Wenn Vögel Wohnungsnot haben

Gemeinde Fuldatal baut spezielles Haus für Mehlschwalben

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Sehen täuschend echt aus: 16 solcher Kunstnester haben Vera Eing (Gemeinde Fuldatal) und Werner Bellon vom Nabu am Schwalbenhaus anbringen lassen. Normalerweise bauen sich Mehlschwalben ihre Nester aus Lehm und Schlamm.

Fuldatal. Die Gemeinde Fuldatal und der Naturschutzbund  haben im Neubaugebiet „Auf dem Hasenstock“ in Ihringshausen ein Haus speziell für Mehlschwalben aufgestellt.

Das Neubaugebiet „Auf dem Hasenstock“ in Ihringshausen lockt nicht nur junge Familien nach Fuldatal – es zieht auch immer mehr Mehlschwalben an. Denn in den Baugruben und Pfützen finden die kleinen Vögel ausreichend Nistmaterial, an den Hausfassaden Platz für ihre Nester. Da die Tiere aber bei den menschlichen Bewohnern nicht immer willkommen sind, hat die Gemeinde Fuldatal auf einer angrenzenden Wiese jetzt mit der Fuldataler Nabu-Gruppe für sie ein Holzhaus gebaut.

In sechs Meter Höhe: Das gut zwei Quadratmeter große Holzhäuschen steht auf einem Baumstamm. Die 5000 Euro Baukosten hat die Sparkassenstiftung in Kooperation mit der Lieselotte-Damm-Stiftung übernommen.

„Damit wollen wir den Mehlschwalben aus der Wohnungsnot helfen“, sagt Vera Eing von der Gemeinde. Das auf einem gut sechs Meter hohen Baumstamm stehende Häuschen sei eine Art Brutfelsen für die Vögel. Damit sich vorbeifliegende Schwalben direkt wohlfühlen, hat die Gemeinde schon mal 16 künstliche Nester an dem zwei Quadratmeter große Häuschen angebracht. „Erfahrungsgemäß werden die Nester gut angenommen“, sagt Werner Bellon vom Nabu.

Der Vogelexperte rechnet allerdings damit, dass dort wohl frühestens im Frühjahr die ersten Mehlschwalben einziehen werden. Denn in den nächsten Wochen zieht es die Zugvögel erst einmal in den Süden. Im März kommen sie wieder zurück.

Großes Nahrungsangebot

Das Haus befindet sich laut Bellon an einem optimalen Standort: im Bereich der Straße Am Waldrand auf einer Wiese, die der Gemeinde gehört und an eine Pferdebesitzerin verpachtet ist. „Wo es Pferde gibt, gibt es auch Insekten. Und das schmeckt den Mehlschwalben“, sagt Bellon. Hinzu kommen die Pfützen und Baugruben des Neubaugebietes, zudem haben sich bereits einige Brutpaare in den Dachschrägen der benachbarten Wohnhäuser eingenistet. „Allerdings werden sie dort kaum akzeptiert“, sagt Vera Eing. 5000 Euro hat das Schwalbenhaus gekostet. Übernommen hat die Kosten die Kasseler Sparkassenstiftung in Kooperation mit der Lieselotte-Damm-Stiftung. Betreut wird das Haus vom Nabu.

Flugstrecke

Auf der Roten Liste der bestandsgefährdeten Brutvogelarten Hessen wird die Mehlschwalbe inzwischen als „gefährdet“ eingestuft. Demnach gibt es hessenweit noch rund 40 000 bis 60 000 Brutpaare. Für die kommenden 25 Jahre prognostizieren die Autoren der Liste, die zuletzt 2014 vom hessischen Umweltministerium veröffentlicht wurde, einen Bestandsrückgang um mehr als 20 Prozent. „Deshalb müssen wir mehr für den Erhalt tun“, sagt Werner Bellon. Zum Beispiel so ein Haus aufstellen. 

Schon gewusst? Die Schwalbe im Steckbrief 

• Mehlschwalben sind mit einer Körperlänge von 13 Zentimetern und einem Gewicht von 16 bis 25 Gramm kleiner als beispielsweise der Spatz.
• So geschickt sich die kleinen Vögel in der Luft auch bewegen – schnell sind sie nicht. Ihre Spitzengeschwindigkeit liegt bei: 74 km/h. Die Wanderfalken sind schneller: Sie erreichen im Sturzflug weit mehr als 300 km/h.
• Feinde der Mehlschwalbe sind der Baumfalke, die Schleiereule, der Sperber – und der Mensch, wenn der ihre Nester entfernt.
• Wer Nester von Hauswänden abschlägt, verstößt gegen den gesetzlichen Artenschutz und riskiert laut dem Nabu ein Bußgeld in Höhe von bis zu 50 000 Euro.
• Mehlschwalben haben die Funktion eines Wetterhahns. Die Bauernregel „Wenn die Schwalben niedrig fliegen, werden wir bald Regen kriegen“ ist durchaus zutreffend. Denn sie ernähren sich hauptsächlich von Insekten, die bei schönem Wetter höher fliegen, und bei Tiefdruckwetter niedriger.
• Die Schwalben sind die einzigen europäischen Singvögel mit weiß gefiederten Beinen und Füßen.
• Ihren deutschen Namen verdankt die Mehlschwalbe ihrer weißen Unterseite, als hätte sie im Mehl gesessen.
• Mehlschwalben legen zwei bis sechs Eier, die von beiden Eltern etwa zwei Wochen bebrütet werden. Die Jungen bleiben zwischen 26 und 29 Tage im Nest.
• Mehlschwalben sind Zügvögel und überwintern südlich der Sahara, teilweise sogar in Südafrika. Von Deutschland sind das rund 9000 Kilometer Luftlinie. Auf ihrem Zug nach Süden können sie eine Strecke von bis zu 1000 Kilometer pro Tag zurücklegen – das Mittelmeer und die Sahara überfliegen sie nonstop. 

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