Fuldatal: Ex-Uni-Professoren geben Asylbewerbern Unterricht

Haben Spaß im Deutschkurs: Prof. Dr. Horst Heinemann (von links) geht mit Zayd Mekqi, Leteab Afewerki, Mengistu Ephrem und Davit Zewdu Woldu (alle aus Eritrea) in einem Raum der evangelischen Kirche in Ihringshausen Vokabeln durch. Die Teilnehmer sind aus der Heimat andere Temperaturen gewöhnt, auch im geheizten Raum behalten sie ihre dicken Jacken an. Foto: Schräer

Fuldatal. Schnitzel und Kartoffelpüree sind ganz schwierige Worte für Efrem Gezai aus Eritrea. Das „Sch" und Umlaute seien für Menschen aus Ostafrika nur schwer auszusprechen, sagt Prof. Dr. Manfred Raupach.

Mit seinem gleichaltrigen Freund Prof. Dr. Horst Heinemann gibt der 73-Jährige Sprachkurse für Asylbewerber aus der Unterkunft in Ihringshausen-West.

Montags, mittwochs und freitags trifft man sich jeweils eine Stunde in den Räumen der evangelischen beziehungsweise katholischen Kirche in Ihringshausen. Bis zu 25 Personen im Alter von 18 bis 40 Jahren unterrichten die beiden Männer. Die Mehrzahl der Teilnehmer seien Christen aus Eritrea, bei denen es keine Trennung zwischen Männern und Frauen gebe. Aber auch Äthiopier, Somalier und Syrer kommen zum Unterricht.

Schwierigkeiten gebe es mit der deutschen Sprache, aber nicht untereinander, betont Heinemann. In den Kursen hätten sie nur mit netten und „total lernwilligen Menschen“ zu tun, ergänzt Raupach. Die entsprächen so gar nicht dem Eindruck, der durch Berichte über den schlechten Zustand der Einrichtung entstanden sei.

Romanist Raupach, der an der Uni Kassel 1994 das Sprachenzentrum gründete und bis 2000 leitete, sowie der Religionspädagoge Heinemann haben ihre „Schüler“ in Anfänger und Fortgeschrittene aufgeteilt. Wobei Fortgeschrittene jene sind, die im Lernstoff etwas weiter sind beziehungsweise jene, die etwas Englisch beherrschen und somit bei den Vokabeln und Aufgaben vermitteln können.

Davit Zewdu Woldu aus Eritrea hat diese Rolle in der Anfängergruppe von Horst Heinemann. Dort heißt an diesem Tag das erste Thema Arztbesuch. Der 73-Jährige verteilt Unterrichtszettel mit Begriffen und kurzen Sätzen in Deutsch und englischer Übersetzung. Der Schmerz, der Husten, Blutdruck, Brust, „was fehlt Ihnen denn?“... all dies wird vorgelesen, nachgesprochen und von den Teilnehmern in ihrer Landessprache notiert.

Fortgeschrittene: Prof. Dr. Manfred Raupach (Mitte) unterrichtet die Asylbewerber Efrem Gezai (Eritrea, von links), Ahmed Saalah Ismaaiil (Somalia), Mohamed Ferid (Eritrea) und Bashir Ahmed Said (Somalia). Hausaufgaben sind für die Kursteilnehmer aus der Gemeinschaftsunterkunft Ihringshausen-West eine willkommene Beschäftigung. Foto: Schräer

Im Nebenraum ist die Gruppe, die Manfred Raupach betreut, im Stoff schon weiter. Aber auch dort werden erst einmal Vokabeln geübt. Es geht um Möbel in Wort und Bild. Dann versucht der Sprachwissenschaftler „das Kantinenspiel“. Mit jenen schwer auszusprechenden Worten, die in Fragen und Antworten vorkommen, die richtig zugeordnet werden müssen. Ahmed Saalah Ismaaiil aus Somalia nimmt sein Handy für die Übersetzung zu Hilfe. „Deutsch lernen ist schwer, aber wir strengen uns an“, sagt Mohamed Ferid aus Eritrea. Schließlich wolle er den Kontakt mit Menschen hier und das gehe nur über die Sprache. So sieht es auch Davit Zewdu Woldu. Er hoffe, in Deutschland bleiben zu können, daher will er auch die deutsche Kultur kennenlernen. Wie auch Mengistu Ephrem, der betont: „Hier ist Freiheit und Demokratie.“

Hintergrund: Weitere Unterstützer werden gesucht

Bevor Prof. Dr. Horst Heinemann und Prof. Dr. Manfred Raupach mit ihrem Deutschkurs im Januar begannen, erkundigten sie sich per Fragebogen bei den Asylbewerbern aus Ihringshausen-West, ob Interesse bestand. Ein Drittel der 100 Befragten wollte teilnehmen. Der Unterricht soll zunächst bis März erfolgen. Dann wollen sie Bilanz ziehen und das weitere Vorgehen besprechen, sagen Heinemann und Raupach. Die hoffen auf weitere Mitstreiter, um die Asylbewerber zu unterstützen. Zum Beispiel ein pensionierter Jurist wäre hilfreich, meinen sie.

Außerdem wollen sie ein Netz aus Paten aufbauen, die sich um einzelne Asylbewerber kümmern, sie zum Beispiel zu Behörden begleiten. Nur im direkten Kontakt ließen sich Vorurteile abbauen, lernten die Asylbewerber das Leben in Deutschland kennen, meinen sie.

Von Michael Schräer 

Kontakt: Prof. Dr. Horst Heinemann, Tel. 05 61/81 78 23.

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