Agrarscout bei der "Grünen Woche"

Fuldatalerin fährt als Bauern-Botschafterin nach Berlin

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Zu Hause auf dem Weidhof: Landwirtin Claudia Jütte (von links) aus Simmershausen will bei der Grünen Woche Aufklärungsarbeit leisten. Unser Bild zeigt sie bei der Käseproduktion mit ihren Mitarbeitern Moritz Bühning und Olga Hermann.

Fuldatal. Wenn heute Abend in Berlin die Landwirtschaftsmesse „Internationale Grüne Woche“ eröffnet wird, ist auch eine Frau aus Fuldatal mittendrin: Landwirtin Claudia Jütte vom Weidberghof in Simmershausen. Die 49-Jährige soll dort als sogenannter Agrarscout Werbung für die Landwirtschaft machen.

„Ich bin schon ein bisschen aufgeregt“, sagt sie kurz vor der Abfahrt in die Hauptstadt. Schließlich kommt heute Abend zur Eröffnung der weltweit wichtigsten Messe für Ernährungswirtschaft, Landwirtschaft und Gartenbau „alles, was Rang und Namen hat“, sagt Jütte, die mit Ehemann Martin einen Bauernhof mit 70 Kühen betreibt, Milchprodukte herstellt und verkauft.

Gespräche mit Verbrauchern

Mit rund 100 anderen Agrarscouts, die von der Vereinigung Forum Moderne Landwirtschaft ausgewählt worden sind, hat sie bei der Grünen Woche die Aufgabe, das Gespräch mit Verbrauchern zu suchen, über ihre tägliche Arbeit zu informieren und aufzuklären. „Viele Leute regen sich nach kritischen TV-Beiträgen über die Landwirtschaft auf“, sagt sie, „dabei kennen sie oft die Hintergründe nicht“.

„Die Landwirtschaft hat bei der Öffentlichkeitsarbeit in den letzten Jahren so einiges verpennt“

Claudia Jütte Agrarscout

Als Agrarscout wolle sie deshalb die Chance nutzen, mit möglichst vielen Messebesuchern ins Gespräch zu kommen. „Oft ist es so, dass sich der Ärger dann schnell legt“, sagt Jütte, die bereits 2016 für einen Tag als Bauern-Botschafterin im Einsatz war. Ohnehin habe sie die Erfahrung gemacht, „dass viele Menschen einfach nicht mehr über die Landwirtschaft Bescheid wissen“. Die Gründe dafür seien vielfältig. „Allerdings haben auch wir Landwirte in puncto Öffentlichkeitsarbeit in den letzten Jahren so einiges verpennt“, sagt sie. Deshalb ist es aus ihrer Sicht richtig, dass nicht etwa Manager oder Marketingexperten als Agrarscouts eingesetzt werden, „sondern echte Landwirte, die tagtäglich im Stall sind“.

Auf Aggressionen vorbereitet

Vor ihrem Auftritt in Berlin ist Jütte mit den anderen Agrarscouts geschult worden – unter anderem auch im Umgang mit aggressiven Messegästen, die die Grüne Woche als Plattform für ihren Protest nutzen wollen. „Ich bin auf alles vorbereitet“, sagt Jütte. Den Job des Agrarscouts macht sie übrigens ehrenamtlich. Lediglich Anreise und Unterkunft werden bezahlt. „Ich mache das aus Überzeugung.“

Hintergrund: Grüne Woche

Die Internationale Grüne Woche gilt als weltweit wichtigste Messe für Ernährungswirtschaft, Landwirtschaft und Gartenbau. Bei der neuntägigen Ausstellung in Berlin informieren sich rund 380 000 Besucher bei 1550 Ausstellern aus 65 Ländern über die neuesten Trends in den jeweiligen Branchen. Zur Eröffnung heute Abend haben sich prominente Gästen aus Politik und Wirtschaft angekündigt – unter anderem Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, und Berlins Bürgermeister Michael Müller. Begleitet wird die Grüne Woche traditionell aber auch von Protesten. Unter dem Motto „Wir haben es satt“ protestierten in den vergangenen Jahren immer wieder Zehntausende gegen Massentierhaltung. www.gruenewoche.de

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