Bundespolizei-Fliegerstaffel: Bei Waldbränden und Hochwasser im Einsatz

Löschen aus der Luft: Piloten der Bundespolizei-Fliegerstaffel Fuldatal bekämpfen im Sommer 2003 Waldbrände in Portugal mit einem Bambi-Bucket zum Wassertransport unter einer Superpuma. Foto: Bundespolizei/nh

Fuldatal. Einsatzkräfte von A noch B bringen, aus der Luft Demonstrationszüge begleiten oder Gruppen von Fußballfans aus höherer Warte beobachten, das ist Alltag für die Piloten der Bundespolizei-Fliegerstaffel Fuldatal. Besondere Herausforderungen sind Sondereinsätze in Deutschland und weit darüber hinaus.

So im Februar 74 während der Hungerkatastrophe in Äthiopien. Damals wurden Hubschrauber und Piloten aus Fuldatal nach Ostafrika verlegt, um Lebensmittel zu transportieren, sagen Hans Bäuml und Thomas Nagler. „Das war vor unserer Zeit am Standort.“ Bäuml, seit 87 in Fuldatal, und Staffelleiter Nagler, seit sieben Jahren in Nordhessen, haben auch eigene Erfahrungen mit Katastrophen.

Mit dem Oder-Hochwasser 97 zum Beispiel. Damals wurden Hubschrauber des Bundesgrenzschutzes (BGS) aus ganz Deutschland zusammengezogen. Nagler war bei der Fliegerstaffel in Berlin-Tempelhof, dort habe nach dem Versprechen des damaligen Kanzlers Helmut Kohl (CDU) nach größtmöglicher Hilfe das „Flugfeld in Tempelhof komplett voller BGS-Hubschrauber gestanden“.

Drei Jahre später erneut Hochwasser in Deutschland, aber auch in Mosambik. Ein Wirbelsturm habe dort für riesige Überschwemmungen gesorgt. Nur 48 Stunden hatte es nach dem Alarm gedauert, bis Bäuml und eine Puma aus Fuldatal in der Stadt Beira einsatzbereit waren. Bis zu 40 Kilometer sei er über Land geflogen, das unter Wasser stand, erinnert sich der 52-Jährige. Bei Einsätzen habe er „Leute von Bäumen geholt“ und Lebensmittel transportiert.

Anderer Anlass, anderes Land. Im Sommer 2003 brannten in Frankreich Wälder. Hilfskräfte und das Militär dort „hatten keine Hubschrauber mit Lasthaken“, sagt Bäuml. Anders der BGS. „Es war das erste Mal, dass Frankreich Deutschland um Hilfe gebeten hat“, betont der Pilot, der 24 Stunden nach dem Hilfegesuch am Einsatzort mit Hubschrauber und angehängtem Wasserbehälter war.

Nach einer Woche, schon auf dem Rückweg Richtung Nordhessen wurde Bäumls Maschine samt einer weiteren aus Fuldatal und einer aus München nach Zentralportugal umdirigiert. Beim Kampf gegen die Flammen sei Erfahrung wichtig, sagt der Pilot. Bei Sicherheitsabstand „möglichst nah ans Feuer, sonst verdampft das Wasser, eh es unten ankommt“. In Portugal flogen die BGS-Piloten zwei Wochen von morgens bis abends. „Jeder hatte über 1000 Lifts“, also Löschflüge.

Um die 400 Flugstunden und 2208 Lastentransporte kamen durch die Bundespolizei beim Hochwassereinsatz an der Elbe Mai/Juni diesen Jahres zusammen. „Wir hatten einen hohen Anteil“, sagt Pilot Andreas Pöhler. Der half durch spezielle Flugmanöver, per Abstrahl durch den Rotor schwimmende Container aus Tschechien an die Ufer zu treiben, wo sie befestigt wurden und keinen Schaden zum Beispiel an Brücken anrichten konnten.

Hintergrund

Sondereinsätze mit Hubschrauber

Bei Waldbränden, Hochwasserereignissen oder anderen Katastrophen sind Piloten und Maschinen der Bundespolizei-Fliegerstaffel Fuldatal schnell einsatzbereit. Dies liegt laut Staffelleiter Thoams Nagler an einem „schlanken Organisationssystem und kurzen Befehlswegen“. Dabei sind zum Beispiel Lagezentren in betroffenen Bundesländern und im Innenministerium vorgeschaltet. Per Telefon und Fax gehe dies aber schnell.

Fotos von der Fliegerstaffel

50 Jahre Bundespolizei in Fuldatal

Eine zu klärende Frage ist beispielsweise die Kostenübernahme. So schlägt eine Einsatzstunde des Transporthubschraubers Puma einschließlich Besatzung mit 2842 Euro zu Buche.

Zu Sondereinsätzen gehört auch die Beförderung Prominenter, etwa des Bundespräsidenten oder des damaligen Papstes Benedikt XVI. (mic)

Von Michael Schräer

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