft für Familienkunde in Kurhessen und Waldeck und kennt sich mit der Ahnenforschung aus.

Beim Namen Ullrich ist ihm sofort die Glockengießerfamilie aus Hersfeld eingefallen. Die hat wohl nichts mit Walter, Ilse und deren Sohn Stefan aus Ihringshausen zu tun, was laut Eichbaum nicht weiter verwunderlich sei: „Der Name Ullrich ist weit verbreitet.“ Zudem wurde früher nicht so viel Wert auf die Rechtschreibung gelegt, der Name wird mal mit einem und mal mit zwei „l“ geschrieben. Das erschwere die Ahnenforschung, unmöglich sei jedoch nichts.

„Wenn man einen Anhaltspunkt hat, wo ein Name herkommt, kann man in der dortigen Gemeinde in den Kirchenbüchern nachschauen“, empfiehlt Eichbaum. Die seien immer die erste Adresse, um sich über die eigene Familie zu informieren.

Weitgehend problemlos könne man bis zum Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) zurückgehen, dann werde es schwierig: „Die meisten Kirchenbücher sind während des Krieges zerstört worden“, sagt Eichbaum.

So weit zurück sind die Ullrichs in ihrer Ahnenforschung nicht gegangen, ihr Stammbaum reicht bis 1778 zurück. „Den hat mein Vater erstellt“, erzählt der 76-jährige Walter. „Ich werde dann meinen Sohn und die Enkelkinder eintragen.“ So können auch seine Nachfahren rekonstruieren, von wem sie eigentlich abstammen.

Von Constanze Wüstefeld

Hintergrund: Menschen haben Beinamen

Um die Familien mit den gleichen Nachnamen auseinanderhalten zu können, haben die einzelnen Personen Spitznamen bekommen. „Die wussten von denen aber nicht immer was“, erinnert sich Walter Ullrich, der mit seiner Frau Ilse und Sohn Stefan in Fuldatal-Ihringshausen eine Gärtnerei betreibt. So gab es Namen wie Bürgermeisters Willi oder bei Lieschens, der Beiname von Walters Großvater war Kleinmetzgers: „Das kam daher, dass er eine Hausschlachterei hatte und klein war.“ Hätte man den Namen Ullrich verwendet, wäre nicht klar gewesen, wer von den vielen Ullrichs eigentlich gemeint sei, erklärt der Senior. Denn die Familien hatten oft nicht nur den Namen gemein, sondern auch den Beruf, zudem lagen die Betriebe oft nebeneinander. Diese Beinamen seien aber am Aussterben.

www.verwandt.de - Auf dieser Seite kann man seinen Nachnamen eingeben und erfährt, in welcher Region Deutschlands dieser am häufigsten auftritt. Gezählt werden allerdings nur die Namen, die auch im Telefonbuch stehen.

Ahnenforschung.net- Auf dieser Seite gibt es Tipps für Einsteiger, die sich bislang noch nicht mit der Ahnenforschung beschäftigt haben.

Und noch was für Computerbegeisterte: Unter
wiki-de.genealogy.netwird Ahnenforschung im Netz betrieben.

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