40 Jahre Staustufe: Auch Naturschützer Grzimek unterstützte die Gegner

BernhardGrzimek

Fuldatal/Kassel. Das ehrgeizige Projekt des Fulda-Ausbaus starb einen Tod auf Raten. Das lässt sich aus den Berichten im Archiv der HNA gut nachvollziehen. Widerstand regte sich an vielen Fronten.

Der wichtigste Grund war aber wohl die Kostenexplosion: Ein Ausbau der Staustufen und ein Ausbaggern des Flussbettes für Binnenschiffe der 1000-Tonnen-Klasse hätte - so eine Schätzung von 1973 - 69 Millionen D-Mark (rund 35 Millionen Euro) gekostet. Nur die „leeren öffentlichen Kassen“ seien der Grund „für die Beerdigung“ des Projekts, stellte der damalige HNA-Redakteur in einem Bericht vom September 1979 fest und meinte weiter: „Der Fulda-Traum ist ausgeträumt.“ Zu diesem Zeitpunkt war der Kasseler Hafen schon über zwei Jahre dichtgemacht und diente nur noch Sportbooten zum Anlegen.

Im Wehr hängen geblieben: Dieser Frachter musste 1978 mit einer Winde ins Fahrwasser gehievt werden. Foto: nh / Repro: Dilling

Selbst aus dem vorgeschlagenen Kompromiss, die Staustufen wenigstens so zu bauen, dass sie später für größere Schiffe erweitert werden können, wurde nichts. Denn auch das hätte über 30 Millionen D-Mark (15 Millionen Euro) gekostet. Und: Aus der Natur- und Umweltschutzbewegung erwuchsen den Befürwortern der Kanalisierung mächtige Gegner.

Auf Bitten des damaligen Bürgervereins Wahnhausen, der sich gegen die Natur- und Landschaftszerstörung wandte, schaltete sich sogar Bernhard Grzimek, der berühmte Tierarzt, Verhaltensforscher und Direktor des Frankfurter Zoos (gestorben 1987), in die Diskussion ein und warnte vor dem Verlust eines Feuchtgebiets an der Fulda. Man befürchtete ein Fischsterben. Schließlich wurden die neuen Schleusen deutlich kleiner als die alten gebaut, auch für kleine Frachtschiffe ungeeignet.

Das bekam im November 1978 auch Karl Söllner, damals Chef der „Weißen Flotte“ in Kassel, zu spüren. Die HNA titelte damals: „Platzprobleme auf der Fulda - Dicker Pott hing im Wehr“. Söllner hatte einen 40 Meter langen Frachter gekauft, um ihn zum Gastronomieschiff umzubauen. Nur mit einer Winde konnte der große Kahn schließlich über das Wehr in Wahnhausen gezogen werden.

In die neue Schleuse hätte er gar nicht hineingepasst. Diese ist nur 36 Meter lang (pdi)

Lesen Sie auch: 40 Jahre Staustufe Wahnhausen

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.